Reste des Kirch-Imperiums
US-Milliardär kämpft um Pro Sieben Sat.1

Haim Saban hat bis zur letzten Minute gekämpft. Mit seinem berühmten Verhandlungsgeschick und einer gut gefüllten Privatschatulle im Rücken pokerte der hier zu Lande weitgehend unbekannte US-Milliardär um die Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSAT.1.

HB/dpa MÜNCHEN. Mit seinem berühmten Verhandlungsgeschick und einer gut gefüllten Privatschatulle im Rücken schaffte es der hier zu Lande weitgehend unbekannte US-Milliardär im Milliardenpoker um die Übernahme der Kirch Media bis in die letzte Runde. Der KirchMedia-Gläubigerausschuss vertagte am Montag nach stundenlanger Diskussion die Entscheidung. Noch in dieser Woche sollen die Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems aber einen Kaufvertrag mit einem der beiden Bieter unterschreiben. Dabei dürfte Saban, der laut Spekulationen das nominell leicht bessere Angebot vorgelegt hat, keine schlechten Karten haben.

Wie Leo Kirch, dessen Erbe Saban antreten will, hat sich der gebürtige Ägypter aus dem Nichts nach oben gearbeitet. Während Kirch aber inzwischen vor den Trümmern seines Lebenswerks steht, sieht Saban in einem Einstieg bei der KirchMedia mit ihrer Tochter ProSiebenSAT.1 die Gelegenheit, sein Milliardenvermögen weiter zu mehren.

Das "Handelsblatt" nannte Saban einmal den "König Midas der Medienwelt". Im Jahr 2001 gelang ihm der große Coup. Für insgesamt 5,3 Milliarden Dollar verkauften er und sein Partner Newscorp das Gemeinschaftsunternehmen Fox Family Worldwide an den Disney-Konzern. Das Unternehmen vertreibt unter anderem die "Power Rangers", deren populäre US-Version Saban geschaffen hatte. Der Zeitpunkt für den Verkauf war ideal gewählt. Die Preise für Kinder- und Jugendprogramme sind seither weltweit stark gefallen.

Der Sohn eines Kaufmanns und einer Näherin wuchs in Ägypten und Israel auf. Seine Karriere startete er als Konzertagent in Israel. Nach einer Zeit als Musikproduzent in Paris zog er 1983 nach Los Angeles, wo er zunächst Musik für Zeichentrickfilme und später auch Kinder-Fernsehsendungen macht. 1995 gründet er das Gemeinschaftsunternehmen mit Newscorp. Einen Namen in den USA machte er sich auch als großzügiger Spender an die Demokratische Partei und für wohltätige Zwecke.

Das US-Magazin "Forbes" bescheinigte Saban ein Gefühl für perfektes Timing und ein vorzügliches Verhandlungsgeschick. Auch seinen Einstieg in den deutschen Fernsehmarkt hat Saban geschickt vorbereitet. Weitgehend im Verborgenen baute er in den vergangenen Wochen bei längeren Aufenthalten in München und Berlin den Kontakt zu den Banken und zur Politik auf. Auch mit wichtigen Medien führte er Hintergrundgespräche.

Öffentlich äußerte sich Saban dagegen nur selten. Dabei trat er aber forsch auf. In einem "Spiegel"-Interview höhnte er über den Konkurrenten Bauer: "Stellen Sie sich bloß mal vor, eine Bauer-Delegation würde in Hollywood über Filmrechte verhandeln. Vergessen Sies." Auch auf dem deutschen Fernsehmarkt will Saban von seinen Kontakten profitieren. So sei Thomas Gottschalk sein Freund und Nachbar in Malibu.

Ängste vor zu großem Einfluss aus dem Ausland versuchte Saban zu zerstreuen. Er werde nur begrenzt Einfluss nehmen und ein unabhängiges deutsches Management frei entscheiden lassen. "Und so sehr ich München und einen guten Schweinebraten schätze - ich werde auch nicht nach Bayern ziehen."

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