Revival eines Investmentthemas
Logistikbranche generiert hohes Wachstum

Indem sie die Abhängigkeit vom Brief verringert, setzt die Deutsche Post nach Ansicht verschiedener Experten auf die richtige Karte: Ihr neues Aushängeschild Logistik, also die Steuerung von Warenströmen, steht im Zeichen des Internethandels, der steigenden Nachfrage nach punktgenauer Lieferung und der Auslagerung ganzer Betriebsteile vor erheblichem Wachstum.

vwd DÜSSELDORF. Laut Schätzungen werden die Umsätze der noch sehr fragmentierten Branche in den kommenden Jahren um je 15 bis 20 % zulegen. Vor einem regelrechten Boom steht das E-Business, von dem sich die Post so viel verspricht. Hier sollen die weltweiten Erlöse von noch nicht 700 Mrd. $ dieses Jahr auf 4 000 Mrd. $ 2003 hochschnellen.

Vom Urlaubsgruß bis zum Frachtcontainer im Flugzeugbauch - die Deutsche Post AG bewegt sich in verschiedenen Bereichen. Einerseits die traditionelle Zustellung von Druckerzeugnissen, andererseits der Umschlag von Waren. In der Bundesrepublik und den meisten anderen EU-Staaten ist der Briefmarkt seit 1998 erst teilweise für den Wettbewerb geöffnet, wobei Deutschland weiter ging als viele Nachbarn. Gleichwohl hält die Post noch immer einen Marktanteil von 96 % beim Brief. Auch am Gesamt-Postmarkt, der noch Kurier-, Express- und Paketdienste umfasst, kommt sie auf zwei Drittel des Umsatzes von über 43 Mrd. DM. Der Rest entfällt auf zahlreiche oft kleinste Anbieter.

Brief-Monopol fällt Ende 2002

Briefe bis 200 Gramm darf der Bonner Konzern noch bis Ende 2002 ausschließlich befördern. 2003 soll in der EU die nächst Stufe der Liberalisierung gezündet werden; nach den bisherigen Planungen würde die Post dann noch eine Exklusivlizenz für Sendungen bis 50 oder 100 Gramm behalten. Der gesamte europäische Postmarkt steht für rund ein Prozent des Bruttosozialprodukts der Region. 1998 kamen die EU-Staaten plus Norwegen und der Schweiz auf einen Umsatz von mehr als 73 Mrd. Euro - die Deutsche Post lag mit 14,7 Mrd. Euro an der Spitze. Von den europäischen (Ex-)Monopolisten ist bislang nur die niederländische TNT Post Group (TPG) an der Börse.

Analysten erwarten weitere Übernahmen

Das Postgeschäft gilt als reifer Markt, dem allerdings der Trend zu Postwurfsendungen eine gewisse Dynamik verleihen dürfte. Die Universal Postal Union (UPU) rechnet mit einem jährlichen Wachstum des Postaufkommens von rund 2,5 % bis 2005. Bislang lag der Durchschnitt in den Industrieländern bei 1,7 %. Der Markt ist von Konzentration geprägt. Allen voran bei Akquisitionen schreitet die Deutschen Post, aber auch TPG - die ebenfalls ein weltweit führender Anbieter für Briefdienste und Logistik werden will - sowie La Poste in Frankreich und das britische Post Office kaufen massiv zu. Analysten erwarten weitere Übernahmen.

Liefert der Kurier auch Kühlschränke?

Das Internet und die damit verbundenen Onlinebestellungen bieten den Postgesellschaften große Chancen - hier können sie ihre Stärke besonders bei der Belieferung von Privatkunden ausspielen. Aber es gibt auch Risiken. So verursachen wiederholte Zustellungen in Fällen, wo der Adressat nicht da ist, hohen Aufwand. Bisher ist das Business-to-Consumer-Geschäft (B2C) zudem auf eher kleine Artikel von geringem Wert konzentriert. Doch hier sind wegen der Internet-Konkurrenz - papierloses Buch, CD-Brenner, Video-Download - Einbußen zu erwarten. Sie könnten aber durch größere und teurere Lieferungen kompensiert werden - warum soll der Kurier keine Kühlschranke liefern?

Umsatzquelle E-Commerce

Das World Wide Web dürfte der Post bei all seinen Chancen aber noch auf andere Arten zu schaffen machen. Bannerwerbung etwa geht zu Lasten der Postwurfsendungen, und die virtuelle E-Mail ersetzt den papiernen Brief. Gleichwohl - beim B2C macht den Bonnern hier zu Lande nur die Otto-Versand-Tochter Hermes ernsthaft Konkurrenz. Die große Geldquelle aber ist das E-Business zwischen Unternehmen, das für über 80 % der Online-Transaktionen steht. Forrester Research rechnet in diesem Jahr mit über 600 Mrd $ Marktvolumen, das schon 2001 knapp 1 200 Mrd $ erreichen und 2004 auf über 6 600 Mrd. $ kommen soll.

Hohe Wachstumsraten auf dem Luftexpress-Markt

Für Deutschland erwarten die Forscher dieses Jahr ein B2B-Aufkommen (Business-to-business) von 18 Mrd. $; 2004 sollen es dann 350 Mrd. $ sein. Für den B2C-Sektor (Business-to-consumer) wird eine Steigerung von 2,3 Mrd. auf 33,5 Mrd. $ vorhergesagt. Der virtuelle Handel auf Unternehmensebene berührt das zweite und zunehmend wichtigere Standbein der Post: das Fracht- und Logistikgeschäft. Auf dem Expressmarkt, auf dem die Post auch mit großen privaten Anbietern wie UPS oder German Parcel konkurriert und der in Europa 1998 ein Volumen von 25 Mrd. $ hatte, ist mit hohem Wachstum zu rechnen, da Just-in-Time-Lieferungen immer mehr gefragt sind. Einer der am schnellsten wachsende Sektoren der Weltwirtschaft ist der Luftexpress, wo die Post mit der Mehrheit an DHL bestens dasteht.

Gewerbliche Kunden verlangen One-Stop-Shopping

Die eigentliche Logistik, die schon Mitte der 80er Jahre ein spannendes Investmentthema war und nach einer Flaute jetzt ein Revival erlebt, ist weit mehr als bloßer Transport. Materialbeschaffung, Lagerhaltung, Verpacken, Konfektionieren, Preisauszeichnung, Bestellwesen, Zollabfertigung, Kostenplanung, Finanzabwicklung, Bearbeitung von Rücksendungen - im Idealfall wird alles aus einer Hand geboten (One-Stop-Shopping). Die Branche ist ebenfalls sehr fragmentiert, die wenigsten Anbieter haben einen Anteil von mehr als zwei Prozent am Weltmarkt. Die Gesamtausgaben für Logistik in Europa ohne Post und Express wurden 1998 auf 146 Mrd. Euro geschätzt. Bis 2003 soll der Markt auf gut 190 Mrd. Euro anwachsen.

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