Reputation der Bewerber wird beeinträchtigt
Verbrannte Lebensläufe

Den kennst du doch?", fragte sich Tom Graf, Alleingeschäftsführer bei der HDE Metallwerk GmbH in Menden, Sauerland. Sein Fax hatte gerade den anonymisierten Lebenslauf eines Branchenkollegen ausgespuckt, den er aber auf Grund der Daten leicht identifizieren konnte.

Wieder einmal hatte ein Headhunter ihm unaufgefordert einen "Kandidaten" präsentiert, für den er eine Stelle suchte. Eine Nachfrage beim Kollegen ergab: Der Betreffende wusste gar nichts davon, dass er vom Headhunter herumgereicht wird. "Die Leute werden rücksichtslos verbrannt", hat auch Armin Schmidt beobachtet.

Der Deutschland-Chef der internationalen Personalberatung Korn/ Ferry weist auf den verheerenden Eindruck hin, den es macht, wenn einem Personal suchenden Unternehmen ein Kandidat zweimal präsentiert wird - einmal mit und einmal ohne Auftrag: "Bei der Personalabteilung muss der Eindruck entstehen, der Kandidat habe sich gleich bei zwei Headhuntern ins Gespräch gebracht, stehe also womöglichwohl unter großem Veränderungsdruck."

Eine Einschätzung, die Helga Hein, Direktorin für Human Resources bei der UBS in Frankfurt, teilt: "Es macht die Reputation der Leute kaputt, wenn sie mehrfach im Markt unterwegs sind." Doch was für die Kandidaten gilt, trifft auch für die suchenden Unternehmen zu: "Es gibt auch unseriöse Trittbrettfahrer, die mitbekommen haben, dass wir eine Stelle besetzen wollen und dann Kandidaten vorgeblich in unserem Namen ansprechen." Es sei vorgekommen, dass mögliche Kandidaten für Spezialistenfunktionen viermal auf dieselbe Stelle angesprochen worden seien.

"Wenn die Betreffenden nicht wissen, dass dies ohne unseren Auftrag geschieht, dann leidet auch unser Ruf", ist Helga Hein besorgt. Ihre Gegenmaßnahme: "Wenn wir keinen Auftrag erteilt haben, zahlen wir auch keine Rechnung." Immer wieder versuchten aber Headhunter, ihre Beteiligung an einer erfolgreichen Besetzung geltend zu machen. Offenbar sei der Markt für Headhunter derzeit "sehr trocken". Das erkläre die Unverfrorenheit.

Für Manager, deren Vita ungefragt verschickt wird, hat Korn/Ferry-Chef Armin Schmidt den Rat, auf Unterlassung zu klagen - "aber die allermeisten bekommen das ja leider nicht mit". Er plädiert daher für einen anderen Ansatz: "Wenn Personalberater einem UnternehmenBewerberdaten präsentieren, sollten die Personalverantwortlichen im Unternehmen durchaus fragen, ob dies mit Einverständnis des Kandidaten geschieht." Angesichts der eingerissenen Praktiken könne kein Headhunter diese Frage übel nehmen.

Quelle: Handelsblatt

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