Reuters-Einkaufsmanagerindex: Abschwung in deutscher Industrie verlangsamt sich

Reuters-Einkaufsmanagerindex
Abschwung in deutscher Industrie verlangsamt sich

Der Abschwung der Industrie hat sich in Deutschland und der Euro-Zone zum Jahresanfang einer Umfrage zufolge überraschend deutlich verlangsamt.

Reuters BERLIN. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für Deutschland stieg im Januar auf 48,3 von revidiert 47,0 Punkten im Vormonat, wie die Forschungsgruppe NTC am Montag mitteilte, die den Index gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) für Reuters ermittelt. Der Index signalisierte jedoch mit einem Wert unter 50 Zählern den sechsten Rückgang der Geschäftstätigkeit in Folge. In der Euro-Zone stieg das Barometer auf 49,3 von 48,4 Zählern.

Zuletzt hatte auch der Ifo-Index mit einem minimalen Anstieg angedeutet, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft nicht weiter verschlechtert. Zunächst steht jedoch der Irak-Konflikt nach Einschätzung vieler Experten einer echten Trendwende im Wege. Andreas Scheuerle von der DekaBank nannte den EMI-Anstieg eine positive Überraschung: "Was wir im Moment sehen, ist eine Bodenbildung bei den Stimmungsindikatoren - das ist auch nötig, wenn ab Jahresmitte die prognostizierte Erholung einsetzen soll." Auch Elwin de Groot von der Fortis Bank sah in der Umfrage bestätigt, dass das Geschäftsvertrauen in der Euro-Zone eine Talsohle erreicht hat.

Firmen sichern sich mit Bestellungen gegen Irak-Krieg ab

Von Reuters befragte Analysten hatten für Deutschland lediglich einen Anstieg auf 47,2 und für Europa auf 48,6 Punkte prognostiziert. In Deutschland wurde das Plus NTC zufolge vor allem durch eine minimale Verbesserung der Nachfrage verursacht. Scheuerle bewertete den Anstieg dieser Komponente positiv: "Das ist natürlich eine Hoffnung, da diese Komponente nach vorne gerichtet ist." Während die Einkaufsleiter und Geschäftsführer aus 400 befragten Firmen über eine Zunahme der Bestellungen von Konsumgütern berichteten, verzeichneten sie einen Rückgang bei Investitionsgütern wie Maschinen.

Die Exporte der Branche nahmen durch eine gestiegene Nachfrage aus den USA und Asien zum vierten Mal in Folge zu. Viele ausländische Firmen sichern sich den Angaben zufolge bereits gegen mögliche Preisanstiege und Lieferknappheit im Falle eines Irak-Krieges ab. Auch die Materialpreise stiegen vor allem wegen der Bedenken über Materialnachschub weiter an.

Unternehmen bauen weiter Arbeitsplätze ab

Unternehmen in Deutschland und den übrigen Ländern der Euro-Zone bauten im Januar in fast unvermindertem Tempo Beschäftigung ab. In Deutschland stieg der entsprechende Index leicht auf 44,0 von 43,3 Zählern im Dezember, in der Euro-Zone auf 46,3 von zuvor 45,5 Punkten. Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum, Werte darunter auf einen Rückgang hin. Nur sechs Prozent der deutschen Firmen stellten mehr Mitarbeiter ein, während ein Fünftel Personal abbaute.

Den Beschäftigungsabbau begründeten die Einkaufsleiter europaweit vor allem mit dem Bemühen, die Kosten zu senken. "Trotz des leichten Wachstums von Produktion und Neuaufträgen im Januar bedeutete der Wettbewerb, dass sich die Industrie in der Euro-Zone weiterhin auf Kostenreduzierung und Produktivitätssteigerung konzentriert", teilte NTC mit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%