Reportage
Wahlkampf mit Tomaten-Sauce

Mitten im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf wird der Ketchupkauf zum politischen Bekenntnis. Heinz oder Dabbeljuh, Kerry oder Bush - warum in den USA Ketchup nicht gleich Ketchup ist.

HB WASHINGTON.Es ist rot, dickflüssig und klebt nach zwei Stunden. Wenn man seiner Katze zu viel davon anbietet, bekommt die es nicht nur am Magen. Kurzum, es geht um Ketchup, die amerikanischste aller Würzmischungen. Und gerade deswegen ist die rote Sauce jetzt auch mitten im Präsidentschaftswahlkampf gelandet.

James Tedisco kommt aus Schenectady, einem wirklich unscheinbaren Flecken im Herzen des Bundesstaates New York. Er sieht aus wie Robert de Niro mit hoch geföntem Haar, seine Familie stammt ebenfalls aus Italien. Er ist 54 Jahre alt, hat auf dem in der akademischen Welt wenig bekannten College of Saint Rose mit bescheidenem Erfolg Psychologie studiert. Im zarten Alter von 27 Jahren ist Tedisco in die Politik gegangen, um dort Karriere zu machen - so etwas gibt es also auch in Amerika.

Als Republikaner hat er es bis ins Abgeordnetenhaus des Staats gebracht. 22 Jahre blühte Tediscos Karriere in der Provinz, ehe er blitzartig zu einer Figur von nationaler Aufmerksamkeit wurde - mit einer einzigen Rede: Bis zum Wahltag am 2. November werde er nur noch Senf zum Barbecue essen, hat er gesagt. Denn Ketchup, das sei in diesem Land fast gleichbedeutend mit Heinz, und wer Heinz-Ketchup kaufe, der unterstütze den Wahlkampf des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, sagte Tedisco vor wenigen Tagen auf einer Wahlversammlung der Republikaner. Kerrys Ehefrau, Teresa Heinz Kerry sei ja schließlich mit der Firma Heinz verbunden, belehrte Tedisco dann noch sein jauchzendes Publikum.

Das Echo war gewaltig im ganzen großen Land, mochte Tedisco auch bald danach versichern, es sei doch alles nur ein Scherz gewesen. Bei Ketchup versteht nicht nur die Firma Heinz keinen Spaß, das börsennotierte Unternehmen, das mit Speisen und Saucen aller Art im vergangenen Jahr 8,24 Milliarden Dollar umgesetzte, sah sich von Tediscos "joke" zu einem deutlichen Dementi veranlasst: "Heinz ist Amerikas liebster Ketchup, ob Republikaner, Demokrat oder Unabhängig, alle Amerikaner mögen ihn", krächzte es aus der Unternehmenszentrale. Weder Frau Heinz Kerry, die Witwe des Firmenerben John Heinz, noch ihr heutiger Ehemann John Kerry seien nennenswert am Unternehmen beteiligt. Sie würden auch keinerlei Einfluss mehr auf das laufende Geschäft nehmen, fügte eine Heinz-Sprecherin hinzu.

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