Rezessionsgefahr in Europa
IWF-Chef: EZB wird Zinsen senken

Die Europäische Union muss nach Ansicht des Generaldirektors des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, wegen drohender Rezession notwendige Strukturreformen beschleunigen.

dpa-afx HAMBURG/FRANKFURT. "Die Krise sollte der politischen und wirtschaftlichen Integration Europas einen Schub geben", sagte Köhler dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Um die Wachstumsraten zu erhöhen, müssten jedoch "übermäßige Regulierungen" abgebaut werden. In dieser Zeit "extremer Unsicherheit erwartet die Welt mit Recht etwas von Europa", sagte Köhler.

Der IWF-Chef sieht in den Euroländern derzeit keine Inflationsgefahr, "sondern eher eine Rezessionsgefahr". Er sei überzeugt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Spielraum für Zinssenkungen nutzen werde. Der EZB-Rat tagt erneut am kommenden Donnerstag. Zuletzt hatte die EZB die Leitzinsen kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September zusammen mit der US-Notenbank um 0,5 %punkte gesenkt. Der wichtigste Zinssatz zur Versorgung der Kreditwirtscha ft mit Notenbank-Geld steht derzeit bei 3,75 %. Experten erwarten, dass die EZB die Zinsen noch in diesem Jahr weiter senken wird.

Welteke: Geldpolitik steht Wachstumnsfinanzierung nicht im Wege

Die Geldpolitik der EZB steht nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke "der Finanzierung eines stärkeren Wirtschaftswachstums nicht im Wege". Das zeige sich schon daran, dass die EZB in diesem Jahr die Zinsen bereits um einen Prozentpunkt gesenkt habe und die Zinsen in Deutschland sehr niedrig sind, sagte Welteke im Nachrichtensender "n-tv".

Mögliche nachteilige Auswirkungen neuer Zinssenkungen auf die Stabilität dürften aber nicht übersehen werden, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe). "Wir müssen vermeiden, dass sich langfristige Inflationserwartungen aufbauen, weil durch weitere Zinssenkungen möglicherweise die Liquiditätsversorgung zu groß wird", sagte EZB-Ratsmitglied Welteke. Die Zinssenkungen müssten erst einmal wirken. Welteke wandet sich gegen spezielle Konjunkturprogramme, die den Effekt von "Strohfeuern" hätten. Entscheidend für eine Besserung der Konjunktur sei eine vernünftige Lohnpolitik, die sich an der Produktivität orientiere.

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