Repräsentative Befragung
Keine Mehrheit für eine Beteiligung der Bundeswehr

afp BERLIN. Eine Mehrheit der Deutschen hält eine militärische Vergeltung gegen die Schuldigen der Anschlagsserie in den USA für richtig, die Bundeswehr sollte sich daran aber nicht beteiligen.

ap/dpa/afp BERLIN/WASHINGTON/NEW YORK. Das ergab eine am Freitag veröffentlichte Umfrage des ZDF-Politbarometers aus Mainz für den Monat September nach den Anschlägen in den USA. Eine militärische Vergeltung halten demnach 57 Prozent der Befragten für richtig, 35 Prozent sind dagegen. Den Angaben zufolge sind 60 Prozent der SPD-Anhhänger, 58 Prozent der Unions- und 54 Prozent der FDP-Anhänger für einen Militärschlag. Nur 31 Prozent der Grünen -, aber 43 Prozent der PDS-Anhänger sind für Vergeltung. Bei der Frage nach der Beteiligung Deutschlands an militärischen Vergeltungsmaßnahmen zeigte sich hingegen ein anderes Bild: Nur 37 Prozent sind für eine Beteiligung der Bundeswehr, 57 Prozent dagegen.

Ähnliche Anschläge auch in Deutschland befürchtet immerhin die Hälfte aller Deutschen, keine Befürchtungen haben 48 Prozent. 65 Prozent rechnen dem Politbarometer zufolge damit, dass es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, 32 Prozent glauben dies nicht.

Die Umfragen des Politbarometers wurden von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen in der Zeit vom 12. bis zum 13. September 2001 unter 1031 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ. Die Fehlermarge bei den großen Parteien wurde mit 3,0 Prozentpunkten, bei den kleineren mit rund 1,6 Prozentpunkten angegeben.

Drei Tage nach den Terrorangriffen auf New York und Washington ist der Flugdatenschreiber der ins Pentagon gerasten Maschine gefunden worden. Die Ermittler erhoffen sich von der Auswertung der "Black Box" weitere Hinweise auf die Täter, die im Umkreis des zuletzt in Afghanistan lebenden Millionärs Osama Bin Laden vermutet werden. Unter den im Pentagon geborgenen Flugzeugtrümmern befand sich auch das Aufzeichnungsgerät für die Gespräche im Cockpit. Deren Auswertung gilt als entscheidend für die Rekonstruktion der letzten Minuten vor dem Aufprall des Passagierflugzeugs im Verteidigungsministerium. Auch der Flugdatenschreiber des in Pennsylvania abgestürzten Passagierflugzeugs wurde sicher gestellt.

In Pakistan, das von den USA um eine Überfluggenehmigung gebeten wurde, erwartete die Regierung einen bevorstehenden Vergeltungsangriff auf Afghanistan.

Die USA wollen 40 Mrd. Dollar für die Bewältigung der Schäden in New York und Washington sowie für neue Anti-Terror-Maßnahmen ausgeben. Darauf einigten sich US-Präsident George W. Bush und Vertreter des Kongresses am Freitag in Washington. Die Hälfte der Summe soll sofort zur Verfügung stehen, die Verwendung der anderen Hälfte soll noch gesetzlich geregelt werden. Ursprünglich hatte Bush nur 20 Mrd. Dollar beantragt.

"Es wird ein Feldzug"

Amerikanische Militärstrategen berieten unterdessen über eine umfassende Vergeltung gegen die noch nicht zweifelsfrei feststehenden Urheber der Terrorangriffe vom Dienstag. Geplant ist eine umfassende, länger andauernde Militäraktion, die weit über Luftangriffe auf einzelne Ziele hinausgeht. Zu den erwogenen Optionen gehören nach Informationen aus Pentagon-Kreisen auch der Einsatz von Bodentruppen. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz kündigte an, es werde nicht bei einem Vergeltungsschlag bleiben: "Es wird ein Feldzug und keine einzelne Aktion."

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bat Bush um die Einberufung mehrerer tausend Reservisten und Nationalgardisten zum aktiven Dienst. Eine solche Entscheidung war zuletzt zu Beginn des Golfkriegs im Januar 1991 getroffen worden. In der Golfregion halten sich derzeit zwei amerikanische Flugzeugträger, die "Enterprise" und die "Carl Vinson" mit jeweils 75 Kampfflugzeugen an Deck auf - das militärische Potenzial der Vereinigten Staaten im arabischen Raum ist damit doppelt so groß wie bislang üblich.

Bei der Entscheidung über die Unterstützung eines möglichen Vergeltungsschlags bat Pakistan die USA um Bedenkzeit. Zu den erbetenen Unterstützungsleistungen gehören dem Vernehmen nach eine Überflugerlaubnis über pakistanischem Territorium, die Schließung der zwei Kilometer langen Grenze zu Afghanistan und die Einstellung der finanziellen Unterstützung terroristischer Gruppen. Aus pakistanischen Regierungskreisen verlautete, dass eine Militäraktion gegen Afghanistan erwartet werde.

Keine Mehrheit für deutsche Beteiligung an Vergeltung

Ein Gewitter mit heftigem Regen behinderte am Freitagmorgen zeitweise die Bergungsarbeiten am eingestürzten World Trade Center in New York. Als vermisst gelten 4 763 Personen. Da sich an Bord der entführten und als Waffen eingesetzten Flugzeuge 266 Menschen befanden und 126 Menschen im Verteidigungsministerium in Washington ums Leben kamen, könnte die Zahl der Todesopfer bei den Terroranschlägen auf mehr als 5 000 steigen. Zehntausende Bewohner konnten noch immer nicht in das abgesperrte Gebiet südlich der 14. Straße in Manhattan zurückkehren.

Erstmals nach den Terroranschlägen sollten am Freitag wieder Flüge aus Deutschland in die USA starten und landen - vorerst allerdings nur von amerikanischen Fluggesellschaften. United Airlines, Delta und American Airlines kündigten je zwei Flüge von Frankfurt am Main an, darunter einen nach Washington.

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