Rezessive US-Tendenzen eingepreist
Gewinnmitnahmen prägen Dax am Tag nach US-Zinssenkung

Die deutschen Aktien haben sich am Donnerstag, am Tag nach der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank (Fed), Händlern zufolge von Gewinnmitnahmen belastet gezeigt. "Die Märkte haben in den vergangenen vier, fünf Tagen ordentlich zugelegt und dann kam am Ende noch die Zinssenkung der US-Notenbank. Das war alles eine sehr schnelle Bewegung nach oben und da werden momentan einfach Gewinne mitgenommen", sagte Markus Boelsing von der Hessischen Landesbank.

rtr FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lag am Nachmittag mit 6156 Punkten 0,13 % unter seinem Vortagesschluss. Zuvor war das Börsenbarometer mehrfach kurzfristig ins Plus gedreht, nachdem jeweils der New Yorker Dow Jones-Index vorübergehend in der Gewinnzone notiert hatte. Am Mittwoch hatte der Dax rund 3,8 % zugelegt und ist damit in den vergangenen zwei Wochen um rund neun Prozent geklettert. Am Neuen Markt verbuchte der alle Werte des Wachstumssegments umfassende Nemax-All-Share-Index einen Verlust von 0,14 % auf 1781 Punkte, der Blue-Chip-Index Nemax50 hingegen stieg um 0,36 % auf 1684 Zähler. Im Mittelpunkt standen bei den Standardwerten die Aktien von SAP, die nach der Vorlage besser als erwarteter Quartalszahlen deutlich zulegten.

Auf die Frage, ob die jüngste US-Zinssenkung Befürchtungen vor einem größeren Wirtschaftsabschwung als erwartet aufkommen lasse, sagten Händler, rezessive Tendenzen seien bereits in den Kursen eingepreist. Mit einer Zinssenkung hätten Marktteilnehmer sowieso gerechnet, lediglich der Zeitpunkt sei überraschend gewesen. Der Markt erwarte sogar weitere Zinssenkungen. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten Devisenhändler in den USA nahezu einhellig eine weitere Lockerung der US-Geldpolitik im Mai. 24 von 25 der von Reuters im Anschluss an die Zinssenkung der Fed befragten Händler gingen von einer weiteren Zinssenkung von mindestens 25 Basispunkten bei dem Fed-Treffen am 15. Mai aus.

Den Ausblick für die Aktienmärkte machte Stefan Buchholz, Aktienhändler bei der DG Bank, von der weiteren Entwicklung der US-Technologiebörse Nasdaq abhängig. "Wenn die Nasdaq sich einigermaßen über der Marke von 2000 Punkten hält, muss davon ausgegangen werden, dass der Markt jetzt von der Tendenz her weiterhin nach oben geht, weil doch viele sich im Moment sehr stark zurückgehalten haben." Mit jedem Tag, an dem der Markt fester nach oben gehe, werde der Druck auf Fondsmanager größer. "Die müssen dann nachziehen und kaufen den Markt nach oben", sagte Buchholz.

SAP überragend

Die US-Börsen notierten nach rund zwei Handelsstunden uneinheitlich. Während der Technologie-Index Nasdaq seine positive Tendenz vom Vortag fortsetzen konnte und um 1,5 % auf 2110 Punkte anzog, notierte der Industriewerte-Index Dow Jones mit einem Abschlag von 0,2 % bei 10 595 Zählern.

Im Dax ragten die Titel von SAP mit einem Plus von 8,2 % auf 166,65 ? hervor, was Händler auf gute Quartalszahlen des Softwarekonzerns zurückführten. Am Morgen hatte SAP für das erste Quartal 2001 eine Gewinnsteigerung mitgeteilt, die stärker ausfiel als von den Finanzmärkten erwartet. Zudem hatte SAP für die kommenden Monate ein anhaltend starkes Wachstum in Aussicht gestellt.

Auf der Verliererseite im Dax standen die Titel von Preussag, die Händlern zufolge unter anderem weiterhin von einer Herabstufung vom Vortag belastet wurden. Die Aktien gaben um 4,39 % auf 37,01 ? nach. Infineon fielen um 3,34 % auf 48,09 ?. Händler führten den Trend auf eine Mitteilung des französisch-italienischen Halbleiterherstellers STMicroelectronics zurück, wonach der Halbleitermarkt in diesem Jahr um zehn bis 15 % schrumpfen wird, nachdem er im Vorjahr um 36 % gewachsen ist. Der MDax notierte nahezu unverändert bei 4613 Zählern.

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