Rentenexperten empfehlen europäische Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit: Anleihen bleiben Aktien überlegen

Rentenexperten empfehlen europäische Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit
Anleihen bleiben Aktien überlegen

Auf diesen Rekord hätte er wohl lieber verzichtet. Mit der Leitzinssenkung um 475 Basispunkte hat Alan Greenspan, Präsident der US-Notenbank Fed, die Zinsen auf das niedrigste Niveau sei 40 Jahren gesenkt.

FRANKFURT/M. Greenspan benötigte dafür nur elf Sitzungen des Offenmarktausschusses. Zügiger hat das wohl niemand vor ihm geschafft. Ende Januar nun, bei ihrer turnusmäßigen Sitzung, fror die Fed erstmals seit einem Jahr die Zinsen auf dem aktuellen Stand von 1,75 % ein. Vieles scheint auf eine Zinswende hinzudeuten, doch wie sollen die Anleger darauf reagieren?

"Tendenziell sollten sie Renten übergewichten", sagt Christian Hümer, Rentenanalyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Er bezweifelt, dass es am Aktienmarkt in naher Zukunft eine dynamische Entwicklung geben wird. Allerdings sei es schwierig, eine allgemein gültige Aussage zu treffen, da das Anlageverhalten davon abhängt, welches Risiko der Anleger eingehen möchte. Entgegen der Einschätzung zahlreicher Ökonomen an der Wallstreet rechnet Hümer bereits im zweiten Halbjahr mit einer Zinsanhebung durch die Fed. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde im vierten Quartal folgen. Eine Studie der BHF-Bank unterstützt diese Einschätzung: "Für den Jahresverlauf sind (an den Finanzmärkten) teilweise recht deutliche Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank eingepreist". Seit nunmehr Anfang November des vergangenen Jahres stehen die europäischen Leitzinsen unverändert bei 3,25 %.

Von einer längeren Zinspause geht indes Richard Zellmann aus. Der Leiter für Rentenstrategie bei der Helaba teilt jedoch die Einschätzung seines Kollegen von der Bankgesellschaft Berlin, dass sich Anleger eher auf Anleihen konzentrieren sollten. "Aktien haben kurzfristig deutlich höhere Risiken, die werden noch einen Satz nach unten machen", sagt Zellmann. Erst mittel- bis langfristig räumt er den Aktien wieder Chancen ein. Die Anleger sollten sich allerdings auf erstklassige Anleihen konzentrieren, beispielsweise Staatsanleihen in der Euro-Zone. "Viele Unternehmensanleihen geben nämlich langsam den Geist auf", sagt er.

Auch von langfristigen Staatsanleihen sollten die Anleger lieber die Finger lassen. Vor allem die aggressive US-Außenpolitik könnte inmitten einer Aufschwungphase zu steigenden Rohstoffpreisen führen. Zudem sieht Zellmann derzeit ein steigendes Angebot an attraktiven Staatsanleihen. Hierauf sollten die Anleger flexibel reagieren können.

Eine gute Investition sind nach seiner Einschätzung österreichische Staatsanleihen: "Die haben keinerlei Sonderrisiken". Außerdem liege der Spread (Renditeabstand) zu zweijährigen Bundesanleihen bei 30 Basispunkten und das bei einer optimalen Bonitätseinstufung von AAA. Ebenfalls auf seiner Empfehlungsliste stehen irische Anleihen, da die Regierung die Staatsfinanzen gut in den Griff bekommen hätte. Nachteilig wirke sich jedoch die geringe Auswahl von Anleihen mit mittlerer Laufzeit aus.

Irland zählt auch zu den Favoriten von Dietmar Zantke, Rentenfondsmanager bei der Baden Bank. -Württembergischen Gemeinsam mit Portugal hätten die Iren ein hohes Wachstum erzielt, "das bedeutet gleichzeitig hohe Steuereinnahmen". Somit sei - etwa im Gegensatz zu Griechenland - die Bonität der Anleihen gesichert. Für Portugal und Spanien gelten jedoch kleine Einschränkungen: Zahlreiche Unternehmen beider Länder haben stark in Lateinamerika investiert und werden von der dortigen Wirtschaftskrise getroffen. "Das hat zwar keinen unmittelbaren Einfluss auf die beiden Länder, erzeugt aber einen psychologisch nachteiligen Effekt", sagt der Fondsmanager.

Einig sind sich die Experten darin, Anleihen den Vorzug vor Aktien zu geben sowie in kurz- bis mittelfristige Papiere zu investieren. "Wichtig ist, dass die Anleihe liquide ist", sagt BHF-Rentenanalystin Annette Pacl-Schneeweis. Allgemein rechnet sie mit moderaten Renditen, die bis zum Jahresende auf 5 % steigen könnten. "Am Markt ist bereits ein gewisses Maß an Optimismus eingepreist, bei Enttäuschungen würden die Renditen sofort fallen", sagt sie. Wie schnell es zu Enttäuschungen kommen kann, zeigen die Bilanzierungsmanipulationen in den USA. "Der Baisse-Trend hätte gebrochen werden können", sagt Zellmann von der Helaba. Insbesondere die deutschen Konjunkturdaten seine erfreulich gewesen. Mit solide Staatsanleihen aus der Euro-Zone können jedoch die Anleger die Zeit bis zum Aufschwung überbrücken. Wann allerdings die Aktie wieder eine attraktivere Alternative bietet, bleibt offen.

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