Republikaner
McCain will Namen seines Vize enthüllen

Barack Obama hat mit der Berufung Joe Bidens zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten den Maßstab gesetzt. Nun will Rivale John McCain nachziehen. Die Liste der potenziellen Kandidaten ist lang. Am morgigen Freitag, McCains Geburtstag, könnte das Geheimnis nun gelüftet werden. Der republikanische "Running Mate" muss vor allem ein Kriterium erfüllen.

HB DENVER. Drei Tage vor dem Parteitag der US-Republikaner in Minneapolis-St. Paul (Minnesota) will Präsidentschaftsbewerber John McCain den Namen seines Vizekandidaten enthüllen. Er habe sich für seine Nummer Zwei entschieden und plane einen ersten gemeinsamen Wahlkampfauftritt an diesem Freitag in Dayton (Ohio), berichteten US- Medien am Donnerstag unter Berufung auf republikanische Kreise. Der Freitag ist zugleich McCains 72. Geburtstag.

Der Parteitag, auf dem McCain offiziell zum Spitzenkandidaten gekürt werden soll, wird am Montag eröffnet und dauert vier Tage. Bereits am ersten Tag wird US-Präsident George W. Bush zu den 2380 Delegierten sprechen.

McCain hat bei seinen Überlegungen sicherlich auch die Entscheidung seines demokratischen Rivalen Obama für Biden ins Kalkül gezogen. Der 65-jährige Biden ist ein alter politischer Haudegen, er sitzt seit 35 Jahren im Senat und gilt als angriffslustig. Nach seiner Berufung am vergangenen Samstag ist er bereits mit scharfen Angriffen auf McCain hervorgetreten.

Die Auswahl des potenziellen Vizepräsidenten kann die Position eines Präsidentschaftskandidaten in den Augen der Öffentlichkeit stärken oder auch schwächen - je nachdem, in welchem Licht er ihn erscheinen lässt. Viele politische Strategen weisen aber darauf hin, dass die Vizepräsidentschaftskandidaten in der Vergangenheit für den Ausgang einer Präsidentenwahl in den USA kaum ausschlaggebend waren. "Das wird maßlos überschätzt", sagte Mike Murphy, ein führender Berater McCains im Wahlkampf vor acht Jahren.

Zum engeren Favoritenkreis zählen nach Informationen aus republikanischen Kreisen McCains schärfster Rivale aus dem Vorwahlkampf, der frühere Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney, der Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, und der frühere Gouverneur Tom Ridge aus Pennsylvania. Genannt wird auch der Senator und frühere Demokrat Joe Lieberman aus Connecticut. Lieberman war 2000 Vizepräsidentschaftskandidat von Al Gore. Später überwarf er sich wegen des Irak-Kriegs mit den Demokraten und sitzt heute als Unabhängiger im US-Senat.

"Obama hat jemanden ausgesucht, der McCain sehr scharf attackiert", sagte Steve Elmendorf, der 2004 dem Wahlkampfteam des damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry angehörte. "An McCains Stelle würde ich über einen eigenen Kampfhund nachdenken."

Mit einem harten Wahlkämpfer als "running mate" an seiner Seite könnte sich McCain, der am Freitag 72 Jahre alt wird, voll darauf konzentrieren, sich selbst als erprobten und erfahrenen Politiker darzustellen. Seinem Kandidaten für das Vizepräsidentenamt fiele dann die Rolle zu, die Attacken gegen Obama zu reiten und den 47-jährigen Senator aus Illinois als zu unerfahren für das Präsidentenamt hinzustellen. Sowohl Rowney als auch Ridge haben bereits bewiesen, dass sie kräftig austeilen können.

Gleichzeitig muss McCain nach Meinung politischer Strategen auch darauf achten, dass sein Vizepräsidentschaftskandidat in der im Oktober geplanten Fernsehdebatte mit dem Obama-Vize Biden bestehen kann. Biden kann sich gut darstellen und ist sowohl in der Außen- wie in der Innenpolitik sattelfest.

McCains Schwächen ausgleichen

Bei den Debatten der republikanischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur im Vorwahlkampf hat Romney in dieser Hinsicht einen guten Eindruck hinterlassen. Der Wirtschaftsmanager verfügt außerdem über wirtschaftspolitische Erfahrung, und könnte in dem Bereich eine Schwachstelle McCains ausgleichen. Dies wäre besonders mit Blick auf die anhaltende Finanzkrise und den wirtschaftlichen Abschwung in den USA wichtig.

Sowohl Republikaner als auch Demokraten sagen, McCain wäre gut beraten, wenn er einen Vizepräsidentschaftskandidaten aussuchen würde, der in den Bereichen seine Stärken hat, in denen McCain Schwächen hat - Obama hat dies mit seiner Entscheidung für den erfahrenen Außenpolitiker Biden getan.

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