Researchfirma Morningstar bewertet Investmentgesellschaften
Threadneedle gewinnt europäischen Fonds-Oscar

Der Star-Fondsmanager ist out. Die Zukunft gehört Teams von erfahrenen Portfoliomanagern. Das sagen Vertreter erfolgreicher Investmentgesellschaften. Wer zu dieser erlesenen Gruppe zählt, das ermittelte die Europazentrale der amerikanischen Fondsresearchfirma Morningstar. Die Gewinner sind: Threadneedle, Baillie Gifford und CDC Ixis.

FRANKFURT/M. "Wir sind die einzige Researchfirma, die Investmenthäuser auf pan-europäischer Ebene bewertet", kommentiert Marc Buffenoir, Analyse-Chef bei Morningstar in London, die Verleihung der "Fonds-Oscars".

Das britische Fondshaus Threadneedle schneidet in der Gesamtbewertung seiner Investmentfonds am besten ab. Die Durchschnittsnote von 3,52 für insgesamt 94 Aktien- und Rentenfonds wird von keinem Konkurrenten übertroffen. Threadneedle-Geschäftsführer David Sachon führt den Erfolg maßgeblich auf den Teamansatz im Portfoliomanagement und die Stabilität dieses Teams zurück. "Von unseren über 100 Profis haben wir seit 1997 niemanden verloren", sagt er. Ein weiterer Erfolgsfaktor sei die Übertragung der Anlagedisziplin im institutionellen Geschäft auf das Fondsgeschäft für Privatkunden. Sachon: "Es geht um computergetriebenes Portfoliomanagement und Risikokontrollen."

Etwa drei Viertel des verwalteten Geldes in Höhe von 65 Mrd. Euro würden für institutionelle Kunden betreut. Als wichtigste Absatzmärkte nennt er Großbritannien, Deutschland und Österreich. "Vor allem das deutsche Standbein wollen wir stärken, haben dazu schon unser Frankfurter Betreuerteam für institutionelle Kunden verstärkt", sagt Sachon zur Strategie seines Hauses. Gerade erst habe Threadneedle sein Fondsgeschäft für Privatkunden in der Schweiz und in Frankreich gestartet.

Bei den Aktienfonds macht Bailie Gifford das Rennen. Die unabhängige schottische Gesellschaft ist hier zu Lande noch wenig bekannt. "Aber Deutschland ist der wichtigste ausländische Markt für uns, noch vor den Niederlanden, der Schweiz und Irland", sagt Angus McLeod, einer von 22 Partnern der Firma in Edinburgh. Baillie Gifford konzentriert sich ebenfalls auf institutionelle Kunden, auf die 27 der insgesamt 30 Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen entfallen.

"Wir sind Anhänger des Team-Gedankens"

Auch McLeod unterstreicht die Bedeutung des Gruppenansatzes im Portfoliomanagement: "Wir sind Anhänger des Team-Gedankens, glauben nicht an Stars." Die Erfahrung jedes Einzelnen hat für ihn ebenfalls einen großen Stellenwert. "Von unseren 110 Investmentprofis arbeiten sieben als Bereichsleiter - von denen jeder mindestens 16 Jahre Berufserfahrung bei Baillie Gifford hat", sagt McLeod.

Im Sektor Rentenfonds führt CDC Ixis Asset Management das Konkurrenzfeld an. Die Vermögensverwaltungssparte der französischen staatlichen Förderbank CDC unterlag in der Gesamtwertung nur knapp Threadneedle. Sie betreut knapp 300 Mrd. Euro, etwa drei Viertel dieser Summe für Institutionelle. "Wir vertrauen auf unser eigenes Research", erklärt Irène D?Orgeval, Leiterin der Rentenfondsverwaltung in Paris, das gute Abschneiden. Sie setzt außerdem auf die Zusammenführung des Know-hows in Europa, Amerika und Asien. "In Amerika kooperieren wir beispielsweise mit dem Anleihespezialisten Loomis Sayles & Co", sagt sie.

D?Orgeval vertraut auf den Mix aus Zins- und Bonitätsanalyse, berücksichtigt in der Analyse außerdem Kapitalströme, Stimmungsindikatoren und andere Faktoren. "Es hat uns beispielsweise im letzten Jahr sehr geholfen, dass wir keine Anleihen von Firmen wie Enron oder Worldcom hatten", sagt sie.

Von den deutschen Gesellschaften behaupten sich nur wenige auf vorderen Plätzen. Die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehörende DWS rangiert in allen drei Kategorien unter den "Top 20". Union Investment, das Investmenthaus der genossenschaftlichen Bankengruppe, ragt mit einem zweiten Platz bei den Rentenfonds heraus. "Entscheidend für den Erfolg ist die Teamarbeit der Experten, etwa der Fachleute für osteuropäische Anleihen oder EZB-Beobachtung. Das Spezialwissen muss sinnvoll und diszipliniert gebündelt werden", sagt Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Rentenfondsmanagements. Kleiner Wermutstropfen: Bei den Aktienfonds reicht es nur für den 53. Platz.

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