Restrukturierung geht weiter
Grundig: Gewinn erst für 2003 erwartet

Die Restrukturierung des angeschlagenen Unterhaltungselektronik-Herstellers wird 2002 mit hohem Tempo fortgesetzt.

MÜNCHEN. Die tief greifende Restrukturierung des angeschlagenen Unterhaltungselektronik Grundig AG-Herstellers wird 2002 mit hohem Tempo fortgesetzt. Vor allem bei der Partnersuche möchte Grundig-Chef Hans-Peter Kohlhammer möglichst schnell Ergebnisse vorzeigen. So will er bis März einen Partner für die Autoradio-Sparte präsentieren. "Die Gespräche sind auf gutem Weg", sagte Kohlhammer dem Handelsblatt. Dieser Bereich trug im vergangenen Jahr mehr als 300 Mill. DM zum Umsatz bei und gilt als profitabel.

Fortschritte gebe es auch in den Verhandlungen um die Sparte Bürokommunikation in Bayreuth, für die das Nürnberger Traditionsunternehmen einen Käufer sucht. Ein Abschluss soll bis März unter Dach und Fach sein, betont Kohlhammer.

Darüber hinaus will Kohlhammer einen Investor für den gesamten Konzern finden. "Nur mit einem Partner können wir zu ernster Wettbewerbsfähigkeit kommen", ist der Manager überzeugt. Grundig sei in "interessanten Gesprächen" mit Unternehmen aus der Branche und Finanzinvestoren. Nachdem ein großer Teil des Konzernumbaus abgeschlossen sei, könne Grundig jetzt Erfolge vorzeigen - eine gute Grundlage für die Verhandlungen.

Seit der studierte Mathematiker im Mai an die Spitze des angeschlagenen Unternehmens gerückt ist, blieb bei den Franken kein Stein auf dem anderen. Kohlhammer folgte einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und strich das Produktprogramm auf ein Drittel zusammen, schloss die Fernseher-Fertigung in Nürnberg und kürzte bislang rund 900 von 5 900 Stellen. Findet sich ein Käufer für die Bürokommunikation, verliert das Unternehmen nochmals 200 Arbeitnehmer. Die TV-Geräte werden jetzt zum größten Teil im Grundig-Werk Wien produziert. Darüber hinaus bezieht das Unternehmen auch Geräte aus Fremdfertigung in der Türkei.

Nach harten Auseinandersetzungen mit der Grundig-Führung sieht inzwischen selbst Betriebsrats-Chef Dieter Appelt das Unternehmen wieder auf gutem Kurs: "Die Talfahrt ist gestoppt, und die Beschäftigten haben wieder eine Perspektive." Wegen der vielen Entlassungen sei 2001 freilich auch das "traurigste Jahr für Grundig" gewesen. Würden sich jetzt noch Partner für die zwei Bereiche und den Konzern finden, hätten die Beschäftigten wieder "mehr Sicherheit".

Der Sanierungskurs schlägt sich in den Zahlen nieder: Statt 2,8 Mrd. DM Umsatz wie im vergangenen Jahr werden 2001 nun nur noch 2,5 Mrd. DM in die Kassen fließen. Zur Höhe der erwarteten roten Zahlen wollte sich Kohlhammer nicht äußern. Offenbar wird der Verlust vor Steuern und Zinsen aber bei mehr als 270 Mill. DM liegen. "Das hängt vom Jahresendgeschäft und den Restrukturierungskosten ab", unterstrich der 54-Jährige. Im Sommer war von einem Verlust von 200 Mill. DM die Rede. Einen Gewinn werde Grundig vermutlich erst 2003 ausweisen. Ursprünglich sollte die Gewinnschwelle bereits im kommenden Jahr erreicht werden.

Vor allem im September sei der deutsche Marktführer bei Fernsehern unter den Erwartungen geblieben. Dies lasse sich nicht mehr aufholen. Angesichts der Wirtschaftsschwäche seien die Verkäufe seit Oktober aber gut gelaufen, zeigt sich Kohlhammer zufrieden. Im Weihnachtsgeschäft seien vor allem DVD-Player, MP3-Spieler und günstige Video-Rekorder gefragt gewesen.

Grundig ist nicht der einzige deutsche TV-Hersteller, der unter der flauen Konjunktur leidet. Auch die profitable Loewe AG musste jüngst ihre Prognosen nach unten korrigieren, erwartet aber noch immer ein starkes Wachstum. "Das Weihnachtsgeschäft liegt im Rahmen der Erwartungen", sagte ein Loewe-Sprecher.

Einen Erfolg kann Kohlhammer auch auf Bankenseite verbuchen. Im Frühjahr lag die Firma und ihr Mehrheitseigentümer Anton Kathrein noch im Clinch mit einem Teil der Kreditgeber. Der Rosenheimer Antennenbauer sprach damals von "frostigen" Gesprächen mit einigen Banken, die eine hohe Besicherung der Darlehen verlangt hätten. Jetzt sind die Ende des Jahres auslaufenden Kredite von den Instituten bereits im November verlängert worden, sagte Kohlhammer stolz.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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