Rettungsaktion soll Bestand des Ferienfliegers bis 2004 sichern – Großinvestor weiter gesucht
Kommentar: Pleitegeier bleibt in Sichtweite

Mitarbeiter fielen sich erleichtert in die Arme, vergossen gemeinsam Freudentränen: Der Pleitegeier, der bereits über der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU kreiste, ist wieder abgezogen.

DÜSSELDORF. Allerdings nicht weit. Er sitzt, um im Bild zu bleiben, gewissermaßen auf einem Baum am Rande des Düsseldorfer Flughafens, dem LTU-Heimatstandort. Und dort wartet er erst einmal ab.

Die hochrangig besetzte Krisensitzung unter Führung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) am Wochenende scheint zumindest erreicht zu haben, dass die aktuellen, immer bedrohlicher werdenden Liquiditätsnöte bei LTU vorerst beseitigt sind. Damit ist die Airline jetzt erst einmal aus der überaus misslichen, unverschuldeten Zwangslage befreit, in die sie der Zusammenbruch ihres Hauptgesellschafters Swissair gebracht hatte. Die Schweizer hatten vor knapp vier Jahren mit hochfliegenden Plänen für eine europäische Flug- und Touristikgesellschaft 49,9 % der LTU übernommen. Sie war da, nach Jahren des Missmanagements, schon schwer krank. Der Patient wurde seitdem trotz vieler Anstrengungen nicht viel gesünder.

Voriges Jahr veräußerte die Swissair das Reiseveranstalter-Geschäft der LTU-Gruppe an den Handels- und Touristikkonzern Rewe. Der übernahm auch, mehr nolens als volens, 40 % der Airline. In der Folge des Deals verpflichtete sich die Swissair, die Sanierung der LTU bis ins Jahr 2004 mit dreistelligen Millionenbeträgen zu stützen.

Doch inzwischen steht der einstige Stolz Helvetiens unter Zwangsverwaltung und vor dem Konkurs. Die Tatsache, dass aus Zürich kein Geld mehr nach Düsseldorf kommt, machte die Gläubiger der LTU nervös, und selbst das Luftfahrtbundesamt drohte schon mit Lizenzentzug mangels flüssiger Mittel. Das alles soll nun vorbei sein. Rewe gibt mehr Geld, eine weitere Kapitalspritze soll durch eine Landesbürgschaft abgesichert werden, die Swissair-Beteiligung landet treuhänderisch am Heimatflughafen bei der Stadt-Sparkasse. Obendrein gelang es der Geschäftsleitung, die Mitarbeiter zu kräftigen Gehaltsverzichten zu bewegen - nun ist nach Einschätzung aus dem Unternehmen die finanzielle Basis gesichert. Ab 2004 will die Airline mit den rot lackierten Jets wieder in schwarzen Zahlen fliegen.

Selbst wenn die EU die Landesbürgschaft - gegen den Willen der Lufthansa - genehmigt, sind die grundsätzlichen Probleme des Ferienfliegers gleichwohl nicht geklärt. Seine Situation ist nur scheinbar mit jener komfortablen Lage zu vergleichen, die eine Konzernzugehörigkeit bei einer starken, finanzkräftigen Swissair-Gruppe bedeutet hätte. Doch das ist Schnee von gestern. Gebraucht wird dringend ein kapitalstarker Investor. In dem wochenlangen Ringen um den Erhalt des Unternehmens ist aber immer wieder deutlich geworden, dass ein solcher Geldgeber nicht in Sicht ist. Das kann sich ändern, sollte das Unternehmen tatsächlich wieder die schwarzen Zahlen erreichen.

Doch die Zeiten in der Reisebranche sind nach den Terroranschlägen des 11. September schwer geworden. Erhebliche Buchungsrückgänge und verändertes Kundenverhalten hin zur ganz kurzfristigen Buchung machen das Geschäft gerade der Charterflieger schwer kalkulierbar.

Und schon vorher stöhnten sie wegen Überkapazitäten: Ein Zusammenbruch der LTU gilt vielen Marktteilnehmern längst als notwendige Konsolidierung.

Das ist nicht gerade ein Umfeld, um neues Kapital anzulocken - ganz gleich, wie gut der LTU der Sanierungskurs gelingt. Nicht auszudenken, neuer Terror lässt die ohnehin gedämpfte Reiselust völlig erlöschen. Der Pleitegeier würde dann viel zu kreisen haben.

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