Republikaner-Treffen im Reagan-Building
Sieger sehen anders aus

Jim Dyke, Kommunikationschef der Republikaner, macht ein ernstes Gesicht, als die ersten Ergebnisse da sind. Es ist sieben Uhr am Abend, die Prognosen der großen Sender bestätigen, dass Präsident Bush die Wahl in den ersten drei Staaten für sich entschieden hat. Aber das ist noch nicht einmal ein Achtungserfolg. Denn Staaten wie Kentucky sind Heimspiele.

HB WASHINGTON. Wesentlich unangenehmer sind die frühen Prognosen, die schon seit dem Nachmittag durch Washington geistern: Demnach hat der Herausforderer John Kerry gute Chancen, die entscheidenden Staaten Ohio, Pennsylvania und Florida zu holen. Die Wahlbeteiligung ist immens hoch, das Spiel wäre aus für George W. Bush. "Wir haben schon bei der letzten Wahl gesehen, was diese Prognosen wert sind", macht sich Dyke im Ronald-Reagan-Gebäude Mut.

Hier, im gewaltigen Büro- und Kongress-Zentrum mit hässlicher Neoklassik-Fassade, fünfhundert Meter vom Weißen Haus entfernt, wollen die Republikaner feiern. "Sieg 2004" heißt die Party, auf der sich erstaunlich viele junge gutaussehende Leute tummeln - freiwillige Helfer wie sie sagen. Ob der Präsident allerdings zum Parteinachwuchs sprechen wird, ist offen wie so vieles an diesem Abend. Bush wartet ab zu dieser Stunde im Weißen Haus - und die ganze Familie ist mit dabei.

Die Ergenisse sind derart knapp, dass keiner der wenigen Parteigrößen, die sich in den ersten Stunden im Reagan-Building blicken lässt, eine Prognose wagt. "Wir werden die ganze Nacht Nägel kauen", sagt Michael Frank, stellvetretender Chef der Heritage Foundation, ein republikanischer Vordenker. Wenig später zeigt sich, dass der ganzen Nation erneut eine Nacht extremer Gefühlsschwankungen bevorsteht. Um acht Uhr liegt Kerry vorne. Andererseits: Aus Florida kommen gute Zahlen für Bush. Eine Stunde später liegt der Amtsinhaber wieder vorne. Bush werden 171 Wahlmännerstimmen als sicher gegeben, Kerry hat gerade einmal 112. Jubel brandet auf in der gewaltigen Halle. Don Evans, der Handelsminister, kommt direkt aus dem Weißen Haus. Der Präsident sei ein starker Führer, sagt er. Und er sei außergewöhnlich zuversichtlich. Doch die entscheidende Frage beantwortet auch Evans nicht: Kommt er oder kommt er nicht?

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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