Rentensteuer - Förderung - Riester und Rürup
26 Antworten zur neuen Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge, Direktversicherungen, Entgeltumwandlung, Riester- und Rürup-Rente.

Betriebliche Altersvorsorge

1) Was ändert sich bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV)?

Die steuerlichen Rahmenbedingungen werden vereinheitlicht und vereinfacht. Für Versorgungszusagen, die nach dem 31.12.2004 erteilt werden (so genannte Neuverträge), wird - als Ersatz für den Wegfall der Pauschalversteuerung nach § 40b EStG - der steuerfreie Höchstbetrag (bisher: vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung) um einen festen Betrag in Höhe von 1800 Euro im Kalenderjahr erhöht.

2) Können vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers auch für Vorsorgeprodukte eingesetzt werden?

Die meisten Tarifverträge sehen heute eine Beteiligung des Arbeitgebers an der Vermögensbildung seiner Arbeitnehmer vor. Das sind zwar auf den ersten Blick kleine Beträge. Regelmäßig gespart, können die 400/800 Euro (Ledige/Verheiratete) jährlich, die sogar in eine bAV-Lösung eingebunden werden können (vgl. Euro/Sonderheft bAV 2003), im Laufe der Sparzeit zu einem ansehnlichen Vermögen werden.

3) Gibt es Änderungen bei der Direktversicherung?

Die bisher pauschalversteuerte Direktversicherung ist ein Auslaufmodell. Neuverträge nach diesem beliebten Modell sind ab dem Jahreswechsel nicht mehr möglich (Ausnahme: Beschäftigte im öffentlichen Dienst unter bestimmten Voraussetzungen). Altverträge sind allerdings nicht betroffen. Bei ihnen bleibt es bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit bei der Pauschalsteuerregelung, wenn die Umwandlungsoption nicht genutzt wird.

4) Für betriebliche Renten sind auch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu zahlen. Wie hoch sind die?

Seit Beginn des Jahres müssen Betriebsrentner den vollen Kassenbeitrag aus eigener Tasche bezahlen (vorher: die Hälfte). Das führt zu einer Verringerung der Netto-Betriebsrente um sechs bis fast acht Prozent (je nach Kassenmitgliedschaft und daraus folgendem Beitragssatz).

5) Lassen sich die Kassenbeiträge für Betriebsrenten verringern?

Ja, durch Wechsel der Krankenkasse. Das Magazin Euro veröffentlicht regelmäßig die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen. Die günstigsten Anbieter verlangen etwa 13 Prozent, teure dagegen weit über 15 Prozent. Da lassen sich über das Jahr gerechnet schnell 100 Euro und mehr sparen - auch bei Betriebsrenten. Ein Umstieg von einer Kasse zu einer anderen ist einfach, da es Gesundheitsprüfungen wie in der privaten Krankenversicherung nicht gibt. Es ist lediglich eine regelmäßige Vorversicherungszeit von 18 Monaten bei der bisherigen Kasse zu beachten.

6) Kapitalauszahlungen aus Direktversicherungen unterliegen neuerdings auch der Krankenversicherungspflicht. Mit welchem Beitrag muss der Kunde rechnen?

Kapitalauszahlungen aus einer Direktversicherung unterliegen seit Anfang 2004 der vollen Beitragspflicht (so genannte Verbeitragung) in der gesetzlichen Krankenkasse.Bei einer Auszahlung von 100.000 Euro und einem Beitragssatz von 15 Prozent sind 15.000 Euro fällig. Direktversicherungskunden hat der Gesetzgeber immerhin eine Stundung zugestanden: Der fällige Beitrag kann über fünf Jahre gestreckt werden.

7) Was bedeutet Entgeltumwandlung?

Ein Teil des Bruttoeinkommens wird in einen Vorsorgebetrag umgewandelt, der in eine Lebensversicherung (Beispiel: Direktversicherung oder andere Formen der betrieblichen Altersvorsorge) eingezahlt wird. Dieser Teil des (umgewandelten) Einkommens bleibt regelmäßig steuerfrei. Unter bestimmten Voraussetzungen (Beispiel: Entgeltumwandlung aus Einmalzahlungen wie z. B. Weihnachts- oder Urlaubsgeld) können sogar Sozialversicherungsbeiträge gespart werden.

8) Kann der Arbeitgeber bestimmen, welche Vorsorge der Arbeitnehmer abschließen muss?

Das kommt darauf an, ob und in welcher Weise der Arbeitgeber in den Vorsorgeprozess mit eingebunden ist:

- in der betrieblichen Altersvorsorge kann der Arbeitgeber bestimmen, welche Form er seinen Mitarbeitern anbietet. Der Arbeitnehmer ist dann daran gebunden.

