Rettungsanker Privatisierung?
Drastische Diät für France Télécom

Der französische Telekommunikations-Riese France Télécom soll durch eine drastische Diät aus der Krise geführt werden. Zwei Monate hat sich der neue Chef von France Télécom, Thierry Breton, Zeit genommen, um für seinen mit 70 Milliarden Euro verschuldeten Konzern einen umfassenden Sanierungsplan mit Rettungsankern und der Aussicht auf Privatisierung zu entwerfen.

HB/dpa PARIS. Neun Milliarden Euro steuert der staatliche Mehrheitseigner bei, um 15 Milliarden Euro soll das FT-Kapital zu einem geeigneten Zeitpunkt aufgestockt werden. Mehr als 20 000 Stellen sollen wegfallen und bis Juni 2003 keine neuen Mitarbeiter eingestellt werden. 15 Milliarden Euro werden eingespart - und die Führungsspitze schlagkräftiger gemacht.

"Ambition FT 2005" nennt France Télécom das ehrgeizige Vorhaben, das krängende Schiff wieder flott zu machen. "2005 wollen wir zu den weltweit ersten Telekommunikationsunternehmen gehören", gab sich Breton siegesgewiss. Um die misstrauischen Brüsseler Wettbewerbshüter zu überzeugen, dass der Staatszuschuss in Ordnung geht, will die französische Regierung ihren Anteil von 56,4 Prozent jetzt der "Öffentlichen Einrichtung für Industrie und Handel" übertragen. France Télécom hat im November auch schon begonnen, sich von internationalen Beteiligungen zu trennen. Und dem französischen Steuerzahler versuchte Finanzminister Francis Mer die hohen Ausgaben so schmackhaft zu machen: Die neun Milliarden seien schlichtweg eine "Investition", die diesen Konzern somit wieder auf Vordermann bringe.

Vor allem aber hat die französische Regierung unumwunden von einem Weg des Telekommunikations-Riesen in die Freiheit der Privatisierung gesprochen. "Die juristische Verpflichtung (des Gesetzes von 1996), wonach der Staat die Kapitalmehrheit des Unternehmens halten muss, war einer der Gründe für die gegenwärtige Finanzkrise", so hielt das Ministerium von Francis Mer fest. Sollte es die Zukunftstrategie von France Télécom es dem Staat nahe legen, auf diese Kapitalmehrheit zu verzichten, "würde sich die Regierung nicht dagegen stellen". Dafür müsste aber das Gesetz geändert werden. Und das wird nicht von heute auf morgen geschehen: "Der Staat würde nicht neun Milliarden in das Unternehmen stecken, wenn er sich sehr schnell davon trennen wollte."

Ein umgekrempelter "Generalstab" soll den wankenden Riesen wieder auf die Füße stellen. Thierry Breton, erprobt durch die Sanierung von Thomson Multimedia, holt dafür den Verwaltungsrats-Präsidenten des Elektronikkonzerns, Franck Dangeard. Er soll dabei mithelfen, France Télécom aus dem Schuldensumpf zu ziehen. Breton und Dangeard haben die gemeinsame Erfahrung, Thomson Multimedia aus den roten Zahlen gebracht zu haben. Eine vereinfachte Führungsstruktur soll ihnen jetzt dabei helfen, dieses Erfolgserlebnis bei France Télécom zu wiederholen. Die Börse traut es den beiden zu.

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