Rezessionsangst
GfK: Konsumklima in Deutschland stabilisiert sich

Die trübe Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich leicht aufgehellt. Die Menschen geben wegen der hohen Arbeitslosigkeit und des Reform-Streits aber weiterhin nur zögerlich Geld aus. Dennoch dürfte der private Konsum nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr wieder einen Teil zum Wirtschaftswachstum beitragen.

Reuters BERLIN. Der auf einer monatlichen Umfrage basierende Konsumklima-Indikator der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stieg zum zweiten Mal in Folge und verbesserte sich auf 3,8 von zuletzt 3,6 Punkten im Mai. Dabei beurteilten die Verbraucher allerdings die weitere Wirtschaftsentwicklung in der Mai-Umfrage erneut pessimistischer. "Aus Sicht der Verbraucher sind mögliche Rezessionsgefahren noch nicht gebannt", erklärte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl am Freitag. Dennoch erwarte er, dass sich die Stimmung in den kommenden Monaten weiter festigt.

Die sinkende Inflation und die Erholung an den Börsen stärkten die Kaufkraft der Haushalte und ließ sie ihre zukünftige finanzielle Lage etwas positiver einschätzen. Die GfK berechnet aus einer Umfrage jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Positive Werte deuten auf einen Anstieg des realen privaten Verbrauchs zum Vorjahr hin, negative auf einen Rückgang.

Nach Ansicht der Analysten dürfte die Konsumkrise endlich ihre Talsohle durchschreiten - die Verbraucher waren zuletzt so pessimistisch gewesen, dass sich ihre Stimmung kaum noch weiter eintrüben konnte. "Das Konsumklima war so niedrig, dass sich jetzt eher positive Einflüsse bemerkbar machen", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Die Menschen gaben im vergangenen Jahr so wenig Geld aus, dass der Einzelhandel die größte Krise der Nachkriegszeit beklagte.

"Auch wenn der Konsum in Deutschland noch lange kein Wachstumsmotor ist, bremst er die Wirtschaft nicht mehr", sagte Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank. Sollte sich die Stimmung weiter aufhellen, könnten die Leute ihrer Ansicht nach auch endlich etwas von dem Geld ausgeben, was sie angespart haben: "Durch die lange Kaufzurückhaltung, unter anderem durch die Teuro-Debatte, haben sich sicherlich einige Nachholeffekte aufgestaut".

Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres war der private Konsum - der rund 60 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht - überraschend robust gewesen und um 0,6 % gestiegen, nachdem er im vergangenen Jahr noch geschrumpft war.

Der Indikator für die Konjunkturerwartung fiel der GfK zufolge im Mai auf minus 28,2 von minus 21,9 Zählern im April. Nach dem Ende des Irak-Krieges konzentrierten sich die Sorgen der Verbraucher Bürkl zufolge erneut auf die Innenpolitik. Neben der Reformdiskussion und der steigenden Arbeitslosigkeit verstärkten auch die niedrigen Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft den Konjunkturpessimismus der Verbraucher.

Im Gegensatz zu den Deutschen blicken die US-Amerikaner zuversichtlicher nach vorne. Das Vertrauen der US-Verbraucher war nach Angaben des Forschungsinstituts Conference Board im Mai gerade deshalb gestiegen, weil die Amerikaner die Aussichten für die US-Wirtschaft positiv beurteilten - Volkswirte führten dies unter anderem auf die beschlossenen Steuersenkungen zurück.

Eine leichte Verbesserung registrierte die GfK bei den Einkommenserwartungen der rund 2000 im Auftrag der EU-Kommission befragten Verbraucher. Der entsprechende Index stieg auf minus 12,6 von minus 15,5 Zählern. Die sinkende Inflation und die Erholung an den Börsen haben nach Bürkls Worten die Kaufkraft der Haushalte gestärkt. Allerdings sei für übermäßigen Optimismus wenig Raum. "Die Mehrheit der Konsumenten dürfte davon ausgehen, dass notwendige Reformen auch ihre Budgets beeinträchtigen und entsprechend die Einkommensaussichten dämpfen werden", sagte Bürkl.

Trotz der verbesserten Einkommensstimmung sahen die Menschen die Zeit für größere Anschaffungen noch nicht gekommen - der entsprechende Index gab weiter nach auf minus 39,9 von zuletzt minus 32,3 Zählern. "Somit kann für die Konsumneigung leider noch keine Entwarnung gegeben werden", folgerte Bürkl.

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