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Das große Rechnen

Wer fusioniert mit wem, wer bleibt auf der Strecke, wer wird von der Auslandskonkurrenz gefressen? Es wird viel spekuliert in der Bankenszene. Die Nervosität wächst.

FRANKFURT. Der Satz ist gerade zwei Wochen alt, doch in der Frankfurter Bankenszene wird er schon als Klassiker gehandelt: "Alle politisch Verantwortlichen müssen sich darüber im Klaren sein, dass die potenziellen Eroberer schon vor der Tür stehen." So warnte Bankenpräsident Rolf-Ernst Breuer, im Hauptberuf Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, vor dem Griff ausländischer Geldhäuser nach den Perlen der deutschen Kreditwirtschaft. Und dabei blickte der sonst stets gut gelaunte Banker mit dem silbernen Haarschopf plötzlich ganz ernst und sorgenvoll in die Runde.

Ausgerechnet Breuer. Als Chef der Deutschen Bank hatte der Rheinländer vor fünf Jahren selbst die US Bankers Trust-Großbank übernommen und die Fusionspläne der Deutschen Börse mit ihrem Londoner Konkurrenten voran getrieben. Aber nicht nur Breuer, auch sein Vorstandschef Josef Ackermann hat die Heimatliebe entdeckt. Seit neuestem betont der Schweizer mit dem Robert-Redford-Lächeln immer wieder, dass Deutschland eine starke Bank brauche.

Breuers überraschender Hilferuf zeigt die Nervosität in den Chefetagen der Frankfurter Bankentürme. Das Endspiel im Ringen um die Neuordnung der deutschen Finanzwirtschaft ist angepfiffen, da sind sich die Beteiligten einig. Die großen Spieler bringen sich in Position und kämpfen mit Haken und Ösen um die beste Ausgangsposition für das große Fressen- und Gefressenwerden. "Jeder weiß, oder will es zumindest wissen, dass im nächsten Jahr etwas passieren wird", erzählt der Vorstand einer Großbank. "Und alle sind sich darüber im klaren, dass es in der ganzen Branche sehr schnell gehen kann, sobald einer den ersten Schritt macht. Das große Rechnen hat begonnen".

Und so spielen die Finanzstrategen derzeit jede nur denkbare Variante durch. Die am häufigsten genannte Version ist eine Fusion zwischen Commerzbank und Hypo-Vereinsbank. Neuester Dreh: Um dem Wackelpack aus zwei Krisenhäusern mehr Stabilität zu verleihen, könnte auch noch die Postbank aufgenommen werden. Aber auch die Deutsche Bank soll schon einmal die Vor- und Nachteile einer Übernahme der beiden geschwächten Konkurrenten durchgerechnet haben.

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