Resultat innerhalb von einer Stunde
Infarkttest für schnelle Diagnose

Das Berliner Unternehmen Rennesens produziert ein Novum auf dem Markt für Herzinfarkttests: Das Produkt soll bei Infarktkandidaten binnen einer Stunde nach Auftreten der Symptome Klarheit schaffen

BERLIN. Für viele Familien ist es ein bekannter Albtraum: Keuchend liegt der Vater auf dem Wohnzimmersofa, das Gesicht verzerrt er vor Schmerz. Hat er einen Herzinfarkt, fragen sich seine Nächsten. In Situationen wie diesen will jetzt das Berliner Unternehmen Rennesens GmbH mit einem neuen Herzinfarkttest helfen, der seit einigen Tagen produziert wird.

Der Test mit dem Namen CardioDetect soll Patienten schon binnen einer Stunde nach Auftreten der Symptome signalisieren, ob sie tatsächlich einen Herzinfarkt erleiden. "Damit wäre der Test schneller als die bisherigen Standard-Methoden außerhalb des Krankenhauses und des Labors, die erst nach zwei oder mehr Stunden wirken", sagt Jürgen Ziegler, Geschäftsführer der kleinen Berliner Firma.

Das neuartige Verfahren, das im Handel 20 Euro kostet, ist einfach: Man piekst mit einer so genannten Automatiklanzette - einer Art sanfter Nadel - in die Fingerkuppe und lässt das Blut auf das Testfeld einer scheckkartengroßen Fläche träufeln. Der Rest funktioniert wie bei einem Schwangerschaftstest: Neben dem Testfeld befinden sich zwei weiße Flächen. Die eine färbt sich rot, wenn der Test erfolgreich durchgeführt wurde; die andere nur dann, wenn der Patient tatsächlich herzinfarktgefährdet ist.

Auch andere Unternehmen wie die Firma Roche oder die US-Pharmaunternehmen Dade Behring und Abbott Laboratories bieten bereits ähnliche Tests an, die allerdings nicht alle vom Patienten selbst ausgeführt werden können. Die gängigen Tests zeigen außerdem nach Aussagen von Thomas Petzold, Kardiologe an der HeinrichHeine Universität in Düsseldorf, erst nach mindestens zwei Stunden Wirkung. Ihr Prinzip ist allerdings vergleichbar mit dem von CardioDetect, denn sie reagieren auf Proteine, die im Blut eines Patienten bei Auftreten eines Infarktes freigesetzt werden.

Der Unterschied besteht lediglich darin, auf welche Proteine die Tests reagieren. Roche beispielsweise macht sich das Protein Troponin zu Nutze, ein weiterer gängiger Wirkstoff ist das so genannte Myoglobin. Im Falle von CardioDetect handelt es sich um das so genannte "heart-type-fatty-acid-binding protein", kurz hFABP.

Nach Aussagen Petzolds haben Untersuchungen gezeigt, dass hFABP schneller wirke als andere Proteine und dabei eine vergleichsweise hohe Treffsicherheit zeige. Nur sieben von 100 Herzinfarktkandidaten fallen durch das Testraster. Freilich muss nicht jeder dieser Infarktkandidaten tatsächlich einen Herzinfarkt erleiden, denn das Protein wird beispielsweise auch bei Muskelzerrungen freigesetzt. Dennoch ist CardioDetect nach Meinung von Medizinern ein sinnvolles Novum. "Denn je schneller ein Herzinfarkt bemerkt wird, desto eher können wir schädigende Folgen verhindern", sagt Petzold.

Hans Lehmkuhl vom Deutschen Herzzentrum Berlin ist hingegen zurückhaltender. Wie gut der neue Test mit dem Protein hFABP sei, müssten noch klinische Studien und nicht nur Labortests nachweisen. "Aber immerhin", sagt auch Lehmkuhl, "kommen diese Produkte langsam aus den Labors heraus."

Lehmkuhl warnt allerdings Patienten davor, diese Produkte als Ersatz für einen Arztbesuch zu missbrauchen. Denn noch immer könne der Herzinfarkttest in den eigenen vier Wänden nur eine Ergänzung zu anderen Diagnosen sein, wie dem Elektrokardiogramm (EKG) und der Ultraschalluntersuchung im Krankenhaus.

Diese Gefahr sieht allerdings auch Rennesens-Geschäftsführer Ziegler. Darum empfiehlt er, in jedem Fall einen Notarzt anzurufen. "Im Zweifel ist der Test dazu da, dass der Arzt ein Ergebnis hat, wenn er ankommt." Bereits 200 Interessenten nennt Ziegler für sein neues Produkt, und zwar aus 80 verschiedenen Ländern, darunter die Türkei, Singapur und Südafrika.

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