Revolte der Aktionäre
Glaxos symptomatische Niederlage

Die Revolte der Aktionäre gegen Vorstandsbezüge trifft ein Unternehmen, das derzeit wenig Phantasie bietet. Das ganze Ausmaß der Blamage bekommt Chief Executive Jean-Pierre Garnier erst mit mehrstündiger Verzögerung mit.

HB LONDON. Nach einer peinlich genauen Auszählung steht am späten Montagabend fest, dass eine hauchdünne Mehrheit von 50,72 % der Aktionäre des britischen Pharma-Giganten Glaxo Smithkline (GSK) gegen die Vorschläge des Vorstands für dessen Bezüge gestimmt hat. Der "goldene Fallschirm" von bis zu 22 Mill. Pfund (gut 31 Mill. ¤) Gehalt für den Fall von Garniers vorzeitigem Ausstieg erschien selbst institutionellen Aktionären als zu üppig.

Das Votum ist der Höhepunkt des Shareholder-Aktivismus der Saison 2002/03 - und geht in die britische Unternehmensgeschichte ein. Garnier ist die erste "Fat Cat", der eine Mehrheit der Aktionäre ein "Nein" ins Gesicht faucht, weil sie zu tief in die lukrativen Gehaltstöpfe langt. Eine zweifelhafte Ehre, selbst wenn das Votum für die Gesellschaft nicht bindend ist. Die Welle der Kritik hatte schon andere erfasst: die Bank Barclays etwa, der Öl-Multi Shell oder die Hotelgruppe Hilton. Doch die "obszöne" Freigiebigkeit bei Glaxo wurde den institutionellen Aktionären zu viel - wenngleich sie sich nicht gegen gute Bezahlung als solche wandten.

Größere Konsequenzen aus der Niederlage muss niemand befürchten: Glaxo selbst dementierte am Tag vor dem schicksalhaften Aufeinandertreffen mit den Aktionären Medienberichte, wonach CEO Garnier oder Chairman Christopher Hogg bei einer Ablehnung zurücktreten könnten - damit niemand auf falsche Gedanken kommt.

Denn der Name Glaxo schürt in der jüngsten Zeit bei Analysten keine große Erwartungen. Der Aktienkurs des Pharmariesen hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 20 % verloren, und ein großes Wachstum zeichnet sich nicht ab. Allzu große Hoffnungen auf die im Dezember zu veröffentlichende Forschungs-Pipeline machen sich die Experten derzeit nicht. "GSK hat keine Story wie Astra-Zeneca zu bieten", heißt es bei den Pharma-Beobachtern.

Am positivsten äußern sie sich noch über das Marketing des "Powerhouse, das existierende Produkte exzellent vermarktet und zudem seine Kosten gut im Griff hat". So überraschte der Pharma-Gigant im abgelaufenen ersten Quartal wieder mit einem zweistelligen Zuwachs beim Betriebsgewinn (auf knapp 1,81 Mrd. Pfund) und Gewinn je Aktie (21,8 p) die Analysten positiv. Das sind dann aber auch die einzigen Gründe, warum viele Anlageexperten die Aktie derzeit zum Kauf empfehlen. Meist kommt noch dazu, dass die Aktie im Vergleich zur Peer-Gruppe unterbewertet sei.

Das Abwärtspotenzial ist gering, heißt es am Markt. Das liegt vor allem daran, dass einige der größten Risiken bekannt und schon eingepreist sind: Das Auslaufen der Patente bei dem Antibiotikum Augmentin und dem Anti-Depressiva Wellbutrin. Wenn es hier Überraschungen gibt, dürften sie eher positiv sein - dass sich Glaxo vor Gericht durchsetzt und Generika erst später am Markt erscheinen. Das Währungsrisiko bleibt ebenfalls ein Thema. 50 % der Verkäufe werden in Amerika getätigt. Angesichts der traditionell engen Pfund-Dollar-Bindung scheint es damit aber in überschaubarem Rahmen zu liegen.

Jüngste Meldungen erneuter Klagen gegen das Cholesterin-Medikament Baycol sorgen für weniger Aufhebens. Obwohl auch Glaxo als Marketing-Partner des Herstellers Bayer betroffen sein soll, macht eine Klage mehr oder weniger wohl keinen großen Unterschied.

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