Restrukturierung soll Freightliner bis Ende 2002 wieder auf Kurz bringen
Harter Sanierungsplan: Freightliner baut 2700 Stellen ab

Der Autokonzern Daimler-Chrysler will mit dem Abbau tausender Arbeitsplätze und hohen finanziellen Aufwendungen sein amerikanisches Lkw-Geschäft wieder profitabel machen. Nach der milliardenschweren Sanierung der US-Pkw-Sparte von Chrysler und der Restrukturierung bei der japanischen Beteiligung Mitsubishi Motors müssen Konzernchef Jürgen Schrempp und seine Manager nun mit der US- Tochter Freightliner einen weiteren teuren Sanierungsfall bewältigen.

dpa STUTTGART. Der am Freitag in Stuttgart veröffentlichte Sanierungsplan sieht den Abbau von 2 700 weiteren Arbeitsplätzen bei Freightliner und die Schließung dreier Werke in den USA vor. Die Maßnahmen sollen einmalig rund 330 Mill. $ kosten, die im vierten Quartal anfallen werden. Nutzfahrzeugvorstand Eckhard Cordes zeigte sich zuversichtlich, dass das Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge von Daimler-Chrysler für das ganze Jahr 2001 dennoch ein leicht positives Ergebnis vor Einmalaufwendungen erreichen wird.

Freightliner leidet seit 2000 unter dem drastischen Rückgang des US-Marktes für schwere Lastwagen, der in dieser Zeit um 45 % eingebrochen ist. Allein im zweiten Quartal 2001 sank der Absatz schwerer Lkw von Daimler-Chrysler in den USA um 35 % auf 28 500 Fahrzeuge. Hinzu kommen Kosten für die vereinbarte Rücknahme von gebrauchten Lkw zu hohen Preisen, die Freightliner zusätzlich und auch künftig noch stark belasten.

Der Sanierungsplan hat zwar nicht den Umfang der Restrukturierung von Chrysler, zeigt aber deutliche Parallelen: Personalabbau, Werkschließungen, Senkung der Kosten bei Zulieferern und in der Produktion sollen Freightliner schon Ende des kommenden Jahres wieder ein ausgeglichenes Ergebnis bringen. Für 2003 werde dann ein geringer Operating Profit erwartet. Cordes wollte nicht bestätigen, dass Freightliner in diesem Jahr rund 1Milliarde $ Verlust macht, wie es in Medienberichten geheißen hatte. Im vergangenen Jahr waren mit den Nutzfahrzeugen noch 1,15 Mrd. Euro verdient worden. Finanzchef Manfred Gentz betonte aber für den Gesamtkonzern: Unsere Ergebnisziele haben sich nicht geändert.

Bei Freightliner müssen jetzt 1 600 Arbeiter und 1 100 Angestellte ihren Hut nehmen. Seit der Zeit der höchsten Beschäftigung im Jahr 1999 (25 000 Mitarbeiter) hatte Freightliner bereits in den vergangenen Monate 9 000 Jobs gestrichen. Einschließlich der weiteren Reduzierung um 2 700 Stellen geht damit die Beschäftigung um insgesamt 11 700 oder 47 % zurück. Drei Werke in Ontario, British Columbia und am Hauptsitz Portland (Oregon) sollen in diesem und dem kommenden Jahr geschlossen werden.

Bis zum Jahr 2004 sollen im operativen Bereich 850 Mill. $ eingespart werden. Dann will Daimler-Chrysler mit Freightliner wieder richtig Geld verdienen. Allerdings muss dabei auch der Markt mitspielen, dessen Entwicklung vorherzusagen - wie die jüngsten Ereignisse zeigen - nicht ganz einfach ist. Der ambitionierte Sanierungsplan geht jedenfalls von einer relativ langen Zeit schwacher Nachfrage bei schweren Lkw in Nordamerika aus. Der vor wenigen Monaten eingesetzte neue deutsche Freightliner-Chef Rainer Schmückle hat jetzt eine ähnlich schwere Aufgabe vor sich wie sein Kollege Dieter Zetsche, der vor knapp einem Jahr in Detroit als Sanierer bei Chrysler angetreten ist. Zuvor hatte Zetsche übrigens als Nutzfahrzeugchef den Beginn die Krise bei Freightliner miterlebt.

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