Archiv
Respekt und Vorfreude auf DFB-Tross in Iran

Im Iranischen Fußballverband herrscht Hochbetrieb. Der dreimalige Weltmeister Deutschland kommt nach Teheran, und Präsident Mohammad Dadgan fordert von seinen Angestellten Überstunden, damit das islamische Land bei den Gästen einen erstklassigen Eindruck hinterlässt.

dpa TEHERAN. Im Iranischen Fußballverband herrscht Hochbetrieb. Der dreimalige Weltmeister Deutschland kommt nach Teheran, und Präsident Mohammad Dadgan fordert von seinen Angestellten Überstunden, damit das islamische Land bei den Gästen einen erstklassigen Eindruck hinterlässt.

"Für uns ist es eine große Ehre, den Vizeweltmeister empfangen zu dürfen. Und wir wollen, dass die deutschen Spieler und auch die Funktionäre dieses Ereignis in guter Erinnerung behalten", sagte Dadgan.

Für den kroatischen Trainer der iranischen Nationalmannschaft, Branko Ivankovic, ist es ein Déjà-vu-Erlebnis. Beim 3:0-Sieg der Kroaten gegen die deutsche Elf im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich saß er als Trainerassistent auf der Bank. Jetzt ist "der Professor", wie er in Teheran genannt wird, Chefcoach. An ein Wunder glaubt er nicht. "Deutschland ist eine andere Liga, da machen wir uns nichts vor. Für meine Mannschaft ist es jedoch eine Reifeprüfung", bemerkte der Kroate, der wegen einer früheren Trainerarbeit in Hannover immer noch gut deutsch spricht.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann war in Iran lange Zeit ein Sympathieträger. Seine spontane Hilfsaktion für die über 40 000 Opfer des Erdbebens von 1990 in Rudbar im Nordiran machte ihn zu einem der beliebtesten ausländischen Fußballer. Die Sympathien trübten sich acht Jahre später beim WM-Vorrundenspiel zwischen Deutschland und Iran in Montpellier, als Klinsmanns dramatischer Torjubel nach seinem Treffer zum 2:0 für Missgunst sorgte. "Das war doch nur eine emotionale Reaktion der Fans auf die Niederlage. Wir wissen, dass Herr Klinsmann neben seinen sportlichen auch große menschliche Fähigkeiten hat", beschwichtigte Verbandschef Dadgan.

Ein besonderes Highlight für die Iraner ist die Präsenz von Franz Beckenbauer in Teheran. Für den deutschen Fußball-"Kaiser" ist der beste Wagen reserviert, mit dem er durch die Hauptstadt kutschiert werden soll. Die Tatsache, dass Beckenbauer "nur" als Co-Moderator des ZDF agieren wird, wird in Teheran nicht verstanden. "Beckenbauer arbeitet fürs Fernsehen?", ist die erstaunte Frage, die man unter den iranischen Fans und auch von Offiziellen hört. "Herrn Beckenbauer hier in Teheran zu haben, ist alleine Grund zur Freude", sagte Ali Parwin, der Leiter des Topvereins Persepolis Teheran. Für Beckenbauer wird es der zweite Aufenthalt in Iran sein. Mit dem FC Bayern absolvierte er 1972 zwei Gastspiele in Teheran.

Ausländische Frauen durften auch in der Vergangenheit zu Fußballspielen ihrer jeweiligen Länder ins Stadion. Dieses Mal jedoch gilt die Erlaubnis auch für iranische Frauen. Sie müssen aber mit Ehemann kommen und auf einer speziellen Tribüne Platz nehmen. Wegen der vulgären Rhetorik der Fans in Stadien haben Frauen, die sich zunehmend für Fußball interessieren, seitens der Regierung normalerweise keinen Zutritt. Erstmals wird das Spiel im Asadi Stadion von einer ausländischen Fernsehanstalt übertragen. Die Bilder des ZDF werden vom staatliche Fernsehen Irib übernommen.

Das DFB-Team wird im "Asadi Hotel" untergebracht. Zwei Stockwerke mit 50 Zimmern sind reserviert worden. Der Fußballverband und das Innenministerium haben spezielle Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Das Hotel liegt nur wenige Meter vom berüchtigten Ewin Gefängnis entfernt, wo mehrere iranische Dissidenten inhaftiert sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%