Restaurant-Tipps in Hannover
Leckere Cebit-Zeit

Hannover hat mehr In-Lokale als Promis - außer zur Cebit-Zeit. Dann trifft man sich zu Penne, Lamm - oder Currywurst.

HB HANNOVER. So müssen selbst Bayern Preußen mögen: Ein phantasievolles Vier-Gang-Menü mit Deichlamm, serviert in einem imposant- ehrwürdigen Backsteinbau mit kunstvoll gemauertem Kreuzgewölbe, warm ausgeleuchtet und weichgezeichnet durch lange Stoffwellen, die üppig die hohen Fenster umfließen. Das Restaurant "Basil" im einst weltberühmten hannoverschen Reitstall. Heute versetzt ein Interieur mit italienischem Designer- Mobiliar die 125 Jahre alte Königliche Kavallerieschule in südliches Milieu.

Terrakotta-Romantik auch im Garten: Ein Hauch von Umbrien breitet sich aus, Lust auf Trüffel liegt in der Luft. Kein Problem: Das "Basil" stillt diese Leidenschaft variationsreich und perfekt. Auch der Appetit auf Kalbstafelspitz in Rotwein mit Wirsing-Pilz-Gemüse wird befriedigt. Der gekonnte Mix durch die Küchen vieler Länder (im Menü ab 28 Euro) ist Chefkoch Kai Uwe Moll wichtig: "Wir lassen uns vom Besten inspirieren." Das wüssten seine Stammgäste zu schätzen, darunter Medienleute und natürlich die Cebit-Besucher.

Nicht immer sind sie so wählerisch, die Gäste aus dem Umfeld der größten Technologiemesse, die am kommenden Mittwoch beginnt. Oft folgen sie lieber den kapriziösen Launen des Trends. Der folgt in Hannover schon mal den Spuren des Kanzlers in Richtung "schnell und fettig". Etwa an die Currywurst vom Meter in den "Tieste-Stuben" mit Schröder-Konterfeis an der Wand und klamm biederem Kolorit. Sicher, die Wurst ist gut, und das Fernsehen war auch schon in der Südstadt. Trotzdem bleibt die Gastwirtschaft allenfalls etwas für Volkstümliche. IT-Manager sind besser bedient im "Roma", in dem die Kanzler-Gattin am liebsten Spaghetti all?amatriciana oder "diese phantastische Leber" isst und Gerhard die "wunderbar gebratenen Scampis" wählt.

Oder man geht gleich ins "Hindenburg Klassik", den Italo-Klassiker im noblen Zooviertel. Keine andere Restaurant-Crew der Stadt versteht es so brillant, mit ironischer Huld, gezielter Aufmerksamkeit und einer Prise spöttischem Hintersinn ihr schlicht, aber kostbar gestyltes Lokal als Promi-Macher zu präsentieren.

Nach dem Kalbsbries auf Sellerie-Carpaccio, dem Loup de Mer in Vernaccia (Menü ab 35 Euro) und Wein-Raritäten aus Italien weiß der bekannteste Manager oder Sportler nicht mehr, ob er als Promi herkam oder hier erst zum Promi geadelt wurde. Und meist wissen am Ende die Kellner - neben Chef Pierino Viero allesamt Chefs - nicht mehr so richtig, wie hoch die Zeche ist. Das Credo: "Jede Flasche wird vom Chef selbst goutiert." Schließlich ist man unter Promis nicht kleinlich.

Weniger glamourös, dafür Geheimtipp der Marketingmanagerin und Gastrokritikerin Sabine Zimmermann ist das "Neue Zeiten" im bürgerlichen Wohnviertel List. Von außen eher unscheinbar, entpuppt sich das Restaurant als fein austarierte Mischung aus strengem Charme und behaglichem Ambiente. Chef Philippe Peterschmitt stammt aus dem Elsass. Die Lilie im Varta-Führer haben er und seine Frau Monika redlich verdient, urteilt Zimmermann, denn: "Sie prägt mit ihrer unverkrampft-sympathischen Art den Service, ihr Mann zaubert in der winzigen Küche Gerichte auf höchstem Niveau."

Auch PR-Beraterin Karin Schwarz schätzt das kulinarische Angebot dieses Viertels. Gestressten Cebit-Besuchern empfiehlt sie das familiäre, aber professionell agierende "Azurro": "Es ist erstaunlich, wie schnell sich hier Gäste aus dem Messe-Stress pellen."

Von dort aus zu Fuß erreichbar: die brandneue Gastro-Schiene Hannovers rund um den sanierten Hauptbahnhof mit eleganten Passagen, Discos ("Osho") und Bars ("CuaBar"), In-Treffs ("Prinzs" und "heimW" für ganz Junge) und Ausläufern bis in die Altstadt, wo ohnehin fast jede Tür in ein Lokal führt.

Da sitzt oder steht man während der Messen dicht an dicht. Besonders begehrt sind Plätze im historischen "Broyhan Haus" mit seinen perfekt zubereiteten Landesspezialitäten. Gleich um die Ecke steigt die Stimmung auf Siedegrade: Im "Brauhaus Ernst August" wird das Bier frisch gebraut. Hannover nimmt es gelassen, sind Messe-Zeiten doch gute Zeiten: Endlich hat die Stadt mehr Promis als In-Lokale.

Service und Adressen

Basil
Dragonerstr. 30, Vahrenwald
Tel. 0511/622636
www.basil.de
Mo-Sa 18.30-2 Uhr

Neue Zeiten
Jakobistr. 24, List
Tel. 0511/392447
www.restaurantneuezeiten.de
Di-Sa 19-24 Uhr

Azurro
Voßstr. 7, List
Tel. 0511/666322
www.azurro.de
Mo-Sa ab 18 Uhr

Hindenburg Klassik
Gneisenaustr. 4, Zooviertel
Tel. 0511/858588
www.hindenburg-klassik.de
Mo-Fr 12-14.30 Uhr, Mo-So 18-1 Uhr

Weinstube Biesler
Sophienstr. 6, Zentrum
Tel. 0511/321033
Di-Fr 12-15 Uhr, Di-Sa 18-24 Uhr

Broyhan Haus
Kramerstr. 24, Altstadt
Tel. 0511/323919
Mo-Do 11.30-2 Uhr, Fr/Sa bis 3 Uhr

Alte Mühle
Hermann-Löns-Park 3, Kirchrode
Tel. 0511/559480
www.alte-muehle.de
Mo, Mi-Sa 10-23 Uhr, So 9-22 Uhr

Wichmann
Hildesheimer Str. 230, Döhren
Tel. 0511/831671
täglich 12-15 und 18-23 Uhr

Titus
Wiebergstr. 98, Döhren
Tel. 0511/835524
www.gourmetguide.com/titus
täglich 12-14 und 18-23 Uhr

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