Report
Steilmann: Traumkarriere in Trümmern

Mit Massenentlassungen und Notverkäufen wollen die Steilmanns ihren Modekonzern retten.

BOCHUM. Die blonde technische Angestellte lächelt noch. Die Mittagspause ist gerade beendet, sie kehrt zurück an den Arbeitsplatz, von dem sie noch nicht weiß, ob sie ihn behalten wird. Aber immerhin, freundlich bleibt sie, auch wenn sie Sätze sagt wie "für uns ist das mit den Kündigungen bitter, gerade jetzt vor Weihnachten." Ihren Namen will sie genau so wenig nennen wie die beiden Kolleginnen neben ihr. Auch die wissen noch nicht, ob sie auf der langen Liste derjenigen stehen werden, die den Bochumer Modekonzern Steilmann in Kürze verlassen müssen. "Wir erfahren hier alles aus der Zeitung."

Tatsächlich: Wenig später informiert die Steilmann-Geschäftsleitung zwei Etagen höher in der schmucklosen Hauptverwaltung an der Feldstraße in Bochum-Wattenscheid die Presse darüber, in welcher Not sich das Unternehmen befindet. Klaus Friedrich ist da, der Geschäftsführer für Steilmanns Vertrieb, und Personalchef Rüdiger Knaup. "Ich empfinde dies alles hier persönlich und menschlich als eine Katastrophe", sagt der. Nichts dagegen sagt Ute Steilmann. Die designierte Sprecherin der Geschäftsführung lässt sich entschuldigen.

Das von Utes Vater Klaus Steilmann gegründete Modeimperium gehört zu den letzten gebliebenen Legenden des deutschen Wirtschaftswunders. Aber so wie vor ihm der Versandhändler Josef Neckermann, der Computerunternehmer Heinz Nixdorf und der Fernsehpionier Max Grundig steht jetzt auch Steilmann samt seiner Familie vor den Trümmern einer langen Erfolgsgeschichte.

Denn die Steilmann-Manager Friedrich und Knaup kündigten drastische Schnitte an: Schon im Januar müssen 484 der 1 065 Mitarbeiter im Wattenscheider Stammwerk gehen, weitere 161 im Werk Cottbus, das zum Jahresende geschlossen wird. Zudem wechseln mehrere Hundert Mitarbeiter demnächst ihren Arbeitgeber. Um wieder Geld in die Kasse zu bekommen, trennt sich das Traditionsunternehmen von seinen Töchtern Nienhaus & Lotz und Dressmaster. Den Zuschlag erhält der italienische Mischkonzern Miro Radici, der bereits zuvor 70 Prozent an Steilmanns Kirsten Mode-Design übernommen hatte.

Damit verliert der einst größte Damenbekleidungsproduzent Europas auf einen Schlag über die Hälfte seines Geschäfts. Von den 400 Mill. Euro Umsatz, die der Konfektionär für dieses Jahr anpeilt, werden 2004 vermutlich nur noch 175 Mill. Euro übrig bleiben. Auf dem Höhepunkt der Konzerngeschichte hatte Steilmann vor zwölf Jahren fast e2 Mrd. Euro eingenommen.



Seite 1:

Steilmann: Traumkarriere in Trümmern

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%