Reuters-Einkaufsmanagerindex: Einkaufsmanagerindex Euro-Zone zeigt weiter Abschwung

Reuters-Einkaufsmanagerindex
Einkaufsmanagerindex Euro-Zone zeigt weiter Abschwung

Der Abschwung im Verarbeitenden Gewerbe in der Euro-Zone hat sich im Dezember erwartungsgemäß fortgesetzt, aber mit einem etwas geringeren Tempo als im Vormonat. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex stieg zwar nach Angaben der Forschungsgruppe NTC auf 44,1 von 43,6 Punkten im November, doch mit einem Wert unter 50 Zählern signalisiert er weiter ein Schrumpfen der Geschäftstätigkeit.

Reuters LONDON. Die am Mittwoch vorgelegten Daten zeigen nach Einschätzung von Analysten, dass die Konjunktur in den nächsten Monaten wohl langsam wieder an Fahrt gewinnt. Lediglich in Deutschland - dem einzigen Land in der Euro-Zone mit einem Indexrückgang - sei die Lage weiter ernst. Die Experten erwarten daher und wegen des nachlassenden Inflationsdrucks im ersten Quartal eine weitere Leitzinssenkung der EZB um mindestens 25 Basispunkte.

Trotz des Indexanstiegs der vergangenen beiden Monate sei der Geschäftsrückgang in der Euro-Zone im vierten Quartal 2001 wesentlich ausgeprägter als in den beiden Vorquartalen, teilte NTC weiter mit. Bereits im November hatte sich der Einkaufsmanagerindex geringfügig von seinem im Oktober markierten Rekordtief von 42,9 Punkten erholt. Die 2500 befragten europäischen Unternehmen hätten den neunten Monat in Folge rückläufige Auftragseingänge gemeldet. Dies habe erneut zu einem Schrumpfen der Produktion geführt, allerdings in einem etwas geringeren Tempo als im Vormonat.

USA schwächt weiter

Das Verarbeitende Gewerbe in der Euro-Zone wird Analysten zufolge weiter vom Abschwung in den USA geschwächt. Die Nachfrage sei eingebrochen, und dies habe die Branche tief in die Rezession abgleiten lassen, sagen die Experten. Nach Einschätzung von Bernard Walschots von der Rabobank wird die Rezession dieses Sektors aber noch einige Monate andauern. "Doch der Dezember-Index zeigt, dass wir das Schlimmste hinter uns haben", fügte er hinzu. Es sei deutlich ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Die Lage im Verarbeitenden Gewerbe der USA beginne sich wieder aufzuhellen, was sich zunehmend auch auf die Euro-Zone auswirke.

Für Deutschland äußerten sich die Analysten aber skeptisch über die weitere Konjunkturentwicklung. In der größten Volkswirtschaft Europas beschleunigte sich das Abwärtstempo im Dezember weiter: Der Index fiel auf 43,5 von 43,9 Punkten im Vormonat und liegt damit den neunten Monat in Folge unter 50 Zählern. Eine baldige Erholung des deutschen Industriesektors könne aus den Daten nicht herausgelesen werden, sagte James Stewart von Weavering Capital in London. Adolf Rosenstock von Nomura bezeichnete die deutschen Daten als enttäuschend.

Schwächstes Ergebnis seit Umfragebeginn

NTC zufolge zeigt der deutsche Index für das letzte Quartal 2001 das bei weitem schwächste Ergebnis für die deutsche Industrie seit Umfragebeginn im zweiten Vierteljahr 1996. Rund ein Fünftel der Befragten habe zudem geringere Mitarbeiterzahlen gemeldet. Die Stellenstreichungen hätten vor allem Beschäftigte mit Zeitverträgen getroffen, es habe aber auch zahlreiche Entlassungen gegeben.

Ungeachtet dessen äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) in einem Fernsehinterview zuversichtlich über die weitere Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Deutschland. Er erwarte im neuen Jahr eine langsame Belebung und im Mittel 2002 ein Wachstum von mehr als ein Prozent, sagte er dem Nachrichtensender "n-tv".

Analysten erwarten Leitzinssenkung

Angesichts der ungewissen Entwicklung in Deutschland erwarten viele Analysten in den nächsten Monaten eine erneute Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) um mindestens einen Viertel Prozentpunkt. Stewart rechnet sogar mit einer Lockerung um 50 Basispunkten im ersten Quartal. Der Teilindex für die Einkaufspreise der Branche liege mit 39,5 Punkten weiter deutlich unter 50 Zählern und signalisiere daher einen anhaltenden Preisrückgang. Die Inflationsrate in der Euro-Zone werde im Jahresverlauf deutlich unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent fallen, was Spielraum für niedrigere Zinsen schaffe. Im November lag die Jahresteuerung bei 2,1 %. Für die EZB-Ratssitzung am Donnerstag erwarten die Experten aber noch keine Senkung des Leitzinses von derzeit 3,25 %.

Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die im Rahmen der Erwartung ausgefallenen Daten. Der Euro kletterte zwar über 0,90 $, doch Händler führten dies vor allem auf den bislang offenbar reibungslose Einführung des Euro-Bargelds zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%