Return-on-Investment wird zur wichtigsten Größe bei IT-Projekten
E-Business-Projekte müssen sich rechnen

Die Zeiten, in denen E-Business vornehmlich eine strategische Investition in die Zukunft war, sind endgültig vorbei. Seit in den Unternehmen der Rotstift regiert, müssen sich IT-Pojekte so schnell wie möglich bezahlt machen.

FRANKFURT/M. "Die Rentabilitätsrechnung spielt bei Verhandlungen über E-Business-Projekte heute die erste Geige", sagt Dieter Roskoni, der beim Softwarehaus Peoplesoft die europäischen Marketingaktivitäten verantwortet. Dies belegt auch eine Studie des Marktforschers Dialego, der im Auftrag des Handelsblattes 300 IT-Entscheider über die Rolle der Rentabilität bei E-Business-Projekten befragt hat. Das Ergebnis spricht für sich: Vier von fünf Befragten stuften die Bedeutung des Return-On-Investment (ROI) als "hoch" bis "sehr hoch" ein.

In der Betriebswirtschaftslehre ist der ROI seit Jahren eine gängige Kennzahl, um die Rentabilität alternativer Investitionen zu vergleichen. Er misst den Ertrag einer Investition im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. In der Sturm- und Drangphase des E-Business waren solche Messgrößen jedoch höchstens nebensächlich. "Die Unternehmen wollten Ende der neunziger Jahre nur eins: so schnell wie möglich ins Netz", beschreibt ein Projektmanager das damalige Umfeld. Die Investitionen in Informationstechnologie galten als "strategische Ausgaben", um die Chance auf potenzielle neue Geschäftsfelder um keinen Preis zu versäumen. Doch davon redet heute niemand mehr. Zwar wächst die Bedeutung des Internets als Informationsmedium rasant; tatsächlich verkauft werden aber beispielsweise Autos im Internet bisher nur in homöopatischen Mengen.

E-Business dient inzwischen mehr der Effizienzsteigerung innerbetrieblicher Prozesse: Für 54 % der Befragten Entscheider ist die "Optimierung und Beschleunigung von Geschäftsprozessen" das entscheidende Kriterium für E-Business-Projekte. Die Motivation der frühen E-Business-Phase "Image Bildung" und die Umsetzung sogenannter "Multi-Channel-Marketing-Strategien" spielt heute eine untergeordnete Rolle. Dass E-Business inzwischen zur Normalität in den Unternehmen gehört, zeigt auch, dass nach Meinung von mehr als der Hälfte der Befragten an Investitionen in E-Business inzwischen dieselben Maßstäbe gelegt wird wie in allen anderen Bereichen auch.

Auch bei den Zeiträumen innerhalb derer sich die Investitionen in E-Business rentiert haben müssen, zieht das Management die Daumenschrauben an: Ein Drittel der Befragten nannte eine vorgegebene Zeit von "bis zu zwei Jahren" nach Start des Projekts. "Für E-Business-Projekte ist dies keine ungewöhnliche Zeitspanne, da die Auftraggeber in der Regel schnelle Ergebnisse sehen wollen", urteilt Ralph Kegelmann, Leiter Project Management Practice bei IBM Global Services.

Mehr als die Hälfte der Befragten IT-Entscheider gaben allerdings auch an, dass ROI-Betrachtungen nicht der einzige Aspekt sein dürfen, unter denen man E-Business-Projekte beurteilen sollte. Immer wieder kommt es zwischen den IT-Abteilungen und den Controllern zu Spannungen. Das merken auch die Anbieter. "Wir müssen inzwischen sehr genau vorrechnen, welche Kosten anfallen", berichtet Roskoni.

Denn die Entscheidungen über Projekte fällen heute zunehmend Controller und Finanzverantwortliche. Zudem werden laut IBM-Experte Kegelmann die Volumina der Projekte größer. So liegt ein kleineres Projekt heute in einer Größenordnung von mehreren hunderttausend Euro, bei größeren Projekten steigert sich das "auf einen zweistelligen Millionenbetrag", so Kegelmann. Solche Investitionsentscheidungen werden heute auf Vorstandsebene gefällt.

Dabei geht es häufig nicht nur um die Frage "investieren" oder "nicht investieren", sondern vielmehr um die Frage, wie die E-Business-Strategie effizient umgesetzt werden kann. So spielen ROI-Berechnungen auch bei der Entscheidung über alternative IT-Investments eine Rolle. Mit Hilfe solcher Rechnungen versuchen die Unternehmen Entscheidungshilfen zu finden. Zum Beispiel bei der Frage, ob es effizienter ist, eine Standardsoftware von SAP auf die Bedürfnisse des eigenen Unternehmens anzupassen als eine eigene Anwendungssoftware zu entwickeln.

Eine Folge der intensiveren Prüfung durch die Controller sind allerdings vielfach längere Vorlaufzeiten. Denn das Controlling prüft heute wesentlich genauer, ob die in der Modellrechnung unterstellten Annahmen realistisch sind, oder ob an irgendeiner Stelle "schön" gerechnet wurde. Mehr als 30 % der Befragten gaben an, dass sich die Vorbereitungsphase verlängert hat.

Zweifel allerdings bestehen bei mehr als der Hälfte der Befragten, ob der Return on Investment bei E-Business-Investitionen tatsächlich eindeutig messbar ist. "Schafft eine Versicherung die Möglichkeit, Vertragsänderungen von den Kunden direkt im Netz zu beantragen, lässt sich relativ genau messen, wie viel Anträge ein Sachbearbeiter deshalb weniger auf den Tisch bekommt", verdeutlicht Kegelmann das Problem. Handele es sich aber um eine Plattform, die sich an Endkunden richtet, werde die Sache schwieriger: "Wie bewertet man einen neuen Kunden, der über das Internet auf das Angebot der Versicherung aufmerksam wurde, aber dann doch lieber bei einem Vertreter dieser Versicherung den Vertrag schließt?"

Für die Zukunft jedenfalls scheint das Thema Rentabilität bei E-Business-Projekten kaum mehr weg zu denken sein. Jeder dritte Befragte Experte rechnen damit, dass dem Return-On-Investment bei der Bewertung von E-Business-Projekten in den nächsten zwei bis drei Jahren noch mehr Gewicht beigemessen wird.

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