"Reporter ohne Grenzen" beklagt Zunahme der Übergriffe: 31 Journalisten wurden 2001 ermordet

"Reporter ohne Grenzen" beklagt Zunahme der Übergriffe
31 Journalisten wurden 2001 ermordet

Mindestens 31 Journalisten sind nach Recherchen von "Reporter ohne Grenzen" im vergangenen Jahr ermordet worden. Das ist einer weniger als 2000.

ap BERLIN. Wie die Organisation am Mittwoch in Berlin mitteilte, wurden 2001 fast ein Drittel mehr Journalisten als im Jahr zuvor wegen ihrer Berichterstattung bedroht, angegriffen oder entführt. Betroffen waren über 700. Ebenfalls stark angestiegen ist die Zahl der festgenommen und zeitweise inhaftierten Journalisten.

Im November kamen den Angaben zufolge allein acht Journalisten in Afghanistan ums Leben, das seit Beginn der amerikanischen Militäraktion zu den gefährlichsten Einsatzgebieten zähle. Drei Reporter seien in Kolumbien unter Beteiligung von Paramilitärs ermordet worden, darunter Flavio Bedoya. Der Mitarbeiter der Wochenzeitung «Voz» habe Armee und Polizei vorgeworfen gehabt, sie seien «unfähig», die Paramilitärs wegen ihrer Verbrechen zu bestrafen.

Zurzeit sitzen nach Zählung von «Reporter ohne Grenzen» 110 Journalisten im Gefängnis, die meisten von ihnen in Birma, China, Iran, Eritrea und Nepal. Die Bedingungen in den Haftanstalten seien in fast allen Ländern schlecht. Die Gefangenen würden unzureichend ernährt und zu wenig medizinisch versorgt. Außerdem müssten sie in überfüllten und schmutzigen Zellen leben. Das führe bei vielen zu schweren gesundheitlichen Schäden und psychischer Erkrankung.

Der seit über elf Jahren in Birma inhaftierte Myo Myint Nyein werde zum Beispiel seit acht Monaten in einem Hundezwinger gehalten. 489 Journalisten seien im vergangenen Jahr vorübergehend festgehalten, verhört oder entführt worden, hieß es weiter. Besonders in der Demokratischen Republik Kongo, in Kuba, Pakistan und Simbabwe nähmen staatliche Sicherheitskräfte Reporter oft ohne Begründung fest und ließen sie erst nach Stunden, Tagen oder gar Monaten wieder frei.

Die Organisation wies weiter darauf hin, dass im vergangenen Jahr 378 mal Medien mit einem Erscheinungsverbot belegt wurden. Allein in der Türkei stellten den Angaben zufolge staatliche Aufsichtsbehörden und Gerichte mehr als 100 Radio- und Fernsehsender, Zeitungen und Zeitschriften zeitweilig ein. In den meisten Fällen hatten die Medien die Regierung kritisiert oder über links-extreme Bewegungen berichtet.

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