Respekt vor Inters Traumsturm
Bayer zur Kür nach Mailand

Für Bayer 04 Leverkusen geht es schon im zweiten Champions-League-Zwischenrundenspiel beim Inter Mailand um Alles oder Nichts. "Man muss realistisch sein. Bei einer Niederlage ist es nur noch rein rechnerisch möglich, ins Viertelfinale zu kommen", sagte Bayer-Manager Ilja Kaenzig ohne Illusionen vor dem Duell am Dienstag (20.45 Uhr/Premiere) beim 13-maligen italienischen Fußball-Meister.

HB/dpa MAILAND. Trotz der 1:2-Auftaktniederlage zu Hause gegen den FC Barcelona will Leverkusens Chefcoach Klaus Toppmöller von so viel Realismus nichts wissen: "Wir haben nichts zu verlieren und wollen uns so teuer wie möglich verkaufen."

Dass Inter mit Superstars wie Christian Vieri oder Hernan Crespo zu schlagen ist, hat im italienischen Pokal Zweitligist AS Bari (0:1) vorgemacht. Allerdings weiß Toppmöller auch: "Für die Mailänder ist das Endspiel das Ziel." Entschlossenheit demonstrierten die Italiener schon beim 4:1 gegen Newcastle United im ersten Spiel der Gruppe A.

Inter-Präsident Massimo Moratti hat in seiner fünfjährigen Amtszeit insgesamt neun Trainer und 90 Spieler verpflichtet und dafür rund 500 Mill. ? investiert, um nach dem Uefa-Cup-Sieg 1997/98 wieder einen renommierten Titel zu holen. Topstürmer Vieri warnte allerdings davor, den Überraschungs-Finalisten der letzten Saison aus Leverkusen zu unterschätzen: "Es wird nicht leicht. Für Bayer läuft es in der Bundesliga nicht so gut, das wollen sie sicher in der Champions League wettmachen."

Das 3:0 im Bundesliga-Überlebenskampf bei 1860 München hat den Optimismus beim Tabellen-Zwölften jedenfalls genährt. "Nach einem Spiel ist nichts entschieden. Wir wollen die Niederlage gegen Barca ausbügeln", kündigte Nationalspieler Bernd Schneider an. Auch der noch verletzte Kapitän Jens Nowotny macht seinen Kollegen Mut: "Die Chance, etwas zu holen, ist da." Und Verteidiger Boris Zivkovic urteilte gar: "Wer München schlagen kann, kann in Mailand gewinnen."

Externe Experten sehen nach dem spürbaren Niedergang der Spielkultur in Leverkusen die Aussichten nicht so rosig. "Die Namen der Spieler bei Inter sagen schon alles: Toldo, Vieri, Crespo, Recoba", meinte Ex-Nationalspieler Oliver Bierhoff, der beim Lokalrivalen AC Mailand von 1998 bis 2001 spielte. Zudem strotzt Mailand vor Selbstbewusstsein, nachdem am Sonntag bei Tabellenführer Lazio Rom ein 0:3-Rückstand noch in ein 3:3 umgewandelt wurde und die italienischen Medien das "Miracolo Inter" bejubelten.

Für Bayer-Manager Reiner Calmund wäre das unerwartete Überstehen der Zwischenrunde ein Sahnehäubchen und kein Muss. "Das Spiel gegen Mailand ist nur Kür", meinte er, "ein Sieg gegen den 1. FC Nürnberg am Samstag in der Bundesliga wäre 50 Mal wichtiger." Wirtschaftlich hat man mit dem Erreichen der zweiten Gruppenphase in der "Königsklasse" sowieso das Gros mit rund 13,6 Mill. ? erreicht.

Gegen den Supersturm der Italiener will Bayer sein Heil in einer stabilen Defensive suchen, was angesichts der labilen Leistungen der Leverkusener Abwehr - sie kassierte in der Bundesliga schon 25 Treffer - als ein kühnes Vorhaben erscheint. "Wir wollen die Räume eng machen und voll konzentriert spielen", nannte Toppmöller die Marschroute. Während Diego Placente (zuletzt gesperrt) wieder in die Viererkette rückt, bleibt nur hinter dem von einer Knieoperation genesenen Pascal Ojigwe ein Fragezeichen. Nicht mit dabei ist Weltmeister Lucio, der am Montag in den USA am Fuß operiert wurde.

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