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Auf die Hartz-Festspiele folgt das Trauerspiel

Peter Hartz ist mit einem neuen Tarifmodell für VW in die Öffentlichkeit gegangen. Doch der VW-Vorstand hat ganz andere Probleme. Und sein größtes heißt Brasilien.

WOLFSBURG. Warm scheint die Sonne in den schlichten Wolfsburger Tagungssaal. Man tauscht Freundlichkeiten aus, erinnert sich gegenseitig an alte Zeiten, als einige im Saal noch schwarze Haare hatten, wie Jürgen Peters bemerkt. Der neue IG-Metall-Chef ist gekommen, um mit VW-Personalvorstand Peter Hartz "Zehn Jahre Viertagewoche" zu feiern. Ein bisschen Nostalgie, ein bisschen visionärer Ausblick - das liegt Hartz, so etwas entspannt in schwierigen Zeiten. Nun will der Manager, so kündigt er am Dienstag an, den Tarifvertrag für die mehr als 100 000 VW-Beschäftigten in Deutschland radikal umbauen. Von "Job-Familien" spricht er, von einer "demographischen Arbeitszeit mit einem Gesundheitsbaustein" und anderen schönen Dingen mehr.

Doch wenn Peter Hartz auftaucht aus seiner geliebten Tarifpolitik, wartet draußen im Konzern die Kälte. Nicht alle wohlklingenden Projekte haben so eingeschlagen wie die Viertagewoche; der Ausflug in die Politik hat viele Illusionen gekostet, und vor allem ist da ein Problem: Brasilien. Das einstige Land aller Autoträume entwickelt sich für VW zum Trauerspiel, der Konzern häuft dort seit Jahren Riesenverluste an. In diesem Jahr ist intern von 450 Millionen Euro die Rede. Bereits die Halbjahresbilanz weist einen operativen Verlust von 142 Millionen Euro für Südamerika aus.

Hartz ist im Konzernvorstand für Südamerika zuständig, und das Delegieren ist schwieriger geworden. Der dortige Statthalter Herbert Demel hat sich vor einem Jahr zum Zulieferer Magna verabschiedet, Nachfolger Paul Fleming gilt als blass, im benachbarten Argentinien hat der frühere österreichische Kanzler Viktor Klima den denkbar härtesten Einstand als VW-Manager gerade erst hinter sich. Es hilft alles nichts: Hartz muss ran. Brasilien erhole sich "nicht so stürmisch wie in früheren Zyklen", hat er gesagt - vor zweieinhalb Jahren. "Er ist unfähig, Brasilien in Ordnung zu bringen", sagt ein VW-Manager. Der Wunderheiler stößt an Grenzen.

Für Hartz sind es wahrscheinlich die härtesten Zeiten seit zehn Jahren. Damals kam er als weithin unbekannter Stahlmanager nach Wolfsburg. Ferdinand Piëch hatte das Ruder gerade mit einer gnadenlosen Eröffnungsbilanz übernommen: Verluste in Milliardenhöhe, schätzungsweise 30 000 Leute zu viel an Bord. Man hätte sie behalten, auf Staatshilfe hoffen und leise der Pleite entgegensiechen können. Man hätte sie entlassen, einen ganzen Landstrich in die Armut stürzen und sich an den Sozialplankosten den Hals brechen können.

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