Rezessionsgefahr in den USA
Analysten misstrauen Optimismus an den Börsen

Während einige Strategen die angestaute Liquidität als weiteren Antrieb für eine Erholung sehen, äußerte ein Teil der Experten Bedenken vor einer verfrühten Entwarnung. Einige Dax-Firmen kosten nicht einmal ihre Substanz

ddp-vwd BERLIN. Viele Analysten misstrauen dem derzeitigen Optimismus an den Börsen. In der abgelaufenen Börsenwoche führten das anstehende Konjunkturprogramm in den USA sowie die erneute Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank auch an den deutschen Finanzmärkten zu Kursgewinnen. Ob diese positive Tendenz in der kommenden Woche fortgesetzt wird, sei noch nicht absehbar, meinten die Experten am Freitag. Während von einigen Strategen die angestaute Liquidität als weiterer Antrieb für eine Erholung gesehen wird, äußerte ein Teil der Analysten noch Bedenken vor einer verfrühten Entwarnung. Die kurzfristigen politischen sowie wirtschaftlichen Entwicklungen seien nach wie vor nicht vorhersagbar.

Nach Ansicht der Bankgesellschaft Berlin (BGB) kann in den USA eine Rezession wohl nicht mehr abgewendet werden. Ein weiterer Belastungsfaktor sei die hohe Unsicherheit an den Märkten in Bezug auf den Gegenschlag der USA. Entscheidend hierfür dürften wohl die Dauer, die am Militärkonflikt Beteiligten und die Gefahr einer Eskalation sein, betonte die Bank. Nach den hohen Kursgewinnen der vergangenen zwei Wochen könnte demnächst eine Konsolidierung bevorstehen, hieß es weiter. Aus technischer Sicht sei ein Kursrückgang in die Nähe der Septembertiefs sogar wünschenswert. Ein Test dieser Indexstände würde die Aussicht auf weitere Kurssteigerungen in den nächsten Monaten spürbar verbessern, erklärten die Analysten. Aus fundamentaler Sicht bleibe abzuwarten, ob die Hoffnungen, die durch die Konjunkturprogramme der US-Regierung und die Zinssenkungen der Fed geweckt worden sind, in der kommenden Zeit auch erfüllt werden können. Aus dieser Unsicherheit heraus raten die BGB-Analysten noch zur Vorsicht am Aktienmarkt.

Auch die Berenberg Bank empfiehlt Besonnenheit. Allerdings rechnet die Privatbank beim Deutschen Aktienindex (Dax) mit einer weiteren Stabilisierung. In den Vorwochen habe der Index starke Verluste hinnehmen müssen, heißt es zur Begründung. Die Analysten der Commerzbank erwarten auf Grund des verhaltenen Wirtschaftsausblicks für die nächste Zukunft auf den Aktienmärkten eine Seitwärtsbewegung bei anhaltend hoher Volatilität. Auch die Strategen der DZ-Bank gehen von einem begrenzten Kursanstieg aus. Nach der fulminanten Aufwärtsbewegung der vergangenen Woche befinden sich sowohl die Dax- als auch die beiden Nemax-Indizes im überkauften Bereich, schreiben die Analysten.

Charttechnische Signale

Da fundamentale Trendaussagen derzeit nur auf mittlere Sicht möglich seien, orientierten sich viele Anleger kurzfristig an charttechnischen Signalen, hieß es weiter. Diese deuten nach Ansicht der DZ-Bank darauf hin, dass der Markt vor einem positiven Oktober stehe. Hierzu fehle jedoch eine kurzfristige Bodenbildung, die innerhalb der nächsten fünf bis zehn Handelstage abgeschlossen werde, betonten die Analysten.

Für das Bankhaus Ellwanger & Geiger ist die Baisse an den Aktienmärkten ebenfalls noch nicht vorbei. Beim Dax sei eine leichte Überkauftsituation eingetreten, betonten die Analysten. Ein Rückschlag in Richtung 4 200 oder 4 000 Punkten sei jederzeit möglich. Anleger sollten sich also nicht von einer kurzen Euphorie anstecken lassen und mit vollen Segeln Neukäufe beziehungsweise Nachkäufe vornehmen. Die Analysten empfehlen Privatanlegern, höchstens ein Drittel der geplanten Investitionssumme in Einzeltitel zu stecken.

Von den Unternehmen werden in der kommenden Woche wenig Neuigkeiten erwartet. Mit dem ersten großen Schwung von Quartalszahlen ist nach Informationen der DZ-Bank erst in der ersten Novemberwoche zu rechnen. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass es im Vorfeld zu weiteren Gewinnwarnungen kommen werde, betonte die Bank. Bereits in den vergangenen Wochen musste eine Reihe von Neuer-Markt-Unternehmen ihre Planzahlen nach unten korrigieren. Von der Europäischen Zentralbank (EZB), die am kommenden Donnerstag wieder tagen wird, erwarten die Analysten der DZ-Bank eine weitere Senkung der Leitzinsen.

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