Rettungsplan der belgischen Regierung wackelt<p>
Virgin zeigt Sabena die kalte Schulter

HANDELSBLATT, 7.11.2001 tom/and BRÜSSEL/LONDON. Die angeschlagene belgische Fluggesellschaft Sabena kann nicht mit britischer Hilfe in letzter Minute rechnen. Der Billigflieger Virgin Express erklärte gestern in London und Brüssel, die Vorschläge

HANDELSBLATT, 7.11.2001

tom/and BRÜSSEL/LONDON. Die angeschlagene belgische Fluggesellschaft Sabena kann nicht mit britischer Hilfe in letzter Minute rechnen. Der Billigflieger Virgin Express erklärte gestern in London und Brüssel, die Vorschläge der belgischen Regierung und des Sabena- Managements seien nicht akzeptabel, da sie die eigenen Aktivitäten auf Dauer gefährdeten. Die in Brüssel beheimatete Airline Virgin Express des englischen Unternehmers Richard Branson hatte Interesse an einem Zusammengehen mit der Sabena-Regionalflugtochter Delta Air Transport (DAT) bekundet, an die die Flugaktivitäten der Sabena übertragen werden sollten. Wettbewerber British Airways wollte zugleich das Langstreckengeschäft übernehmen.

Damit drohen die Hoffnungen der belgischen Regierung und von Sabena-Chef Christoph Müller zu platzen, einen großen Teil der Sabena-Aktivitäten in die Tochtergesellschaft retten zu können. Noch vergangene Woche hatte er in einem Brief an die Mitarbeiter die Erwartung geäußert, auf diese Weise die Hälfte der rund 12 000 Jobs zu erhalten.

Um DAT als Nachfolger von Sabena installieren zu können, sucht die belgische Regierung in ihrer Funktion als Sabena-Mehrheitseignerin einen privaten Investor. Nach Angaben eines Sabena-Sprechers sind dazu Investitionen von mindestens 370 Mill. Euro nötig. In Brüssel hieß es, die Regierung habe versucht, einen künstlich hohen Preis für das Engagement bei DAT zu erzielen. Dann nämlich kann sie einen ähnlich hohen Betrag selbst investieren. Nach EU-Recht darf die öffentliche Hand nur Geld in ein Unternehmen stecken, wenn ein privater Investor sich daran beteiligt und die Finanzspritze somit wirtschaftlich gerechtfertigt ist. Virgin Express hatte außerdem vergeblich gefordert, die Verantwortung für den Ticketverkauf und den kommerziellen Betrieb der Nachfolgegesellschaft übernehmen zu können.

Die EU-Kommission machte gestern klar, dass der von ihr gewährte Überbrückungskredit für die Sabena von 125 Mill. Euro auch für den weiteren Betrieb der DAT eingesetzt werden könne. Voraussetzung sei jedoch, dass dies gemäß den EU-Richtlinien für staatliche Hilfen im Airline-Sektor geschehe. Demnach darf das Geld zum Beispiel auch in einen Sozialplan fließen, nicht aber in die Kapitalisierung einer neuen Gesellschaft. Genau das hatte die Regierung nach Angaben informierter Kreise geplant.

Für den Sabena-Verwaltungsrat bleibt voraussichtlich keine andere Wahl, als den Gang in den Konkurs zu beschließen. Ohne einen privaten Investor für Teile der Sabena stehen damit weit mehr Jobs auf dem Spiel als bisher angenommen. Gestern traf sich Ministerpräsident Guy Verhofstadt mit Vertretern der Gewerkschaften, um über die Bedingungen eines Sozialplans zu sprechen. "Wir sind nicht sehr viel weiter gekommen", sagte der Gewerkschafter Freddy Tack.

"Für Virgin Express ist es das Beste, wenn wir nun einen unabhängigen Plan verfolgen", hieß es gestern in der Virgin-Zentrale. Der Billigflieger wolle nun seine Flüge von Brüssel ausweiten. Das Unternehmen ist bislang durch ein Code-Sharing-Abkommen mit Sabena verbunden. Der im vergangenen Quartal erstmals in die Gewinnzone geflogene Anbieter teilt sich mit Sabena unter anderem Strecken nach London, Rom oder Barcelona. Dieses Geschäft macht rund 35 % des Umsatzes von Virgin Express aus.

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