Rettungstechnik wird eingeflogen
Britisches Rettungsboot soll Besatzung der "Kursk" retten

Nach mehreren Fehlschlägen sollen jetzt auch britische Spezialisten und Rettungstechnik eingesetzt werden. Bei den Rettungsversuchen in der aufgewühlten See spielten sich dramatische Szenen ab.

Reuters MURMANSK. Nach mehreren Fehlschlägen hat die russische Marine britische Hilfe angefordert, um die Besatzung ihres auf Grund gelaufenen Atom-U-Boots zu retten. Marinekommandeur Wladimir Kurojedow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, britische Marine-Experten würden mit ihrer Ausrüstung bei der Rettung helfen. Zuvor hatte schlechtes Wetter mehrere Versuche fehlschlagen lassen, die 116 Mann mit Rettungskapseln aus der "Kursk" zu befreien. Die Retter stehen unter Zeitdruck: Die 116 Seeleute in der "Kursk" haben nach offiziellen Angaben nur noch Sauerstoff bis Freitag. Wie die russische Regierung mitteilte, gab es am Mittwochmittag kein Lebenszeichen von der Besatzung.

Die britische Marine hatte zuvor bereits Rettungsausrüstung nach Trondheim in Norwegen geflogen. In Schottland erhielt auch ein britisches Transportflugzeug Starterlaubnis, das ein Mini-U-Boot vom Typ "LR5" nach Trondheim bringen sollte. Von dort aus könnte das Mini-U-Boot mit einem Schiff zur Unglücksstelle gebracht werden. Die "LR5" mit einer Besatzung von drei Mann könne bis zu 16 Menschen an Bord nehmen, teilten britische Behörden weiter mit. Zuvor hatte Russland Hilfsangebote der USA und Norwegens nicht angenommen. In russischen Zeitungen hieß es dazu, die russischen Offiziere hätten ausländische Hilfe abgelehnt, weil sie befürchteten, wegen Unfähigkeit entlassen zu werden.

Zu der Besatzung der "Kursk" besteht seit einem Störfall am Samstag kein Funkkontakt. Das U-Boot liegt mehr als 100 Meter tief auf dem Grund der Barentssee. Russlands Vize-Ministerpräsident Ilja Klebanow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, es gebe keine Lebenszeichen der Besatzung mehr. Dies bedeute aber nicht, dass alle Menschen an Bord tot seien. Ein Marine-Sprecher hatte zuvor gesagt, die Seeleute verhielten sich ruhig, um möglichst wenig Sauerstoff zu verbrauchen. Präsident Wladimir Putin sagte in seinem Urlaubsort am Schwarzen Meer, die Lage sei schwierig und kritisch.

Bei den Rettungsversuchen in der aufgewühlten See spielten sich dramatische Szenen ab. Beinahe hätte die russische Marine am Mittwoch eines der zur Rettung eingesetzten Mini-U-Boote verloren, sagte ein Marinesprecher im Fernsehen. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete, eine von drei Rettungskapseln sei durch den hohen Wellengang beschädigt worden, als sie aus dem Wasser gezogen wurde.

Die russische Marine erwägt offenbar auch, das U-Boot mit zwei jeweils 400 Tonnen schweren, aufblasbaren Pontons zu heben. Itar-Tass meldete jedoch unter Berufung auf einen Sprecher der Nordmeerflotte, die Pontons könnten das Schiff nicht bis zur Wasseroberfläche hieven. Allerdings könnte das havarierte Boot vom Meeresgrund in 108 Meter Tiefe auf etwa 50 Tiefe angehoben werden. Dort könnten dann Taucher zum Einsatz kommen, zitierte die Agentur den Marine-Sprecher weiter.

In Brüssel, wo Vertreter Russlands und der NATO bereits am Dienstag Rettungsbemühungen erörtert hatten, wurden neue Beratungen für Donnerstag erwartet. Ein NATO-Sprecher sagte, Russland wolle hochrangige Militärs schicken, um über die Situation zu beraten.

Angehörige verlangen Aufklärung über das Schicksal der Matrosen

In Murmansk versammelten sich Angehörige von Seeleuten der "Kursk". Sie versuchten Aufklärung über das Schicksal ihrer Männer, Söhne oder Brüder zu erhalten, zeigten sich aber enttäuscht. Galina Belogun, die Frau eines Offiziers, wurde in einer Zeitung mit den Worten zitiert, es sei ihnen wenig Konkretes gesagt worden. "Wir haben konkrete Fragen gestellt. Ich glaube aber, dass sie uns keine Antworten geben werden". Nachrichten im Fernsehen über den Todeskampf der Besatzung könne sie nicht mehr sehen. "Das ist nicht auszuhalten."

Die "Kursk", ein modernes Schiff von 150 Metern Länge, war nach russischen Angaben am Sonntag in der Barentssee von der Besatzung auf Grund gesetzt worden. Norwegen teilte mit, der Zwischenfall habe sich bereits am Samstag ereignet. Unglücksursache war russischen Angaben zufolge vermutlich eine Explosion in der vorderen Torpedokammer. Die Reaktoren des atomgetriebenen U-Boots wurden daraufhin abgeschaltet. Das bedeutet, dass die Seeleute ohne Strom in völliger Dunkelheit in dem Schiff auf die Rettung harren. Erhöhte radioaktive Strahlung wurde nach norwegischen Angaben nicht gemessen. Nach russischen Angaben hat die "Kursk" keine Atomwaffen an Bord.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%