Republikaner
McCain siegt – aber ohne Erdrutsch

Eigentlich war er bereits abgeschrieben: Mike Huckabee. Doch als die ersten Ergebnisse aus Georgia in der Wahlnacht des Super Tuesday eintrafen war die Überraschung groß. Sollte sich der ehemalige Gouverneur von Arkansas erneut als republikanischer Spielverderber erweisen – wie schon einmal zu Beginn des Wahlmarathons in Iowa Anfang Januar?

WASHINGTON. Doch die Sorge im Camp von John McCain, der zuletzt so erfolgreiche Senator könnte den Schwung der letzten Wochen an Huckabee verloren haben, war verfrüht. Im Laufe des Abends holte der 71-Jährige Schritt für Schritt wichtige Staaten. Mike Huckabee blieb zwar jeweils gut im Rennen und holte mehrere Staaten wie Arkansas und Alabama. Doch zu McCain aufschließen konnte er nicht.

Allerdings: Wer dachte, dass John McCain in einem Durchmarsch die Nominierung für sich entscheiden könnte sah sich getäuscht. Der Senator aus Arizona holte zwar wichtige Staaten wie New York für sich. Alleine der „Big Apple“ bescherte ihm 101 Delegiertenstimmen. Doch die Siege für McCain waren jeweils hart erarbeitet, oft knapp und selten ein Erdrutsch. Was dies zeigte war, wie schwer sich die republikanische Partei damit tut, sich auf einen Kandidaten zu fokussieren. Alle drei republikanischen Top-Anwärter auf die Nominierung ihrer Partei erhielten zum Teil erheblichen Zuspruch. Und würde das Wahlsystem der Republikaner nicht dafür sorgen, dass der jeweilige Gewinner stets alle Delegiertenstimmen bekommt, dann wäre auch für John McCain die Wahlnacht enttäuschender verlaufen.

McCain gab sich schon vor dem Super Tuesday vorsichtig. Schon einmal in 2000 hatte er erlebt, wie schnell frühe Siege in die falsche Richtung führen können. Damals hatte er mehrere Vorwahlen gewonnen – um dann in South Carolina gegen George W. Bush an einem entscheidenden Punkt zu verlieren. Danach war die Präsidentschaftskandidatur nicht mehr zu retten.

Die Kampagne von Mitt Romney hatte während des Wahlabends Mühe, das mäßige Abschneiden ihres Spitzenkandidaten zu begründen. In den ersten Stunden holte Romney nur zwei Pflichtsiege: In Massachusetts, wo Romney selbst Gouverneur war. Und in Utah, der Hochburg der Mormonen, deren Glauben Romney angehört. Aber wie schon in den Wochen zuvor konnte das Team Romney nie den Enthusiasmus entwickeln, der zum Siegen nötig ist.

Die Themen, die die Republikaner bei ihrer Wahl beeinflussten, waren die Wirtschaft, die Einwanderung und Irak. Auch hier zeigte sich Erstaunliches: Obwohl Romney als erfolgreicher Geschäftsmann viel Erfahrung auf dem Feld der Wirtschaft vorweisen kann genügte dies nicht, um daraus Kapital zu schlagen. Der Meinungsforscher John Zogby hatte dafür eine einfache Erklärung parat: „Den Menschen ist ein Mann mit Prinzipien lieber“. Wen er meinte war: John McCain.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%