Restrukturierungsmaßnahmen habe erste Erfolge
BASF-Chef sieht weiter Risiko eines Konjunktureinbruchs

Jürgen Strube spricht im Interview mit der WirtschaftsWoche über Konjunkturschwankungen und erste Erfolge der Restrukturierungsmaßnahmen.
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Herr Strube, kaum ein anderes deutsches Unternehmen spürt das Auf und Ab der Konjunktur so früh wie die BASF. Wann wird es mit der Wirtschaft wieder aufwärts gehen?

Ende des vergangenen Jahres habe ich noch gesagt: Es ist duster vor der Hacke. Jetzt hellt es etwas auf. Es gibt nach wie vor das Risiko des double dip, dass die Konjunktur erneut einbricht. Was mir, auch mit Blick auf den Ölpreis, Sorge bereitet, sind die Spannungen im Nahen Osten. Wenn es dort nicht zu einer weiteren Steigerung der Eskalation kommt, spricht einiges dafür, dass der Aufschwung im zweiten Halbjahr einsetzt.

Worauf gründet sich Ihr Optimismus?

Bei der BASF sehen wir, dass unsere Kunden derzeit schon wieder kaufen, um günstig Vorräte anzulegen. Die spannende Frage ist nun, ob sie die Lager dann auch leeren können, also ob die Verbraucher wieder konsumfreudiger werden.

Seit Jahren wollen Sie schon die BASF gegen wirtschaftliche Schwankungen widerstandsfähiger machen. Doch immer noch sind die Hälfte ihrer Geschäfte konjunkturabhängig.

Wir wollen den Anteil unserer konjunkturrobusten Geschäfte auf 60 Prozent steigern. Doch dieses Ziel ist nicht so einfach zu erreichen. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Pharmaaktivitäten an den US-Konzern Abbott verkauft, weil dieses Geschäft dort bessere Entwicklungschancen hat. Damit haben wir zwar konjunkturrobustes Geschäft abgegeben, aber auf dem Gebiet der Feinchemie und bei Pflanzenschutzmitteln haben wir uns verstärkt. Ebenso wollen wir unser Öl- und Gasgeschäft ausbauen.

Wollen Sie das konjunkturrobuste Pflanzenschutzgeschäft verstärken? Die Gelegenheit ist günstig: Die EU-Wettbewerbsbehörde hat Bayer zur Auflage gemacht, Teile seines Pflanzenschutzgeschäftes, etwa Insektizide, abzugeben. Erst dann können die Leverkusener Aventis CropScience übernehmen.

Wir wollen uns besonders bei Insektiziden verbessern. Wir prüfen deshalb alle Optionen, die sich uns bieten.

In einigen Monaten kommen die Aktien des amerikanischen Agrochemie-Konzerns Monsanto auf den Markt. Wollen Sie zugreifen?

Die Muttergesellschaft Pharmacia hat angekündigt, Monsanto im Zuge einer Sachdividende an die Aktionäre abzugeben. Damit steht Monsanto nicht zum Verkauf.

Niemand hindert Sie, den Aktionären ein Angebot zu machen.

Es gibt viele Optionen im Leben, nicht allen kann man positiv begegnen.

Können Sie sich vorstellen, nochmal in ein völlig neues Geschäftsfeld einzusteigen?

Das ist durchaus denkbar. Wir haben eine eigene Gesellschaft, die BASF Future Business GmbH, gegründet. Sie soll neue Geschäftsfelder identifizieren und uns Zukunftspotenziale in der innovativen Chemie erschließen. Wir werden also nicht in den Tourismus einsteigen.

Auch nicht ins Versicherungsgeschäft? BASF sucht nach Alternativen zu den Industrieversicherern, die nach dem 11. September 2001 die Prämien kräftig erhöht haben.

Bei unserer Initiative geht es nicht um die Erschließung eines neuen Betätigungsfeldes, sondern um die kostengünstigere Absicherung von Risiken unseres operativen Geschäfts. Nach den Terroranschlägen wurden uns die alten Verträge gekündigt und dafür neue angeboten mit höheren Prämien und geringerer Schadensleistung. Da suchen wir eben nach Alternativen.

Wie sehen die aus?

Es ist noch zu früh, etwas konkretes zu sagen. Die Resonanz war sehr groß.

Macht Ihnen die EU-Chemikalienpolitik Sorge? Umweltkommissarin Margot Wallström will, dass die Konzerne alle Stoffe, die im Produktionsprozess anfallen, benennen und ihr Gefahrenpotenzial bewerten. Eine Maßnahme, die die BASF 500 Millionen Euro kosten soll.

Das macht uns natürlich Sorge. Aber bitte keine Weltuntergangsstimmung! Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der EU irgendjemand ein Interesse daran hat, einen wichtigen Industriezweig wie die Chemie in seiner Leistungsfähigkeit zu beschränken. Es muss ein vernünftiger Kompromiss gefunden werden. Wir können der EU-Kommission ja durchaus überzeugend darlegen, wie ökoeffizient wir bei der BASF arbeiten: Was in einer Produktionsstufe als Nebenprodukt anfällt, kann anderswo im Herstellungsprozess noch sinnvoll genutzt werden. Das ist unser Verbundsystem, eine ausgesprochene BASF-Spezialität. Seit Anfang der Siebzigerjahre konnten wir auf diese Weise an unserem größten Verbundstandort in Ludwigshafen die produktionsbedingten Umweltbelastungen um mehr als 90 Prozent senken.

Sie stehen noch bis Mai 2003 an der Spitze der BASF. Was muss das Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten erreichen?

Wir müssen unser Ergebnis deutlich verbessern. Dazu gehört, dass wir im wichtigen US-Markt wieder schwarze statt rote Zahlen schreiben. Und dazu gehört, dass unsere Restrukturierungsmaßnahmen - Programme zur Kosteneinsparung sowie Standort- und Anlagenschließungen - greifen. Erste Erfolge sind sichtbar. 2001 konnten wir die Kosten um 250 Millionen Euro senken.

Wer wird Ihr Nachfolger?

Darüber wird der Aufsichtsrat entscheiden.

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