Republikaner sucht nach Demokraten für sein Kabinett
Bush betreibt unter Hochdruck seine Regierungsbildung

In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage sprach sich eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung dafür aus, dass Bush auch Demokraten in sein Kabinett aufnimmt. Das mögliche Kabinett von George Bush Bushs Prinzipien widersprechen europäischen Zielen

afp WASHINGTON. Nach seinem verspäteten Wahlsieg betreibt der künftige US-Präsident George W. Bush unter Hochdruck seine Regierungsbildung. Sein Vize Dick Cheney stellte für das Wochenende die Namen künftiger Minister und Regierungsmitarbeiter in Aussicht. Bush warb um die Zusammenarbeit der Demokraten und wollte sich deshalb am Freitag in Texas mit dem demokratischen Senator John Breaux aus Louisiana treffen. Gleichzeitig wurde er vom rechten Flügel seiner republikanischen Partei unter Druck gesetzt, nicht zu weit nach links zu schwenken. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage sprach sich eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung dafür aus, dass Bush auch Demokraten in sein Kabinett aufnimmt.

Bush beriet am Freitag telefonisch mit Cheney und seinem künftigen Stabschef Andrew Card über die mögliche Zusammensetzung der Regierung. Tags zuvor hatte sein Team die Schlüssel für die staatlichen Übergangsbüros in Washington erhalten. Der künftige Präsident bekommt für die Vorbereitung der Amtsübernahme außerdem 5,3 Mill. $ (7,7 Mill. DM) aus der Staatskasse. Für die Auswahl seines Regierungsteams und die Festlegung seiner Prioritäten hat er bis zur Amtseinführung am 20. Januar noch rund fünf Wochen Zeit.

Demokrat möglicher Energieminister

Breaux wurde als künftiger Energieminister gehandelt, doch war nicht klar, ob er das Amt auch annehmen würde. Er müsste dafür sein Senatsmandat niederlegen und würde voraussichtlich von einem Republikaner ersetzt, so dass die republikanische Fraktion dann eine Mehrheit im Oberhaus hätte. Bisher sitzen 50 Demokraten und 50 Republikaner im Senat. Bush wollte am Montag und Dienstag in Washington erste Gespräche führen, unter anderem mit dem geschlagenen Vizepräsidenten Al Gore. Am Donnerstag telefonierte er laut seiner Sprecherin mit dem schwarzen Bürgerrechtler Jesse Jackson, der den Republikanern vorgeworfen hatte, sie hätten die Wahl in Florida gestohlen.

Der Republikaner Gary Bauer warnte Bush davor, seine eigene Parteibasis zugunsten einer "mythischen Mitte" zu vernachlässigen. Mit der Besetzung von Kabinettsposten solle er lieber ein deutliches Signal nach rechts geben, zum Beispiel durch die Ernennung eines Justizministers, der gegen Abtreibungen sei, schrieb der ehemalige Präsidentschaftskandidat in der "New York Times". Die "Washington Post" berichtete, prominente Republikaner hätten bereits begonnen, Geld für eine PR-Kampagne zu sammeln, damit Bush die Anliegen der Konservativen nicht vergisst.

Bei einer Umfrage im Auftrag der "Washington Post" sagten 86 % der Befragten, der künftige Präsident solle einige demokratische Regierungsmitglieder nominieren. 95 % waren generell dafür, dass Bush mit beiden Parteien zusammenarbeitet. 46 % sagten, sie hätten sich eher Gore als Präsidenten gewünscht; für 41 % war Bush der Wunschkandidat. Insgesamt war die Nation gespalten: Die Hälfte war mit dem Ausgang der Wahl zufrieden, die andere Hälfte nicht.

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