Resteverwertung online
Pappiges Geschäft

Papierportale versprechen kleinen und mittelständischen Unternehmen Preisvorteile beim Einkauf.

HB DÜSSELDORF. Im Internet geht es oft genug zu wie auf dem Trödelmarkt am Samstag morgen: Wer sein Lager leer räumt, versucht alles nur annähernd Brauchbare im Netz zu verhökern: Computerhersteller versteigern zu viel produzierte Monitore, Sportartikelkonzerne alte Schuhmodelle und Autofirmen Modelle in unbeliebten Farben.

Aber Papier? Wer würde Papierreste kaufen? Der Bedarf scheint trotz aller Zweifel vorhanden, und bedient wird er beispielsweise vom im März 2000 gestarteten Marktplatz On2paper. Mehr als 8 000 t Papier hat der virtuelle Dienstleister an seiner Börse notiert. Allein zwanzig verschiedene Positionen Rollenoffset-Papiere bietet beispielsweise Körner Rotationsdruck feil. Vorteil: "Benötigen wir bei einem Auftrag nicht das gesamte Papier, können wir Übermengen über diese Börse schnell abbauen. Wir sparen Geld und Lagerkapazität", erklärt Martina Behrens, Papiereinkäuferin des Sindelfinger Druckereibetriebs.



Außerdem: "Durch das Internet erreichen wir im Vergleich zum Fax-Prozedere mit herkömmlichen Restpapierbörsen einen größeren Interessentenkreis." Und für die Abnehmer sieht Behrens die Chance, günstiger an den Rohstoff zu kommen, der vor allem im vergangenen Jahr knapp und damit teuer wurde: "Restmengen werden hier günstiger abgegeben als ihr Nennwert."



"Beim Online-Geschäft sind bis zu 20 Prozent Preisvorteil für den Kunden drin", bestätigt Henning Hill, Geschäftsführer von On2paper. Neben Körner Rotationsdruck zählt das Portal 1 000 registrierte Kunden. Allerdings ist die Karlsruher Plattform nicht nur Handelshaus. Ihre Kunden können über sie auch Ausschreibungen vornehmen sowie Kopierpapier kaufen. Dafür erhält das Portal 4 % Provision beziehungsweise verdient über die Margen. Derzeit setzt On2Paper mit seinen 18 Mitarbeitern nach eigenen Angaben Ware im Wert von 300 000 bis 400 000 DM im Monat um.



Beim Versuch, im April diesen Jahres mit besonders günstigen Markenpapieren als virtueller Großhändler aufzutreten, machten die Großhändler der Old Economy dem Lieferanten Druck: "Weil sie Angst hatten, dass wir das Geschäft des deutschen Papiergroßhandels maßgeblich beeinflusst hätten", lautet die Einschätzung von Hill. Die Folge: Der Marktplatz wurde boykottiert, erhielt das Papier gar nicht erst geliefert und musste seine Markenpapier- Schnäppchen aus dem Netz nehmen. "Insgesamt gesehen bietet sich der Online-Handel gerade bei stark standardisierten Produkten an", meint Thomas Pfeiffer, Geschäftsführer des Hauptverbandes der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie. "Aber im Verpackungsbereich halte ich es für wenig sinnvoll, weil viele Verpackungen über einen engen Dialog mit dem Kunden entstehen und sehr individuell sind."



Auch Gregor-Andreas Geiger vom Verband Deutscher Papierfabriken in Bonn sieht hier eher einen Randmarkt: "Der Markt unterteilt sich in relativ überschaubare Spezialmärkte wie Zeitungsdruck- oder Wellpappenrohpapiere, wo es nur selten zu Überproduktionen kommt. Außerdem ist der Handelsstrang Internet nur in wenigen Bereichen der Massenpapiere interessant." Dennoch sind beide Verbände indirekt am neuesten Online-Portal Paperglobe.com beteiligt, das Ende April mit einem Startkapital von 3 Mill. DM ans Netz ging. "Wir sehen uns zunächst als Info-Plattform der gesamten Papierbranche", sagt Stefan Reisch, Vorstand von Paperglobe. Folgen sollen E-Marketing und E-Commerce. "In der zweiten Jahreshälfte sollen Shops hinzukommen, über die die Industrie jede Art von Papier verkaufen kann", skizziert Reisch seine Pläne.



Vorbild des Internet-Startups ist die US-Plattform Paperloop.com, die seit Februar vergangenen Jahres im Netz ist und 12 Büros in acht Ländern besitzt. Auch hier werden Brancheninfos groß geschrieben, steht doch kein geringerer als der Medienkonzern Miller Freeman hinter dem Geschäftsmodell aus San Francisco. Interessierte bekommen hier fundierte Daten zur weltweiten Papierindustrie. "Zusätzlich haben wir etwa 40 Läden, in denen Zulieferer sowie Papier-Unternehmen vertreten sind", erklärt Will Mies, Senior Vice President von Paperloop. In der E-Commerce-Abteilung können Besucher Pappe, Papier, Gas und Strom kaufen. Damit rechnet Paperloop in diesem Jahr mit einem Unternehmensumsatz von etwa 4 Mill. $.



Einem Konkurrenten aus den USA ging es derweil schon an den Kragen: Das US-Unternehmen Paperexchange hat in diesen Tagen seine europäische Niederlassung in London geschlossen. Das Büro war im Januar 2000 eröffnet worden. Das europäische Management bedauert die Schließung, denn derzeit schienen sich die Marktchancen zu bessern, sagt Colin Carrol, Managing Director Europe - doch die US-Mutter sah sich zu "kostenreduzierenden Maßnahmen" gezwungen.



Ein grundsätzliches Problem aller Plattformen ist, dass sich die Großen der Branche noch heraushalten. Das kann sich schnell ändern: Insider munkeln, dass sich ähnlich wie in der Auto- Industrie auch hier die großen Player zusammentun und eine eigene Plattform schmieden. Christine Koller. On2paper eröffnete vor wenigen Wochen mit On2fiber.com ein weiteres Geschäftsfeld.



Es ist ein Marktplatz für Zellstoffe und Altpapier, bei dem 50 Papierfabriken gelistet sind, die zusammen 65 % des in Deutschland anfallenden Altpapiers wiederverwerten.

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