Republikaner planen angeblich Überraschungscoup
McCain genervt von Obama-Euphorie

Afghanistan, Israel, Irak, Deutschland: Barack Obama tourt in der Manier eines Präsidenten durch die Welt – und nervt damit seinen Kontrahenten daheim. Die wachsende Aufmerksamkeit passt dem Republikaner John McCain gar nicht. Nun bedient sich dieser offenbar eines alten Tricks.

HB/cot DÜSSELDORF. Im Westjordanland backt ein palästinensischer Bäcker „Obama-Brötchen“ und in Deutschland ist der Besuch des demokratischen Präsidentschaftskandidaten der politische Termin der Woche. Obama hier, Obama da - seinen republikanischen Kontrahenten, allen voran John Mccain, geht die weltweit wachsende Obama-Euphorie zunehmend auf die Nerven.

Zurzeit läuft es nicht gut für den Obama-Herausforderer. Jüngster Schlag für McCain: Die renommierte US-Zeitung „New York Times“ lehnte es ab, einen Meinungsbeitrag des Republikaners John McCain zu drucken. McCains Artikel war die Antwort auf einen Beitrag von Obama, der in der vergangenen Woche in demselben Blatt veröffentlicht worden war. Darin hatte Obama detailliert über seine politischen Pläne für den Irak und Afghanistan geschrieben.

In McCains Artikel hätten sich keine neuen Informationen befunden, begründete die Zeitung ihre Entscheidung. Sie nannte den Schritt ein „Standardvorgehen“ in der Absprache mit Autoren. Wenn McCain seine Aussagen konkretisiere, sei die „New York Times“ „begierig“, den Artikel zu drucken, hieß es weiter. Eine peinliche Situation für McCain.

Im Kampf um die Aufmerksamkeit der US-Wähler plant McCain nun offenbar einen besonderen Coup: Während Obama im Ausland unterwegs ist, könnte der Senator aus Arizona noch diese Woche den Namen seines potenziellen Vizepräsidenten bekanntgeben, berichteten US-Medien. Genährt werden die Spekulationen, weil sich McCain am Mittwoch mit Louisianas Gouverneur Bobby Jindal treffen will.

Der 37-Jährige gilt derzeit als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Er wird von vielen einflussreichen Konservativen in der republikanischen Partei unterstützt. Als möglicher Vize wird auch McCains ehemalige Mitbewerber um die Kandidatur der Republikaner, der Geschäftsmann Mitt Romney, gehandelt.

McCain muss in den Medien wieder präsenter werden. Seit der Wahlkampf im Juni zum Duell zwischen McCain und Obama wurde, haben die Nachrichten der US-Fernsehsender laut einer Berechnung des Branchendienstes Tyndall Report 114 Sendeminuten auf Obama verwendet - und 48 auf McCain. Das frustriert. Und gelingt der mögliche Überraschungscoup nicht, bleibt McCain erneut nur Zuschauer, wenn Obama am Donnerstag in Berlin von jubelnden Menschen begrüßt wird.

Wenn der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten Deutschland besucht, kann er mit großer Sympathie in der deutschen Bevölkerung rechnen. Jugendliches Auftreten, Charisma, Hautfarbe, Parteizugehörigkeit - es sind mehrere Faktoren, die nach Ansicht von Politikexperten zur Popularität des 46-Jährigen in der Bundesrepublik beitragen.

76 Prozent der Deutschen halten Obama für den besseren Kandidaten, wie eine Umfrage für den „Spiegel“ ergab. McCain kommt abgeschlagen auf zehn Prozent. Ähnliche Zahlen gibt es auch bei Menschen außerhalb der USA, die das Rennen um die Präsidentschaft verfolgen.

Der Sprecher der US-Republikaner in Deutschland, Stefan Prystawik, kritisierte in diesem Zusammenhang auch die deutschen Medien. Während Obama als weltmännisch feinfühliger Mensch und „europäischster aller Kandidaten“ erscheine, sei der Kandidat der Republikaner McCain wie „der zweite Cowboy aus der zweiten Reihe“ dargestellt. Es werde argumentiert, ohne sich auf Details einzulassen, sagte Prystawik. Dabei sei die internationale Erfahrung McCains „riesen groß“ - nicht nur aus dem Vietnam-Krieg. Dies würde „schlicht ignoriert oder einfach nicht genannt, nicht dargestellt.“

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