Reuters-Einkaufsmanagerindex
Abschwung in deutscher Industrie hat sich verlangsamt

Der Abschwung in der deutschen Industrie hat sich einer Umfrage unter Einkaufsmanagern zufolge im November überraschend verlangsamt. Insbesondere die verstärkte Nachfrage aus dem Ausland sorgte für eine fortgesetzte leichte Erholung im Verarbeitenden Gewerbe, wie der am Montag veröffentlichte Reuters-Einkaufsmanagerindex für Deutschland zeigt.

Reuters LONDON. Die Geschäftslage bleibt aber nach Angaben der Forschungsgruppe NTC, die den Index erhebt, durch sinkende Lagerbestände und einen anhaltenden deutlichen Stellenabbau beeinträchtigt. Auch in der gesamten Euro-Zone bremste sich der Geschäftsrückgang bei den Industriefirmen im abgelaufenen Monat unerwartet etwas ab.

Die Daten stärken Analysten zufolge Hoffnungen, dass es im kommenden Jahr zu einer wirtschaftlichen Erholung kommt. Zugleich lassen die Daten nach Einschätzung von Analysten der Europäischen Zentralbank (EZB) genügend Spielraum für eine deutliche Zinssenkung in dieser Woche.

Der Einkaufsmanagerindex (EMI) für Deutschland stieg im November auf saisonbereinigt 49,0 Punkte von 48,4 Punkten im Oktober, wie NTC in London mitteilte. Der Index liegt damit den vierten Monat in Folge unter der 50-Punkte-Marke, die die Grenze zwischen Geschäftsrückgang und Geschäftswachstum anzeigt. Analysten hatten im Schnitt mit einem unveränderten EMI-Stand von 48,4 Punkten gerechnet.

NTC ermittelt den Index zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) im Auftrag von Reuters und befragt dazu monatlich Manager von 400 deutschen Industriefirmen.

Auslandsnachfrage sorgt für mehr Aufträge

Bei der Produktion verlangsamte sich das Wachstumstempo zum Vormonat etwas, was die Befragten erneut auf die heimische Konjunkturschwäche zurückführten. Der Teilindex Produktion sank auf 51,1 Punkte nach 52,3 Punkten im Oktober. Die Zahl der Gesamtaufträge nahm NTC zufolge im November zum ersten Mal seit vier Monaten wieder zu. Der entsprechende Teilindex kletterte mit 51,6 (Vormonat 49,4) Punkten über die 50-Zähler-Marke. Hauptmotor war das Exportgeschäft. Die Auslandsnachfrage erreichte trotz der derzeitigen Euro-Stärke das höchste Wachstumstempo seit fast zwei Jahren. Das Barometer, das die Exportaufträge anzeigt, legte auf 53,5 (52,2) Punkte zu.

Die deutschen Firmen berichteten den Angaben zufolge von einem Nachfrageanstieg insbesondere aus den USA, Italien, Russland, Israel und anderen Ländern in Nahost. Sie profitierten dabei indirekt vom anhaltenden Wettbewerbsdruck auf dem Heimatmarkt, der auf die Preise drückte und damit den deutschen Unternehmen zugleich einen Vorsprung vor ausländischen Konkurrenten ermöglichte.

Stellenabbau geht weiter

Der Personalabbau in der deutschen Industrie setzte sich nach NTC-Erhebungen im November den 18. Monat in Folge fort. Die Verschlechterung der Gewinnsituation zwinge die Firmen zu weiteren Rationalisierungen. Der Teilindex Beschäftigung sank auf 44,4 (44,7) Punkte.

Die Einkaufspreise nehmen im Vormonatsvergleich seit April zu. Im November verlangsamte sich die Zuwachsrate allerdings infolge der rückläufigen Ölpreise. Die Firmen berichteten aber den Angaben zufolge besonders von höheren Stahlpreisen.

Geschäftsrückgang auch in der Euro-Zone

Auch in der Euro-Zone verlangsamte sich im November der Geschäftsrückgang des Verarbeitenden Gewerbes. Der Reuters-EMI für den Währungsraum stieg nach NTC-Angaben auf 49,5 Punkte von 49,1 Punkten im Oktober, signalisiert damit aber weiterhin eine leichte Schrumpfung. Analysten hatten im Schnitt mit einem unveränderten Indexstand von 49,1 Punkten gerechnet. Eine leichte Verbesserung der Auftragslage ist nach Angaben von NTC vor allem auf den Anstieg der Bestellungen in Deutschland zurückzuführen. Der Teilindex Neuaufträge in der Euro-Zone stieg auf 51,0 (50,0) Punkte.

Analysten sprachen von "einigermaßen ermutigenden" Konjunkturdaten, die allerdings nicht überinterpretiert werden dürften. "Das wird die Hoffnungen nähren, dass wir in der Euro-Zone Licht am Ende des Tunnels sehen", kommentierte David Brown von Bear Stearns in London die Zahlen. Kollege David Mann von Standard Chartered ergänzte: "Aber das ändert nicht das Gesamtbild, so dass wir weiterhin eine Zinssenkung der EZB in dieser Woche erwarten." Wie die meisten Volkswirte gehen Brown und Mann davon aus, dass die Leitzinsen in der Euro-Zone von derzeit 3,25 % bei der EZB-Ratssitzung am Donnerstag um 50 Basispunkte gesenkt werden.

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