Respekt vor deutscher Justiz
Blühende Spekulationen um Sirven

Wenn er auspackt, können viele einpacken. In Frankreich blüht die Spekulation um die Aussagen des angeblichen Drahtziehers im Elf-Schmiergeldprozess, Alfred Sirven. Vor Gericht ist der "große Abwesende" und Verwalter schwarzer Kassen bisher schwer belastet worden.

dpa PARIS. Sirven soll dem Ex-Außenminister Roland Dumas zum Gefallen dessen Ex-Geliebter Christine Deviers-Joncour einen Job im früheren Staatskonzern verschafft haben. Er soll ihr die 64,5 Mill. Francs (20 Mill. DM) zugeschoben haben, um "ihren Minister" von der Notwendigkeit eines Fregatten-Verkaufs an Taiwan zu überzeugen.

Die auf Mittwoch verschobene Verhandlung vor der 11. Strafkammer im Herzen von Paris wird aller Voraussicht nach sehr kurz sein. Das Gericht wird einen neuen Termin festsetzen, um dem 74-jährigen Sirven die Vorbereitung seiner Verteidigung zu ermöglichen. Dafür könnte er theoretisch mehrere Wochen Zeit bekommen.

Zum Eklat käme es, wenn der Ex-Elf-Manager behaupten würde, auf Anweisung des ehemaligen Außenministers gehandelt zu haben. Dann müsste das Verfahren an den dafür zuständigen Gerichtshof der Republik übergeben werden - ein Ende wäre nicht abzusehen.

Kritik von französischen Juristen und Politikern

Der verlängerte Zwischenaufenthalt Sirvens in Deutschland ist einigen französischen Juristen und Politikern übel aufgestoßen. Einige Eiferer wollten aus dem Auslieferungsverfahren eine politische Affäre machen, doch sie beruhigten sich rasch. Übrig blieb der Respekt für die korrekte Anwendung des Schengener Abkommens durch die deutschen Behörden. "Einen Menschen verschickt man nicht wie ein ordinäres Postpaket", schrieb die unabhängige Tageszeitung "Le Monde".

In Justizkreisen hatte man gehofft, Sirven würde in Frankfurt lediglich von einem Flugzeug in ein anderes umsteigen. Doch mit den Deutschen sei in Fragen der Justiz nicht zu spaßen, schrieb der konservative "Figaro".

Die französische Justiz wird es Sirven zugute halten, dass er freiwillig seiner rasche Auslieferung an Frankreich zugestimmt hat. In Manila hofft derweil seine verzweifelte philippinische Gefährtin Vilma Medina auf Sirvens Rückkehr, "wenn er in Frankreich alles geregelt hat". "Sie haben mich geschnappt, ich bin erledigt", sagte er ihr bei seiner Festnahme am Telefon.

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