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Retter der U-Boot-Mannschaft kämpfen gegen die Uhr

Nach zwei Fehlschlägen hat die russische Marine am Mittwoch einen dritten Versuch unternommen, die Besatzung ihres auf Grund gelaufenen Atom-U-Boots zu retten.

Reuters MURMANSK. Mindestens zwei Kapseln zur Rettung von jeweils 20 Menschen seien zu der in mehr als 100 Meter Tiefe in der Barentssee liegenden "Kursk" hinuntergelassen worden, teilte die Marine mit. Wegen schlechten Wetters waren zwei Rettungsversuche gescheitert. Die Retter stehen unter Zeitdruck: Die 116 Seeleute in der "Kursk" haben nach offiziellen Angaben nur noch Sauerstoff bis Freitag. Großbritannien bereitete den Einsatz eines Mini-U-Bootes vor, während in Brüssel Vertreter Russlands und der NATO über den Zwischenfall sprechen wollten.

Marine-Kommandeur Admiral Wladimir Kurojedow sagte der Nachrichtenagentur Itar-Tass, die Rettungskapseln würden so lange im Einsatz sein, bis es ein Ergebnis gebe. Er sei nun viel zuversichtlicher, dass die Arbeit zur Rettung der "Kursk"-Besatzung zu einem Ergebnis komme, sagte Kurojedow. Die in dem U-Boot seit dem Wochenende eingeschlossenen Marinesoldaten hätten noch Sauerstoff für 48 Stunden. "Wir bleiben optimistisch", sagte Kurojedew, der sich noch am Vortag skeptisch geäußert hatte.

Zu der Besatzung der "Kursk" besteht seit einem Störfall am Samstag kein Funkkontakt. Die Marine teilte mit, Klopfzeichen der Besatzung würden schwächer und seien zuletzt am Dienstagnachmittag geortet worden. Der Kontakt sei jedoch nicht abgebrochen, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Marine-Sprecher. Das Verhalten der Besatzung sei logisch, da sie wisse, dass Versuche mit den Rettungs-Kapseln liefen. Die Seeleute wollten möglichst wenig Sauerstoff verbrauchen und verhielten sich deshalb so ruhig wie möglich.

Sollte die Rettung mit diesen Kapseln misslingen, erwägt die russische Marine die Hebung des U-Bootes mit zwei jeweils 400 Tonnen schweren, aufblasbaren Pontons. Die Agentur Itar-Tass meldete jedoch unter Berufung auf einen Sprecher der Nordmeerflotte, die Pontons könnten das riesige Schiff nicht bis zur Wasseroberfläche hieven. Allerdings könnte das havarierte Boot vom Meeresgrund in 108 Meter Tiefe auf etwa 50 Tiefe angehoben werden. Dort könnten dann Taucher zum Einsatz kommen, zitierte die Agentur den Marine-Sprecher weiter.

Russland hat derzeit 22 Schiffe in der Barentssee im Einsatz und Hilfsangebote aus Großbritannien und den USA bisher nicht angenommen. Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums sagte, Großbritannien bereite Maßnahmen vor, um sofort helfen zu können. Ein Mini-U-Boot vom Typ "LR5" werde in ein Flugzeug auf dem schottischen Flughafen Prestwick verladen. Die "LR5" mit einer Besatzung von drei Mann könne bis zu 16 Menschen an Bord nehmen und retten.

In Brüssel, wo Vertreter Russlands und der NATO bereits am Dienstag Rettungsbemühungen erörtert hatten, wurden neue Beratungen im Laufe des Tages erwartet. Ein NATO-Sprecher sagte, ein Treffen auf technischer Ebene sei sehr wahrscheinlich. Auch die USA hatten am Dienstag noch einmal ihre Hilfe angeboten. In russischen Zeitungen hieß es dazu, die russischen Offiziere hätten ausländische Hilfe abgelehnt, weil sie befürchteten, wegen Unfähigkeit entlassen zu werden.

In Murmansk versammelten sich Angehörige von Seeleuten der "Kursk". Sie versuchten Aufklärung über das Schicksal ihrer Männer, Söhne oder Brüder zu erhalten, zeigten sich aber enttäuscht. Galina Belogun, die Frau eines Offiziers, wurde in einer Zeitung mit den Worten zitiert, es sei ihnen wenig Konkretes gesagt worden. "Wir haben konkrete Fragen gestellt, doch sie wollen uns wieder zusammenrufen. Ich glaube aber, dass sie uns keine Antworten geben werden". Nachrichten im Fernsehen über den Todeskampf der Besatzung könne sie nicht mehr sehen. "Das ist nicht auszuhalten."

Die "Kursk", ein modernes Schiff von 150 Metern Länge, war nach russischen Angaben am Sonntag in der Barentssee gesunken. Norwegen teilte mit, der Zwischenfall habe sich bereits am Samstag ereignet. Unglücksursache war russischen Angaben zufolge vermutlich eine Explosion in der vorderen Torpedokammer. Der Reaktor des atomgetriebenen U-Boots wurde daraufhin abgeschaltet. Das bedeutet, dass die Seeleute ohne Strom in völliger Dunkelheit in dem Schiff auf die Rettung harren. Erhöhte radioaktive Strahlung wurde nach norwegischen Angaben nicht gemessen. Nach russischen Angaben hat die "Kursk" keine Atomwaffen an Bord.

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