Republikaner verzichten auf Nachzählung in Iowa
Streit um US-Präsidentenwahl geht vor Gericht weiter

Reuters TALLAHASSEE. Der Streit um den Ausgang der US-Präsidentenwahl wird mehr als eine Woche nach der Abstimmung vor Gericht ausgetragen. Im wahlentscheidenden Bundesstaat Florida hat das Team des demokratischen Kandidaten Al Gore Parteikreisen zufolge vor Gericht die nachträgliche Anerkennung laufender Stimmen-Nachzählungen beantragt. Floridas republikanische Innenministerin Katherine Harris hatte dies zuvor abgelehnt. Dessen ungeachtet nahm der Bezirk Broward am Donnerstag die manuellen Nachzählungen wieder auf. Die Republikaner von George W. Bush wollen ihrerseits vor einem Berufungsgericht in Atlanta einen Stopp der Hand-Nachzählungen durchsetzen. Die Demokraten haben außer in Broward auch für Palm Beach und Miami-Dade Nachzählungen gefordert.

Nach den bisherigen Ergebnissen führt Bush in Florida mit genau 300 Stimmen vor Gore. Vor den Nachzählungen hatte Bush mit rund 1 700 Stimmen in Führung gelegen. Am Samstag werden noch die Briefwahl-Stimmen ausgezählt, die möglicherweise über den Sieg Bushs oder Gores entscheiden werden. Keiner der beiden Kandidaten hat bislang die notwendige Mehrheit von 270 Stimmen der insgesamt 538 Wahlmänner, die den US-Präsidenten am 18. Dezember wählen sollen. Floridas 25 Wahlmännerstimmen sind deshalb entscheidend.

Innenministerin Harris, eine Republikanerin, hatte in der Nacht zum Donnerstag erklärt, sie weigere sich, die Ergebnisse aus Broward, Palm Beach und Miami-Dade in das vorläufige amtliche Endergebnis aus Florida einzurechnen. Zuvor hatte sie gefordert, die drei Bezirke müssten ihr schriftlich darlegen, warum ihre Nachzählungsergebnisse in das Endergebnis eingehen sollten. Die Bezirke waren dieser Aufforderung bis Mittwochabend fristgerecht nachgekommen. Die Handauszählung war von den Demokraten wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten beim Wahlverlauf verlangt worden.

In Broward wurde die umstrittene manuelle Nachzählung fortgesetzt; die Wahlhelfer begannen am Donnerstagmorgen mit der Überprüfung von rund 588 000 Wahlkarten.

Gores Kandidat für das Amt des Vize-Präsidenten, Senator Joseph Lieberman, warf Harris im US-Fernsehen vor, sie wolle die Wahl selbst entscheiden. Er sei besorgt darüber, dass Harris dem Bush-Lager so nahe stehe. Der Bruder von George W. Bush und republikanische Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sagte, Harris erfülle nur ihre Pflicht. Teil dieser Pflicht sei es, innerhalb von sieben Tagen nach der Wahl das Wahlergebnis zu bestätigen. Die Präsidentenwahl hatte am 7. November stattgefunden. Harris hatte gefordert, alle 67 Wahlbezirke Floridas müssten bis Dienstag, den 14. November, ihre Endergebnisse einreichen. In dem anhaltenden Rechtsstreit geht es nun darum, ob die Ergebnisse zeitaufwendiger Nachzählungen per Hand noch nachträglich in das vorläufige amtliche Endergebnis von Florida einfließen dürfen.

Streit um Qualität der Handauszählung

Gore und Bush setzten ihre Kontroverse in der Öffentlichkeit fort. Gore hatte seinem Kontrahenten in der Nacht zum Donnerstag angeboten, alle rechtlichen Schritte einzustellen, wenn die Nachzählungen in den drei strittigen Bezirken fortgesetzt oder eine Nachzählung in ganz Florida veranstaltet werde. Bush hatte das Angebot umgehend mit der Begründung ausgeschlagen, die Handauszählung sei weder fair noch genau. Vielmehr sei sie chaotisch und willkürlich.

Bushs Wahlkampfteam kündigte unterdessen an, es werde keine Neuzählung der Stimmen im Bundesstaat Iowa fordern. Dort liegt Gore nach bisherigen Auszählungsergebnissen mit 4000 Stimmen vor seinem Kontrahenten. Mit dieser Entscheidung wolle Bush die Fairness, Genauigkeit und den endgültigen Charakter der Wahlen in Iowa sicherstellen, sagte Bushs Wahlkampfmanager Don Evans.

Selbst wenn nach einer Neuzählung der Stimmen in Iowa Bush den Sieg davongetragen hätte, hätte dies nichts am Ausgang der Präsidentenwahl geändert: Iowa hat lediglich sieben Wahlmännerstimmen. Um die für einen Sieg erforderlichen 270 Wahlmännerstimmen zu bekommen, müssten sowohl Gore als auch Bush auf jeden Fall die Stimmen Floridas auf sich vereinen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%