Revolution im deutschen Rechtsmarkt
Kanzleien-Kette will Rechtsrat von der Stange anbieten

In Sulzbach bei Frankfurt stehen derzeit zwei Anwälte, Michael Zahrt und Ha-Sung Chung, wie zwei Rennpferde in den Startlöchern. Immerhin - wenn ihr Plan aufgeht, wäre das eine Revolution im deutschen Rechtsmarkt. Bis Ende 2007 wollen die beiden Vorstände der Janolaw AG laut Business-Plan, der dem Handelsblatt vorliegt, insgesamt 323 Franchise-Sozietäten in lukrativen deutschen Innenstadtlagen aufbauen.

crz BRÜHL. Bereits bis Ende dieses Jahres sollen die ersten 13 Filialen stehen und Verbrauchern quasi ad hoc beim Shopping durch den Paragrafenwald helfen. Als attraktiv könnte sich das vor allem für Bezieher niedrigerer Einkommen erweisen, die sich keinen teuren Rechtsrat leisten können oder wollen. So soll denn auch die Erstberatung in den Janolaw-Stores bei einheitlich 50 Euro liegen.

Janolaw wirbt derzeit bei Berufseinsteigern und Anwälten mit 1, 2 Jahren Berufserfahrung für das Franchise-Modell. "In den einzelnen Büros wird vom Start weg eine hohe Durchlaufgeschwindigkeit vorherrschen," verspricht Michael Zahrt. Das muss es auch. Denn die Franchisenehmer sind nach derzeitigem Konzept dazu verpflichtet, neben einer einmaligen Aufnahmegebühr in Höhe von 10 000 Euro jährlich 10 Prozent ihres Umsatzes an die Zentrale in Sulzbach abzugeben. Außerdem will Janolaw den Franchisenehmern eine monatliche Infrastrukturgebühr in Höhe von 1 000 Euro sowie einen Marketingbeitrag von 5 % des Bruttoumsatzes in Rechnung stellen. Zahrt sieht das allerdings gelassen: "Für junge Anwälte ist das eine echte Alternative, weil sie hier so viel verdienen können wie in einer größeren Kanzlei mit Partnerstatus." Den Breakeven will Janolaw bereits Mitte 2005 erreichen. Zu diesem Zeitpunkt sollen laut Business-Plan dem Netzwerk 123 Kanzleien angehören, die der Franchise-Zentrale dann einen Umsatz von 1 803 000 Euro pro Quartal einbringen. Am Ende der Aufbauphase im Jahre 2007 soll das jährliche Umsatzvolumen gar bei 33 792 000 Euro liegen.

Franchise-Konzepte für Anwälte liegen offenbar im Trend. So gibt es in Hamburg mit der Legitas GmbH einen weiteren Anbieter, unter dessen Marke bereits vier Kanzleien arbeiten. "Wir werden uns über die Qualität und - anders als Janolaw - nicht über die Masse etablieren", beschreibt Geschäftsführer Sebastian Vorberg das Legitas-Konzept. Entsprechend zurückhaltend ist Vorberg auch bei den Planungen für den weiteren Ausbau des Franchise-Netzwerks: 80 bis 90 Kanzleien sollen bis 2006 unter der Dachmarke versammelt sein. Laut Vorwerk werden den Franchisenehmern sämtliche Leistungen der Zentrale nur zum Selbstkostenpreis berechnet. "Uns kommt es darauf an, zunächst überhaupt ein marktfähiges Franchisesystem aufzubauen."

Die im Oktober 2000 gegründete Janolaw AG ist dagegen auf das Massengeschäft ausgerichtet. Im Internet hat das Unternehmen ein mittlerweile mit Gewinn arbeitendes Rechtsinformationssystem für Verbraucher etabliert. Rechtsuchende werden darin Antworten zu mehr oder weniger allen gängigen Rechtsfragen aus dem Alltag geboten. Außerdem erhalten sie dort Vertragsformulare und Arbeitszeugnisse, die interaktiv auf ihren individuellen Fall zugeschnitten sind. Abgerechnet wird zu festen Pauschalpreisen, meist unter 50 Euro. Mittlerweile laufen Teilmodule der Datenbank im Internet bei Exklusiv-Partnern wie T-Online, Bild.de oder auch der Gerling Versicherungsgruppe.

Im letzten Quartal besuchten über 700 000 Verbraucher die Portale der Janolaw AG - Nachfrager, die Janolaw künftig an die regionalen Franchisenehmer weiterleiten wird. "Wir schaffen damit eine sinnvolle Verbindung zwischen erster Onlineberatung und weiterführender stationärer Betreuung. Und wir sprechen über die regionale Vor-Ort-Präsenz ganz neue Verbraucherschichten an," ist Ha-Sung Chung überzeugt. "Wir wollen das Recht industrialisieren. So werden die uns angeschlossenen Anwälte die Schriftsätze nicht mehr selber formulieren, sondern über unsere Software automatisch generieren."

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