REPUBLIKANER UND MORMONE Romney beantwortet die Gretchenfrage
Auf Kennedys Spuren

MARKUS ZIENER | WASHINGTON

Als sich John F. Kennedy zu diesem Schritt entschloss, blieben ihm gerade noch zwei Monate bis zum Wahltermin am 8. November 1960. In den Umfragen lag der demokratische Präsidentschaftskandidat Kopf an Kopf mit seinem republikanischen Gegenspieler Richard Nixon. Und in der öffentlichen Debatte wurde heftig die Frage diskutiert, wie sehr Kennedys katholische Erziehung seine Amtsführung beeinflussen könnte. Also machte Kennedy sich selbst und seinen Glauben zum Thema. Die Botschaft war einfach: „Es kommt nicht darauf an, an welche Kirche ich glaube, sondern an welches Amerika“. Kurz darauf wurde zum ersten Mal ein Katholik in das höchste Amt der USA gewählt.

Mutete es schon damals seltsam an, dass sich im sonst so säkularen Amerika Kennedy zu einem solchen Bekenntnis genötigt sah, so ist es umso überraschender, dass dies bis heute gilt. Denn unter nur leicht veränderten Vorzeichen wiederholt sich der Vorgang. Wenn heute der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney in der George H. W. Bush Bibliothek in Texas eine Grundsatzrede hält, dann zum gleichen Thema: Denn was als „Glaube in Amerika“ überschrieben ist dreht sich tatsächlich um Mitt Romneys Zugehörigkeit zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, den Mormonen. Romney, einer der ersten Anwärter auf das republikanische Präsidentschaftsticket, dürfte in der Essenz Ähnliches wie Kennedy sagen: Dass es ihm als Präsidenten nicht um seine Kirche, sondern um das Wohl Amerikas gehen werde.

Auch Romney steht nur wenige Wochen vor den ersten wichtigen Vorwahlen Anfang Januar, auch Romney stammt wie Kennedy aus dem liberalen Massachusetts und auch Romney liefert sich derzeit in Iowa ein enges Rennen mit der Konkurrenz. Doch es gibt ein paar Unterschiede: Zum einen ranken sich um die Mormonen zahlreiche Mythen und Spekulationen, die die Kirche für manchen in die Nähe einer Sekte rücken. Und anders als Kennedy sieht sich Romney zudem seit kurzem von einem evangelikalen Priester – von Mike Huckabee – herausgefordert. Seitdem dieser den Ton bestimmt, gehen Romney im traditionsbewussten Iowa reihenweise die Truppen von der Fahne.

Romney müsste also auch darüber sprechen, was seine Religion bedeutet, warum er neben der Bibel auch an das Buch Mormon glaubt, und warum eine Taufe in seiner Kirche von Katholiken und vielen Protestanten nicht anerkannt wird. Lässt sich Romney aber auf diese Details ein, riskiert er viel. Zum einen läuft er Gefahr, nicht verstanden zu werden. Zum anderen könnte er durch all zu große Vereinfachungen auch seine Glaubensbrüder verprellen. Die bilden das eigentliche Rückgrat seiner Kampagne. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sammelte Romney alleine aus Utah, dem Kernland der Mormonen, knapp fünf Mill. Dollar Spenden ein.

Dass der bibelfeste Protestant Huckabee, der nicht einmal die Evolutionstheorie anerkennt, keine Erklärungen über Glaube und Amtsführung abgeben muss, dafür aber der Mormone Romney – das ist einer der Widersprüche der USA. Dabei hat Romney seine Kirchenzugehörigkeit nie im Wahlkampf eingesetzt. „Auch unter einem Präsidenten Romney wird der Weihnachtsbaum vor dem Weißen Haus aufgestellt, der Truthahn zu Thanksgiving begnadigt und es wird eine Eiersuche auf dem Rasen vor dem Oval Office geben“, schrieb der Kolumnist Richard Cohen. Doch in den USA des Jahres 2007 reicht diese Gewissheit alleine noch nicht für eine Kandidatur.

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