- bei jeder privaten Form der Vorsorge kann der Arbeitnehmer dagegen frei bestimmen, ob und bei welchem Anbieter er seinen Vertrag abschließt.

9) Was passiert bei einer Scheidung mit privaten oder betrieblichen Vorsorgemaßnahmen?

Beide fließen in den Vermögensausgleich. Beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft allerdings nur der Teil, der während der Ehezeit erworben wurde.Geförderte Altersvorsorge (Riester-Rente)

10) In welchem Verhältnis steht der Sonderausgabenabzug für Altersvorsorgeaufwendungen zum Sonderausgabenabzug für die Riester-Rente?

Beide Regelungen stehen nebeneinander. Steuerpflichtige können die steuerliche Förderung für den Aufbau einer ergänzenden privaten Altersabsicherung nach dem Altersvermögensgesetz in vollem Umfang in Anspruch nehmen, ohne dass dies Einfluss auf den Umfang der Abzugsmöglichkeiten für Vorsorgeaufwendungen hat.

11) Welche Änderungen sind im Bereich der Riester-Rente vorgesehen?

Im Bereich der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge (so genannte Riester-Rente) werden ab 2005 Vereinfachungen für Steuerpflichtige und Produktanbieter umgesetzt. So wird beispielsweise das Antragsverfahren durch Einführung eines Dauer-Zulageantrags vereinfacht.

12) Was ist unter einem Dauer-Zulageantrag zu verstehen?

Der Zulageberechtigte kann seinen Anbieter bevollmächtigen, für ihn jedes Jahr einen Zulageantrag bei der Zulagenstelle zu stellen. Eine einmalige Bevollmächtigung - beispielsweise bei Vertragsabschluss - reicht aus.

13) Worin bestehen die Änderungen gegenüber den geltenden Zertifizierungskriterien beim Riester-Vertrag?

Der Katalog der Zertifizierungskriterien wird im Verhältnis zur bisherigen Regelung vereinfacht und zugunsten der Anleger verbessert. So ist unter anderem vorgesehen:

- den Anlegern die Möglichkeit einzuräumen, zu Beginn der Auszahlungsphase 30 Prozent des angesparten Kapitals zur freien Verwendung zu entnehmen

- die Möglichkeit des Produktvergleichs für die Anleger durch entsprechende Angaben der Anbieter zu verbessern

- die Verwendung von Unisex-Tarifen ab 1.1.2006 vorzuschreiben.

Bereits abgeschlossene Altersvorsorgeverträge können aufgrund einer einvernehmlichen Vereinbarung zwischen Anbieter und Anleger grundsätzlich auf die neuen Tarife umgestellt werden.

14) Was versteht man unter der Bezeichnung Unisex-Tarif?

Es handelt sich hierbei um eine geschlechtsneutrale Kalkulation von Beiträgen und Leistungen bei Rentenversicherungen. Zertifizierte Altersvorsorgeverträge, die nach dem 31.12.2005 abgeschlossen werden, müssen geschlechtsneutrale Tarife vorsehen.

15) Hat die Einführung von Unisex-Tarifen Auswirkungen auf bereits abgeschlossene Altersvorsorgeverträge?

Bereits bestehende Verträge sind nicht betroffen. Es besteht bei vor dem 1.1.2006 abgeschlossenen zertifizierten Altersvorsorgeverträgen weder die Verpflichtung zur Umstellung auf Unisex-Tarife, noch entfällt die steuerliche Förderbarkeit der Beiträge, wenn nicht umgestellt wird. Einigen sich Anbieter und Anleger jedoch einvernehmlich auf eine entsprechende Übernahme, so ist dies ohne erneute Zertifizierung des Vertrages möglich.

Rürup-Rente

16) Welche Voraussetzungen müssen Rürup-Verträge erfüllen, um im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen steuerfrei gestellt zu werden?

Beiträge zugunsten einer privaten Leibrentenversicherung sind nur begünstigt, wenn die Versicherung nur die Zahlung einer monatlichen und auf das Leben des Steuerpflichtigen bezogenen lebenslangen Leibrente vorsieht und wenn die Leistungen nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres des Berechtigten erbracht werden. Um die Verwendung als Altersvorsorge sicherzustellen, dürfen die sich ergebenden Versorgungsanwartschaften nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht veräußerbar, nicht beleihbar und nicht kapitalisierbar sein. Der Einschluss einer Zusatzversicherung (beispielsweise Berufsunfähigkeit, verminderte Erwerbsfähigkeit oder für Hinterbliebene) kann vereinbart werden.

