Reservisten diskutieren im Internet über den geplanten Einsatz
"Jungs, kommt gesund heim!"

"Gott sei mit der Truppe und Jungs, kommt gesund heim!" Unmittelbar nach der Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, deutsche Soldaten in den Krieg gegen Afghanistan entsenden zu wollen, beginnt im Chat-Forum des Reservistenverbandes eine lebhafte Diskussion über den bevorstehenden Einsatz.

ap FRANKFURT/MAIN. "Endlich geht es los und die Truppe und ihre Vorgesetzten können beweisen, ob man mit Sachverstand und Logik einen Krieg gewinnt", erklärt ein Reservist namens Stefan Siebert.

Einem Chatter namens Jan gibt die Ankündigung Schröders dagegen nur Fragen auf: "Wer repariert den Fuhrpark vor Ort? Wer repariert die Waffen vor Ort? Wie oft wird das eingesetzte Kontingent ausgetauscht?" Andere Reservisten wollen wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für sie ist, nun einberufen zu werden. Sie ist nach Einschätzung des Verbandes gering. Deutschland werde in der großen Mehrzahl aktive Soldaten in den Afghanistan-Einsatz schicken, erklärt Wilhelm Schreieck vom Reservistenverband. Sollten Reservisten angesprochen werden, dann nur, wenn es sich um seltene Spezialisten wie beispielsweise Unfallchirurgen handele. Und auch ein solcher Ruhestandssoldat könne nur auf freiwilliger Basis einrücken.

Bislang sei die Nachfrage nach einem freiwilligen Afghanistan-Einsatz allerdings gering, erklärt Schreieck. Seit Beginn des Krieges habe gerade einmal eine Hand voll Ex-Soldaten beim Verband angefragt. Dagegen sei die Nachfrage nach Einsätzen auf dem Balkan größer als der Bedarf der Bundeswehr. Der Sprecher, selbst ABC-Abwehroffizier, macht dafür die unklare Informationslage im Afghanistan-Konflikt verantwortlich: "Der Einsatz ist eine sehr wenig fassbare Größe." Die Strategie der Amerikaner sei auch einen Monat nach Kriegsbeginn immer noch unklar.

Sichtliche Erleichterung

In Schwerin erklärt ein Wachsoldat am Tor der Werderkaserne, ohne seinen Namen nennen zu wollen, dass für ihn diese Anforderung glücklicher Weise unerheblich sei. "Als Grundwehrdienstleistender komme ich dafür nicht in Frage", sagt er mit sichtlicher Erleichterung.

Auch bei den Angehörigen von Soldaten geht am Dienstag die Angst vor dem möglichen Einsatz um: Renate Scharf die gerade ihren Enkel, den Unteroffizier Niko Breitkreutz, von der Hamburger Röttiger-Kaserne abholen will, sagt: "Ich glaube zwar nicht, dass er nach Afghanistan muss, aber er ist Funker, da könnte das schon sein." Sie befürchtet, dass Deutschland immer weiter in den Krieg hineingezogen werden könnte. Nach dem Anschlag solle man zwar schon irgendwie Vergeltung üben, sagt sie, aber vielleicht reiche auch ein Handelsembargo aus.

Renate Scharf wurde 1936 in Potsdam geboren, ihre Mutter starb im Krieg, ihr Vater kam in russische Gefangenschaft. "Man möchte der Jugend viel mehr erzählen, was wir durchgemacht haben", sagt sie. Die jungen Leute müssten erst einmal verstehen, was Krieg überhaupt bedeute: "Für manche mag das wie ein Abenteuer klingen, in den Krieg zu ziehen. Aber es ist bitterer Ernst."

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