Reuters-Service-Index
Dienstleister sehen Zukunft pessimistisch

Die deutschen Dienstleister blicken nach einem anhaltend schwachen Geschäft im Oktober erstmals in diesem Jahr überwiegend pessimistisch in die Zukunft. In der Euro-Zone deutet der am Dienstag veröffentlichte Reuters-Service-Index dagegen überraschend eine leichte Verbesserung in dem Sektor an.

Reuters FRANKFURT. Die Mehrheit der Dienstleister in Deutschland rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem gleich bleibenden oder schlechteren Geschäft, wie die Forschungsgruppe NTC, die den Reuters-Service-Index ermittelt, in London bekannt gab. Bereits für Oktober signalisierte die Umfrage eine schwache Geschäftslage. Der Service-Index stieg zwar auf 46,2 Punkte von 44,6 Zählern im September, deutete aber mit weniger als 50 Punkten erneut einen Rückgang der Geschäftstätigkeit an. Analysten hatten mit einem unveränderten Indexstand gerechnet. In der Euro-Zone stieg der Reuters-Service-Index auf 50,1 nach 49,1 Punkten. Hier hatten Analysten einen Rückgang auf 48,8 Punkte erwartet.

Schuld an der schlechten Stimmung in den Unternehmen sind NTC zufolge die Spannungen im Irak, die Flaute in der deutschen und weltweiten Wirtschaft sowie das Ergebnis der Bundestagswahl. Der Teilindex Geschäftserwartungen brach im Oktober auf 46,8 von 54,5 Punkten ein. In den vorangegangenen Monaten hatte der Teilindex mit einem Stand über 50 Punkten die Erwartung einer Geschäftsaufhellung signalisiert.

Vor allem die anhaltend schwache Nachfrage belastete nach NTC-Angaben das Geschäft der Dienstleister im Oktober und sorgte für weiteren Stellenabbau. Trotz verstärkter Sparbemühungen der Firmen stiegen zudem erneut die Kosten, während die Unternehmen wegen des scharfen Wettbewerbs erneut ihre Preise senken mussten.

Obwohl der Index derzeit ein Schrumpfen der Dienstleister signalisiert, erwartet Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen, dass die Branche in diesem Jahr insgesamt einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten wird. Erfreulich sei der Anstieg nach dem Rückgang im Vormonat gewesen. "Wenn es keine Gegenbewegung gegeben hätte, wäre es schon ein Grund zur Sorge gewesen." Allerdings sollte man den Einbruch bei den Erwartungen nicht abtun.

In der Euro-Zone insgesamt verzeichneten die Dienstleister nur eine unwesentliche Verbesserung des Geschäfts, wobei allerdings die Unterschiede zwischen den Ländern deutlich ausfielen. Während das Geschäft in Deutschland weiterhin nachgab, legte der Sektor in Italien, Frankreich, Spanien und Irland zu. In Irland kletterte der Index sogar auf ein Fünf-Monats-Hoch. Dagegen wuchs des Geschäft der französischen Dienstleister so langsam wie seit zehn Monaten nicht mehr.

Für Kelly Tonkin vom Lehman Brothers in London ist es für die Einschätzung noch zu früh, dass die Dienstleistungsbranche das Schlimmste hinter sich habe. Das könne man erst nach mehreren Monaten mit aufwärts zeigenden Zahlen sagen. Die neuesten Daten deuteten zumindest auf einen ermutigenden Neubeginn.

Der Composite-Index, der die Umfrage-Daten aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor zusammenfasst, stieg auf 50,7 Punkte von 49,1 Zählern im September. Hier hatten Volkswirte mit einem Rückgang auf 49,0 Punkten gerechnet. Für den Reuters-Service-Index werden monatlich 2000 Firmen aus Deutschland, Frankreich, Irland, Italien und Spanien zur aktuellen Geschäftstätigkeit und ihren Aussichten befragt. Der Index deckt damit 83 Prozent der Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor der Euro-Zone ab.

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