Restrukturierungsprogramm verabschiedet
Henkel senkt Prognose und kündigt Stellenabbau an

Der Chemie- und Konsumgüterkonzern Henkel hat wegen der weltweiten Konjunkturschwäche seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr gesenkt und den Abbau von bis zu 3000 Stellen angekündigt. Das operative Ergebnis werde um 3,6 % unter dem Vorjahreswert liegen, teilte Henkel am Montag in Heidelberg mit.

Reuters HEIDELBERG. Firmenchef Ulrich Lehner sagte, im Rahmen eines Sparprogramms für die weltweit 200 Standorte würden 2500 bis 3000 der weltweit 60 400 Stellen eingespart. Im Jahr 2002 werde beim Betriebsergebnis wieder ein Zuwachs um fünf bis sieben Prozent erwartet. Dabei werde das Ergebnis stärker wachsen als der Umsatz. Das abgelaufene Quartal lief für Henkel schlechter als von Analysten erwartet. Die Henkel-Aktie gab nach den Ankündigungen nach.

"Wir haben weltweit eine Abschwächung der Konjunktur seit Anfang des Jahres, die vor allem unser Industriegeschäft trifft", sagte Lehner. Die Anschläge vom 11. September hätten die Unsicherheit bei den Konsumenten zusätzlich verstärkt. Vor allem die Nachfrage aus der Auto- und der Chipindustrie habe seitdem deutlich nachgelassen, während das Markenartikelgeschäft weiterhin stabil sei.

Analysten zeigten sich von den Quartalszahlen enttäuscht. Arnaud Langlois von der Investmentbank JP Morgan sagte, da die Ergebnisse für das dritte Quartal niedriger seien, sei klar, dass Henkel nicht mehr so optimistisch für das Gesamtjahr sei. Im August hatte Henkel noch mitgeteilt, das betriebliche Ergebnis und der Jahresüberschuss würden 2001 wohl auf dem Vorjahresniveau liegen oder dieses leicht übertreffen. Dies hatte bereits damals eine abgeschwächte Prognose dargestellt, nachdem Henkel zuvor noch eine Anknüpfung an den langjährigen Ergebnistrend in Aussicht gestellt hatte, was deutlichere Zuwächse bedeutet hätte.

Der Schwerpunkt des geplanten Personalabbaus liegt nach Lehners Worten in den USA sowie in Asien, wobei dort vor allem Standorte in China betroffen seien. Aber auch einige europäische Staaten seien betroffen. Lehner schloss auch Standortschließungen nicht aus. Einzelheiten kündigte der Henkel-Chef für das Frühjahr 2002 an. Aus dem Restrukturierungsprogramm für 2002 und 2003 erwartet Henkel jährliche Einsparungen von 130 Mill. Euro. 2001 würden dafür Rückstellungen von rund 300 Mill. Euro gebildet.

Im gerade abgelaufenen dritten Quartal fiel der Überschuss bei Henkel auf 105 von 114 Mill. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 10,7 % auf 216 Mill. Euro. Der Umsatz sei dagegen um 2,3 % auf 3,33 Mrd. Euro geklettert. Dabei verbuchte Henkel deutliche Rückgänge im Klebstoffbereich und in der Oberflächentechnologie. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Überschuss von 118,9 Mill. Euro, ein Ebit von 238,9 Mill. Euro und einen Umsatz von 3,4 Mrd. Euro erwartet.

Der Verkauf der Spezialchemie-Tochter Cognis sei nun perfekt, werde aber mit 2,5 Mrd. Euro 100 Mill. Euro weniger als bislang angekündigt einbringen, teilte Henkel zudem mit. Die zufließenden Mittel wolle Henkel für kleinere und mittelgroße Zukäufe in den Kerngeschäften verwenden. Die Cognis-Käufergemeinschaft Permira (ehemals Schroder Ventures Europa) und Goldman Sachs Capital Partners habe das ihnen vor zwei Monaten wegen der Anschläge in den USA von Henkel eingeräumte Rücktrittsrecht nicht ausgeübt. Als Grund für den gesenkten Kaufpreis nannte Sachs die veränderte weltwirtschaftliche Lage nach den Anschlägen in den USA.

Die Dividende werde für 2001 wohl gleich hoch ausfallen wie im Vorjahr, deutete Lehner zudem an, ohne sich aber festzulegen. Für das Jahr 2000 hatte Henkel 1,06 Euro pro Stammaktie und 1,12 Euro pro Vorzugsaktie ausgezahlt. An der Börse notierte die Henkel-Vorzugsaktie am Nachmittag mit 64,30 Euro um 1,6 % unter ihrem Vortagesschluss, der Kurs entwickelte sich damit noch etwas schwächer als das Börsenbarometer Dax.

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