Republikaner vor US-Wahl
Der Enkel des Generals

Sein Großvater reformierte einst das Nachkriegs-Deutschland, er selbst arbeitet als politischer Berater. Warum Charles Clay, der Enkel von Lucius D. Clay, den Republikanern im US-Wahlkampf als einer der wenigen noch eine Chance einräumt.

MARIETTA. Der General ist allgegenwärtig. Straßen und Plätze sind nach ihm benannt. Der Autobahnabschnitt, der die 30 Kilometer von Atlanta nach Marietta führt, trägt ebenfalls seinen Namen: Lucius D. Clay. Der US-Militärgouverneur, der Teile Westdeutschlands von 1947 bis 1949 regierte, stammt aus Marietta.

In dem roten Backsteinhaus, wo dicker roter Teppich jedes Geräusch aufsaugt und Sessel mit Lehnen aus Nussbaum ruhen, schaut der General aus einem Schwarzweißfoto von der Wand auf das, was Hausherr Charles – genannt „Chuck“ – Clay so treibt. Er ist der Enkel des Generals.

Derzeit treibt Chuck Clay der Wahlkampf um. Das ist sein Geschäft. Als Präsident von „Insider Advantage“, einer politischen Beratungsfirma, fragt er sich, wie seine Republikaner – Clay war einst Vorsitzender der Partei in Georgia – das Weiße Haus wieder erobern können.

Für Clay liegt der Schlüssel in Südstaaten wie Georgia. „Der Süden ist kritisch für beide Seiten“, sagt Clay. Die Südstaaten waren zwar 20 Jahre lang fest in republikanischer Hand. Doch nun bröckelt die Basis. „Die Republikaner müssen ihre Festung im Süden halten, um am Ende zu siegen. Und die Demokraten müssen diese Vorherrschaft brechen, wenn sie eine Chance haben wollen“, sagt Clay. „Sie müssen mindestens zwei oder drei der traditionellen Staaten des Südens gewinnen.“

Wenn am kommenden Dienstag 22 Bundesstaaten ihre Vorwahlen abhalten, werden alle Kandidaten genau darauf achten, wie sie in Georgia und Alabama abschneiden, zwei der potenziellen Schlüsselstaaten für das Rennen ins Weiße Haus.

Georgia ist die Heimat der Clays. Die Familie kam um 1850 nach Marietta. Chuck Clays Urgroßvater erlebte als Kind den amerikanischen Bürgerkrieg zwischen 1861 und 1865 und war später Senator in Washington. Chucks Vater, Lucius D. Clay Jr., war General in der US-Air Force.

Chuck Clay verschlug es in die Politik. Sein Geld verdient er zwar als Partner in der Anwaltskanzlei Brock, Clay, Calhoun & Rogers mit Problemen des Verwaltungsrechts. Aber „Politik ist eine Leidenschaft“, sagt der drahtige Clay, und dabei leuchten seine Augen auf. „Man kommt nicht davon los.“

Sein Büro in Marietta ist vollgepackt mit Akten und Büchern, gelbe Post-it-Zettelchen kleben an der Lehne seines Sessels. Auf den Regalen stehen Fotos seiner Familie, Ehefrau Sara und fünf Kinder. Seine Abstammung hat ihm ein besonderes Verhältnis zu Deutschland beschert. Vor Jahren war er in Berlin, wo ihm ein vollständiges Stück der Berliner Mauer überreicht wurde – Symbol der Anerkennung für den Großvater, der auch 1948/49 die berühmte Luftbrücke organisierte. Chuck Clay hat das Mauerstück als Leihgabe der Kennesaw State University übergeben. Eines Tages will er ein Museum in Marietta eröffnen, zum Andenken an das besondere Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern.

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