Rentenexperten erwarten deutliche Leitzinssenkung in Polen 2001
Zloty-Anleihen und kroatische Eurobonds im Blick

Osteuropa bleibt interessant für Anleihe-Käufer: Phantasie auf steigende Kurse bergen Bonds von Schuldnern aus Osteuropa wie auch Zinspapiere in osteuropäischen Währungen vor allem durch die geplante EU-Osterweiterung.

FRANKFURT/M. Allerdings sind in den Kursen von Eurobonds aus den "Musterländern" wie Polen, Ungarn und Tschechien die Erwartung eines EU-Beitritts teilweise enthalten. Deshalb raten Anleiheexperten risikobewussten Anlegern eher zu Titeln in osteuropäischer Währung.

Tabelle mit aussichtsreichen Osteuropa-Anleihen

Der polnische Zloty gehört für viele Analysten zu den attraktivsten Bondswährungen in Osteuropa. Grund: Mit Zloty-Papieren erhalten Anleger im Vergleich zu Zinspapieren in ungarischen Forint oder tschechischer Krone deutlich mehr Rendite. Bei Laufzeiten von fünf Jahren können Investoren mit aktuell knapp 15% rund 5 bis 7 Prozentpunkte mehr verdienen. Die Aussicht auf Kursgewinne 2001 schätzen Bankanalysten in Polen als gut ein. Weil die Inflationsrate weiter zurückgehen dürfte, rechnet Jan Holthusen von der DG Bank damit, dass sich der Renditeabstand von Zloty-Bonds aller Laufzeiten gegenüber Bundesanleihen (Spreads) 2001 weiter einengt und damit die Kurse klettern. Die polnische Notenbank werde die Leitzinsen im Frühjahr von 19 % um 2 Prozentpunkte senken, meint er. Moritz Schularick von der Deutsche Bank Research erwartet ebenfalls, dass die Spreads der Bonds mit kurzen Laufzeiten wegen zu erwartender Leitzinssenkungen um 3 Prozentpunkte überproportional sinken werden. Dennoch rät er, mittel- oder langfristig einzusteigen und den größeren Kurshebeleffekt mitzunehmen. Die Spreads bei fünf- und zehnjährigen Papieren dürften sich 2001 um 1,5 bis 2 bzw. 1 Prozentpunkte verringern. Das Wirtschaftsumfeld werde 2001 günstiger sein als in diesem Jahr: Weder dürfte es erneut eine schlechte Ernte und einen extrem hohen Ölpreis geben, die das Preisniveau in die Höhe drückten. Die inzwischen moderaten Wachstumsraten flankierten Zinssenkungen.

Wegen des derzeit recht starken Zlotys sollten Anleger mit Käufen aber noch einige Monate abwarten. "Legt der Euro-Kurs auch in weniger turbulenten Börsenzeiten weiter zu, können sie billiger einsteigen", sagt Schularick.

Forint-Bonds sind für die Rentenexperten das langweiligere Pendant zum Zloty, weil die ungarische Währung in einem festen Verhältnis zum Euro abgewertet wird und die Renditen bereits stärker an Euroland-Niveau angeglichen sind. Andere empfehlen Forint-Titel allerdings als "sicherere" Alternative für risikoscheue Anleger. Tschechien halten Analysten dagegen für uninteressant: "Dort gibt es weder hohe Kupons noch Kursphantasie, zumal die Konjunktur nicht besonders läuft", sagt Holthusen.

Bei Eurobonds hält Caspar Melville-Murphy von Dresdner Kleinwort Benson Kroatien und die Slowakei mit Spreads von 2,4 bzw. 2 Prozentpunkten für attraktiv. Kroatien habe seine außenpolitische Isolation überwunden, ergänzt Holthusen. Auch wiesen Reformen wie die Bankenprivatisierung in die richtige Richtung. Die Slowakei berge Kursphantasie wegen der OECD - Anwartschaft, sagt Melville-Murphy.



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