Research wirft weniger Profit ab – Fehlurteile haben den Ruf der Branche angekratzt
Aktienexperten bangen um ihre Arbeitsplätze und ihren Ruf

Die Analysten leiden doppelt unter der Börsenflaute: Zum einen bleiben durch fehlende Börsengänge und rückläufige Aktienumsätze die Einnahmen aus. Außerdem ist die Reputation der Aktienexperten angekratzt. Kaufempfehlungen bei fallenden Kursen brachte ihnen harsche Kritik ein.

DÜSSELDORF. Mehrere Banken haben Stellenstreichungen angekündigt. Bislang sind besonders die USA betroffen. "Aber wenn das Umfeld sich weiter verschlechtert, dürften alle großen Häuser auch in Europa zuschlagen", warnt ein Londoner Banker.

Das US-Investmenthaus Morgan Stanley will 1500 Arbeitsplätze abbauen. Ein Großteil fällt in den USA weg, aber auch in Europa wird gekürzt. Betroffen sei auch der Research-Bereich, bestätigte ein Sprecher, ohne nähere Angaben zu machen. Auch andere US-Häuser wie Merrill Lynch , Goldman Sachs , Bear Stearns und Robertson Stephens wollen Stellen streichen.

Niederländer kürzen Stellen

Die niederländische Bank ABN Amro hat den geplanten Abbau von 500 Stellen schon weitgehend umgesetzt. Rund 130 Arbeitsplätze wurden in Europa eingespart, bestätigte Banksprecher Jochem van der Laanschoot. Auch Analysten seien betroffen. Einem Frankfurter Banker zufolge hat ABN Amro - wie auch die Commerzbank - seine Research-Sparte im vergangenen Jahr noch massiv aufgestockt.

Zwei Einnahmequellen

"Mit dem Verfall der Aktienkurse sinkt die Zahl der Unternehmen, die man profitabel analysieren kann", erklärt Bernd Janssen, Leiter der deutschen Aktienanalyse bei UBS Warburg in Frankfurt.

Die meisten Bankanalysten haben im Wesentlichen zwei Einnahmequellen: Zum einen sind sie beteiligt, wenn ihre Bank ein Unternehmen an die Börse bringt. Dann fertigen die Analysten Emissionsstudien und Präsentationen an. Auch nach dem Parkettdebüt begleiten sie die Firmen mit ihrem Research. Die zweite Kundengruppe sind Fondsmanager. Sie erhalten Bankstudien als Zusatzleistung zum Wertpapierservice. Die Qualität des Research entscheidet mit darüber, bei welcher Bank die Fonds ihre Aktiengeschäfte abwickeln.

Das Problem: Das Geschäft mit Börsengängen ist dramatisch eingebrochen. "Und auch die Umsätze im Wertpapierhandel sind insgesamt gesunken", sagt Stefano Natella, Europa-Chef des Research der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) in London. Sein Haus habe den Rückgang aber abfedern können, indem man Marktanteile hinzugewonnen habe.

Deutliche Unterschiede zwischen den Banken

Zwischen den Banken bestehen deutliche Unterschiede. So gelten die Amerikaner als besonders aggressiv beim Streichen. Sie leiden zudem stark unter der Emissionsflaute. CSFB und die Deutsche Bank wollen dagegen nach eigenen Angaben ihre Investmentsparten in Europa sogar noch ausbauen.

Die Börsenbaisse belastet allerdings nicht nur die Profitabilität des Bankenresearch. Der Kursverfall belastet auch den Ruf der Analysten. "Nach dem Einbruch vieler High-Tech-Aktien ärgern sich natürlich viele Fondsmanager, dass sie diese Papiere gekauft haben", sagt CSFB-Research-Leiter Natella. Gleiches gilt für viele Privatanleger.

Die Kritik brachte einen uralten Konflikt ins öffentliche Schlaglicht: Die Interessen der wichtigsten Kundengruppen - Unternehmen und Fonds - unterscheiden sich stark. Die Firmen wünschen möglichst positive Anlageurteile, die Fonds fordern ausgewogene Analysen.

Fondsmanager wenden sich ab

173 Fondsmanagern äußerten sich daher in einer Reuters-Umfrage besorgt über die Frage der Objektivität von Analysten. Diese Sorge mag dazu beitragen, dass mehr als die Hälfte der befragten Fondsmanager ihre eigenen Research-Aktivitäten ausbauen will. Ein gutes Drittel will den Service der Bankanalysten künftig weniger nutzen.

Die Banken weisen den Vorwurf mangelnder Objektivität zurück. CSFB-Research-Chef Natella betont, Analysten und Investment-Banker arbeiteten traditionell strikt getrennt voneinander. So genannte "Chinese Walls" innerhalb der Geldhäuser sollen verhindern, dass etwa die Firmenkundenabteilung die Arbeit der Analysten beeinflusst.

Zur objektiven Herangehensweise gehört dem CSFB-Banker zufolge auch, dass Börsenaspiranten kritisch geprüft werden. "Wir bringen kein Unternehmen an den Markt, wenn der zuständige Analyst sein Veto einlegt", betont Natella. Aus diesem Grund habe CSFB schon mehrere Kandidaten abgelehnt.



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