17) Welche Vor- und Nachteile hat die neue Rürup-Rente?

Vorteil: Beiträge zählen zur so genannten Basisversorgung und sind damit im Rahmen der Höchstgrenzen (bis 20.000 Euro) als Vorsorgeaufwendungen bei der Steuererklärung absetzbar.

Nachteil: Leistungsansprüche gegenüber dem Produktgeber sind nicht beleihbar, nicht veräußerbar, nicht kapitalisierbar, nicht übertragbar und nicht vererbbar. Insofern will der Gesetzgeber das System der Sozialversicherung auf die private Vorsorge übertragen.

18) Können betriebliche Altersversorgung, Riester-Rente und Rürup-Rente nebeneinander abgeschlossen werden?

Ja. Die Grenzen werden damit wohl mehr durch die eigene Liquidität als durch den Gesetzgeber gezogen.

19) Kann bei Rürup-Verträgen eine Kapitaloption gewählt werden?

Nein. Die neue Rürup-Rente ist nicht kapitalisierbar. Die Auszahlung kann nur in einer lebenslangen Rente bestehen.

20) Wie ist die Gesamtwirkung des Alterseinkünftegesetzes zu beurteilen?

Das Gesetz wirkt wie ein Steuersenkungsprogramm. Schon im Jahr 2005 sollen die Bundesbürger unterm Strich um über eine Milliarde Euro entlastet werden. Das Entlastungsvolumen steigt dann rasch - bis zum Jahr 2010 auf fast sechs Milliarden Euro - an. Um die Steuerausfälle für den Staatshaushalt zu begrenzen, ist ein stufenweiser Übergang zum System der nachgelagerten Besteuerung bis zum Jahr 2040 vorgesehen.

21) Worin unterscheiden sich eigentlich vor- und nachgelagerte Besteuerung?

Der Normalfall ist die vorgelagerte Besteuerung. Einkommen werden im Jahr des Mittelzuflusses mit entsprechenden Steuern belegt. Von nachgelagerter Besteuerung spricht man, wenn die Besteuerung auf einen späteren Zeitpunkt (beispielsweise Rentenbeginn) verschoben wird.

22) Welche Abzugsmöglichkeiten eröffnen sich für Selbstständige?

Selbstständige können grundsätzlich Altersvorsorgeaufwendungen bis zu 20.000 Euro im Jahr geltend machen. Allerdings werden die geleisteten Beiträge in der Übergangsphase ab 2005 zunächst nur mit 60 Prozent steuerwirksam anerkannt.

23) Wie werden sonstige Vorsorgeaufwendungen nach neuem Recht steuerlich berücksichtigt?

Für die sonstigen Vorsorgeaufwendungen steht dem Steuerpflichtigen ein Abzugsbetrag in Höhe von 2.400 Euro zur Verfügung. Dieser Betrag mindert sich auf 1.500 Euro, wenn der Arbeitnehmer einen steuerfreien Arbeitgeberanteil zu seiner Krankenversicherung erhält oder über einen entsprechenden Beihilfeanspruch (Beamte) verfügt.

24) Kann der Vorsorgefreibetrag in voller Höhe als Sonderausgabe bei der Steuererklärung geltend gemacht werden?

Es kommt auf den Status an:

- Bei Selbstständigen kann dieser Betrag grundsätzlich voll geltend gemacht werden.

- Bei Arbeitnehmern zählen zu den abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen auch die laufenden Rentenversicherungsbeiträge - und zwar sowohl der Arbeitnehmer-, als auch der Arbeitgeberanteil.

25) Wie viel Prozent des Einkommens sollte für private Vorsorge zurückgelegt werden?

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge empfiehlt, rund 10 - 15 Prozent des Einkommens für die Altersvorsorge regelmäßig anzusparen.

26) Was versteht man unter einer Deckungslücke und wie hängt diese mit dem Einkommen zusammen?

Als Deckungslücke bezeichnen Vorsorgeexperten den Unterschied zwischen dem gewohnten Einkommensniveau (Lebensstandard) und den späteren Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Grundsätzlich gilt die Regel: Je höher der Verdienst während der aktiven Erwerbsphase, desto größer die Deckungslücke im Alter. Bei Durchschnittsverdienern ist mit einer Deckungslücke von rund 35 Prozent zu rechnen, bei Gutverdienenden kann sie bis über 80 Prozent steigen.

Quelle: Euro Nr. 11 vom 1.11.2004 Seite 110

Zurück

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%