Rentenreform bietet großes Marktpotenzial
Versicherer Aegon will in Deutschland wachsen

Der niederländische Versicherungskonzern Aegon will in Deutschland expandieren, sobald sich eine günstige Gelegenheit bietet.

nw FRANKFURT/M. "Der deutsche Markt ist sehr interessant für uns und bietet nach der Rentenreform großes Potenzial", sagte der Finanzvorstand von Aegon, Joseph B.M. Streppel, dem Handelsblatt. "Wir haben aber keine Eile. Entscheidend ist vielmehr, mit der für ein effizientes Versicherungsgeschäft notwendigen Größe in den Markt einzusteigen."

Aegon ist der siebtgrößte Versicherer der Welt gemessen an Ertrag und Höhe der Aktiva. 25 600 Beschäftigte arbeiten für den Konzern, der auf Lebensversicherungen fokussiert ist und gut 60 % seines Ertrages in den USA erzielt.

In Deutschland ist Aegon bislang nur mit der Direktversicherungstochter Moneymaxx vertreten. Das Geschäft in Deutschland müsse aber mindestens die Größe erreichen wie in Großbritannien, um effizient zu sein, sagte Streppel. In Großbritannien wurden im Jahr 2001 rund 4,0 Mrd. Pfund (6,52 Mrd. Euro) Prämien erzielt. Der Kauf eines Versicherungsgeschäfts in dieser Größenordnung sei in Deutschland nahezu ausgeschlossen, sagte Streppel. Aegon denke daher auch über nicht-traditionelle Vertriebsallianzen nach. Vorbild könnten die Niederlande sein, wo der Versicherer eine Allianz mit dem Einzelhandelskonzern Ahold eingegangen ist, oder die USA. Dort, wie auch in anderen Ländern, kooperiert Aegon mit führenden Banken beim Vertrieb der Finanzprodukte.

Wenn Aegon in Deutschland expandiert, dann mit voller Kraft. Streppel: "Wenn wir uns für einen Markt entscheiden, legen wir viel Geld auf den Tisch und gehen die Sache entschlossen an." Die gleiche Strategie wie für Deutschland verfolge Aegon auch für Frankreich, Italien und Spanien. In Großbritannien habe der Versicherer im Markt für Altersvorsorgeprodukte die nötige Größe erreicht, wolle aber in der Lebensversicherung noch wachsen. Die britische Zeitung Sunday Telegraph hatte berichtet, Aegon erwäge ein Angebot über 1,6 Mrd. Pfund für den britischen Versicherer Britannic. Streppel wolle zu den Marktgerüchten keine Stellung nehmen.

In den USA will Aegon nach den Worten von Streppel Teile des 1999 erworbenen Versicherers Transamerica, die nicht zum Kerngeschäft Lebensversicherungen zählen, verkaufen. Voraussetzung sei aber, dass es einen geeigneten Kaufkandidaten gebe und der Preis stimme. Beide Bedingungen seien derzeit nicht erfüllt. Aegon hatte Transamerica für 9,7 Mill. Dollar gekauft.

Der designierte Nachfolge von Aegon-Chef Kees Storm, Donald J. Shepard, werde nach seinem Antritt im kommenden Monat die Expansionsstrategie des Versicherungskonzerns kontinuierlich fortführen, sagte Streppel.

Im Jahr 2001 erfüllte Aegon mit einer Steigerung des Nettoergebnisses um 16 % auf 2,4 Mrd. Euro die eigene Prognose. Mit einem Ausblick für das laufende Jahr wollte sich Storm zurückhalten. Trotz der unsicheren Lage auf den Finanzmärkten wolle Aegon aber mindestens das Ergebnis des Jahres 2001 wieder erreichen. Nach Veröffentlichung des Ergebnisses korrigierten mehrere Investmenthäuser, darunter Merrill Lynch, Goldman Sachs und ABN Amro, ihre Gewinnprognosen für das laufende und kommende Jahre nach unten. Aegon sei einer der wenigen großen Versicherer, die ihre Prognosen erfüllt haben, kommentierte Analyst Andrew Goodwin von Commerzbank Securities das Ergebnis.

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